„Still­stand be­deu­tet ein Höchst­maß an Ak­ti­vi­tät“

MiRO: Das Werk­teil 2 wird aus dem Be­trieb ge­nom­men, in­spi­ziert, über­ar­bei­tet und TÜV-ge­prüft

Acher- und Bühler Bote - - Karlsruhe - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Su­san­ne Jock

Vor ei­ner tur­nus­mä­ßi­gen Groß­in­spek­ti­on steht die Mi­ne­ra­lo­el­raf­fi­ne­rie Ober­rhein (MiRO): Ab 15. Fe­bru­ar wer­den sämt­li­che Pro­zess­an­la­gen des Werk­t­eils 2 öst­lich der Alb aus dem Be­trieb ge­nom­men, ge­rei­nigt, in­spi­ziert und tech­nisch op­ti­miert. 26 Pro­jek­te wer­den da­bei rea­li­siert, dar­un­ter der Ein­bau der bei­den rie­si­gen Koks­kam­mern, die in Spa­ni­en ge­fer­tigt und schon im Ok­to­ber über den Pio­nier­ha­fen bei der MiRO an­ge­lie­fert wur­den (die BNN be­rich-te­ten). Am En­de der Groß­in­spek­ti­on steht die Über­prü­fung und Ab­nah­me durch den TÜV. Nicht be­ein­träch­tigt durch den nach der Be­triebs­si­cher­heits­ver­ord­nung ob­li­ga­to­ri­schen „Groß­still­stand“ist das Werks­teil 1 west­lich der Alb. Dort steht erst im Jahr 2021 wie­der die Re­vi­si­on an.

Ein rie­si­ger Ring­kran, der zu­letzt in Ma­lay­sia im Ein­satz war und über 2 000 Ton­nen Hub­ka­pa­zi­tät ver­fügt, ist seit Mitt­woch weit­hin sicht­ba­res Zei­chen der Groß­ak­ti­on. Wahr­nehm­bar ist der Still­stand bei der MiRO zu­dem durch tem­po­rä­ren Fa­ckel­be­trieb, um die An­la­ge frei von Koh­len­was­ser­stof­fen zu ma­chen, er­läu­tert Ge­schäfts­füh­rer Ralf Schai­rer bei ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung vor Nach­barn, Po­li­zei, Feu­er­wehr, wei­te­ren Be­hör­den- so­wie Me­di­en­ver­tre­tern. Er­höh­tes Ver­kehrs­auf­kom­men so­wie ein ge­wis­se Aus­las­tung der Über­nach­tungs­ka­pa­zi­tä­ten in der Re­gi­on sei­en wei­te­re spür­ba­re Be­gleit­erschei­nun­gen. Zur MiRO-Mann­schaft mit 1 000 Mit­ar­bei­tern und 500 Part­nern kom­men 3 300 Fach­leu­te in­ter­na­tio­na­ler Un­ter­neh­men, schil­dert Schai­rer. „Still­stand be­deu­tet bei uns ein Höchst­maß an Ak­ti­vi­tät“, sagt er.

Zum „MiRO-Still­stand“wird der Ver­kehr auch über das zu­sätz­lich ge­öff­ne­te Tor 3 bei der B 36 in Neu­reut ge­führt. Ein Teil der Ar­bei­ter, die vor­wie­gend aus Ru­mä­ni­en und Un­garn kom­men, wer­den aber auch in der Pfalz un­ter­ge­bracht sein und über die Rhein­brü­cke zur Ar­beit kom­men. Stoß­zei­ten wer­den zwi­schen 5.30 und 6.30 Uhr so­wie zwi­schen 17 und 18.30 Uhr sein, er­läu­tert Axel Roth, Lei­ter In­stand­hal­tung bei der MiRO. Auf dem Ge­län­de der Raf­fi­ne­rie ist be­reits ein Con­tai­ner­dorf ent­stan­den: Bü­ros. Be­spre­chungs­räu­me. Um­klei­den und Du­schen sind in den 600 Con­tai­nern un­ter­ge­bracht. 2 200 Park­plät­ze wur­den zu­sätz­lich ein­ge­rich­tet und ein Bus-Pen­del­ver­kehr ge­plant, führt Roth aus.

Bis 22. März ist die „Kern-Still­stands­zeit“ter­mi­niert, die Ar­bei­ten an den neu­en Koks­kam­mern, die am zwei­ten März­wo­chen­en­de an ih­ren Platz ge­hievt wer­den, sol­len mög­lichst vor Os­tern be­en­det sein, um­reißt Roth die zeit­li­che Pla­nung. Mit der Kon­zep­ti­on der Ge­samt­maß­nah­me wur­de schon vor zwei Jah­ren be­gon­nen. Auch, um die Spe­zia­lis­ten, die von Raf­fi­ne­rie zu Raf­fi­ne­rie wei­ter­zie­hen, recht­zei­tig zu bu­chen: Man ha­be gro­ßen Wert dar­auf­ge­legt, qua­li­fi­zier­te Fach­leu­te ent­spre­chend zer­ti­fi­zier­ter Un­ter­neh­men zu ver­pflich­ten, hebt Roth her­vor. Und mit ei­nem ei­gens ent­wi­ckel­ten Si­cher­heits­par­cours, der nicht nur in acht vor­wie­gend ost­eu­ro­päi­schen Spra­chen die In­hal­te trans­por­tiert, son­dern auch mit ent­spre­chen­dem An­schau­ungs­ma­te­ri­al be­stückt ist, will man die mit den Ar­bei­ten ver­bun­de­nen Ri­si­ken mi­ni­mie­ren.

Die Lis­te der Auf­ga­ben ist lang: sechs Groß­ma­schi­nen, 700 Ap­pa­ra­te, 600 Ar­ma­tu­ren und Si­cher­heits­ven­ti­le so­wie 550 Roh­bau­punk­te wer­den un­ter die Lu­pe ge­nom­men, ei­ne Mil­li­on Ar­beits­stun­den sind wäh­rend des „Still­stands“zu leis­ten, so Roth.

Schon seit knapp ei­nem Jahr lau­fen „Vor­ar­bei­ten im Feld“, und seit Ok­to­ber ver­gan­ge­nen Jah­res sind 120 Ge­rüst­bau­er im Ein­satz, be­rich­tet Mar­tin Gre­gor, der für den „Still­stand“ver­ant­wort­lich ist. Da gro­ße An­la­gen­tei­le wie Wär­me­tau­scher er­setzt wer­den müs­sen, war auch ei­ne ent­spre­chend früh­zei­ti­ge Be­stel­lung er­for­der­lich. „Wir woll­ten drei Mo­na­te vor dem Still­stand al­le Er­satz­tei­le auf dem Ge­län­de ha­ben“, sagt er.

94 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert die MiRO in die An­la­ge, al­lein die Koks­kam­men schla­gen mit 75 Mil­lio­nen zu Bu­che, er­klärt Eber­hard Pfei­fer, Lei­ter Pro­jek­te bei der MiRO. „Nach 35 Jah­ren Lauf­zeit ist ein­fach Schluss“, be­grün­det er, war­um nun die 400 Ton­nen schwe­ren, 35 Me­ter lan­gen und 8,5 Me­ter brei­ten Kok­strom­meln er­setzt wer­den müs­sen. Und 160 Mil­lio­nen Eu­ro be­trägt das „Still­stands­vo­lu­men“– in­klu­si­ve der TÜV-Ab­nah­me – fügt er an.

3 300 zu­sätz­li­che Fach­leu­te im Ein­satz

DIE SKYLINE DER MIRO hat sich deut­lich ve­rän­dert: Der Ring­kran mit ei­ner Hub­ka­pa­zi­tät von 2 000 Ton­nen ist be­reits in sei­nem spe­zi­el­len Fun­da­ment ver­an­kert und seit Mitt­woch auf­ge­rich­tet. Er soll am zwei­ten März­wo­chen­en­de die bei­den rie­si­gen Kok­strom­meln, die im Ok­to­ber ge­lie­fert wur­den, in die An­la­ge hie­ven. Fo­tos: jo­do

ZUM „MiRO-STILL­STAND “wird der Ver­kehr auch übers Tor 3 bei der B 36 ge­führt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.