Auf­bau­hil­fe im Olym­pia­sta­di­on

Hof­fen­heim nach 1:1 zer­knirscht / Strit­ti­ger Straf­stoß / De­mir­bay trifft es wie­der hart

Acher- und Bühler Bote - - Karlsruhe - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Flo­ri­an Krebl

Ber­lin. Die Bot­schaft war klar, als Ju­li­an Na­gels­mann über den Ra­sen des Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­ons schlen­der­te und er­mun­ternd in die Hän­de klatsch­te. Je­den sei­ner Spie­ler nahm sich der Trai­ner von 1899 Hof­fen­heim vor: ab­klat­schen, Umar­mung, auf­bau­en. Ja, es war wie­der kein Sieg, son­dern nur ein 1:1 (1:0) bei Her­tha BSC. Doch im Mo­ment der öf­fent­lich her­auf­be­schwo­re­nen Kri­se wuss­te Na­gels­mann, wie er sich ver­kau­fen muss­te. „Man hat ge­se­hen, dass da kein Bruch ist und auch kein Riss. Die Mann­schaft hat mir ei­ne ein­drucks­vol­le Bot­schaft über­mit­telt auf dem Feld“, sag­te Na­gels­mann.

Zu­vor war in meh­re­ren Me­di­en über at­mo­sphä­ri­sche Stö­run­gen zwi­schen Trai­ner und Mann­schaft dis­ku­tiert wor­den. Na­gels­mann ha­be sich bei­spiels­wei­se nach der 2:5-Nie­der­la­ge ge­gen Bay­ern Mün­chen über das tak­ti­sche Ver­ständ­nis sei­ner Pro­fis be­schwert, hieß es dort. Al­les Quatsch, das sagt die Mann­schaft. „Ich muss klar­stel­len, dass da ein Be­richt da­bei war, in dem schlicht­weg auch ein­fach Lü­gen zu Pa­pier ge­bracht wor­den sind“, sag­te Ka­pi­tän Ke­vin Vogt: „Wir ste­hen hin­ter dem Trai­ner und der Trai­ner hin­ter uns.“

Das war in Ber­lin zu mer­ken. Ge­kämpft ha­ben die Kraich­gau­er, pha­sen­wei­se so­gar or­dent­lich ge­spielt. „Das Mo­men­tum fehlt, das Pen­del schlägt nicht ganz auf un­se­re Sei­te. Aber es war ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, was die Men­ta­li­tät an­geht“, sag­te Na­gels­mann: „Von da­her wer­den wir in Zu­kunft wie­der drei­fach punk­ten.“Das wä­re auch mal wie­der drin­gend nö­tig. In die­sem Ka­len­der­jahr bleibt Hof­fen­heim noch Sie­ge schul­dig. Seit fünf Par­ti­en ist Na­gels­manns Team sieg­los. So wird das nichts mit Eu­ro­pa.

Bei an­de­rer Aus­le­gung der Si­tua­ti­on vor dem 1:0 durch And­rej Kra­ma­ric (38.) hät­te Hof­fen­heim gar auch in Ber­lin ver­lie­ren kön­nen. Ex-Hert­ha­ner Ni­co Schulz war von Ab­wehr­spie­ler Ni­k­las Stark elf­me­ter­reif im Straf­raum ge­legt wor­den, Kra­ma­ric ver­wan­del­te den fäl­li­gen Straf­stoß. Her­tha kam erst im zwei­ten Durch­gang durch Sa­lo­mon Ka­lou (58.) zum Aus­gleich. Strit­tig war das Füh­rungs­tor der Gäs­te in­so­fern, als dass Schulz vor dem Foul aus dem Ab­seits ge­kom­men war. Vie­le er­war­te­ten da­her von Schieds­rich­ter De­niz Ay­te­kin, die Si­tua­ti­on da­her vor dem Foul ab­zupfei­fen. Doch der ver­tei­dig­te sei­ne Ent­schei­dung: „Bei der Ball­ab­ga­be war Ni­co Schulz au­ßer­halb des Straf­raums in ei­ner Ab­seits­po­si­ti­on. Al­ler­dings war die nicht straf­bar, weil er im deut­li­chem Ab­stand zu Ni­k­las Stark stand.“

Doch da­mit war das Glück der Hof­fen­hei­mer auch schon auf­ge­braucht. Be­son­ders die Ver­letz­ten­bi­lanz liest sich alar­mie­rend und in Ber­lin kam noch ei­ner da­zu. Hert­haVer­tei­di­ger Jor­dan Tor­u­na­rig­ha trat Rück­keh­rer Ke­rem De­mir­bay in der 15. Mi­nu­te im Zwei­kampf un­glück­lich auf den Knö­chel, der Deut­schTür­ke muss­te raus. Der Na­tio­nal­spie­ler fällt mit ei­ner Au­ßen­band-Rup­tur und ei­nem Syn­des­mo­se-An­riss im rech­ten Sprung­ge­lenk meh­re­re Wo­chen aus. Nach dem Spiel schick­te das Team ein Grup­pen­fo­to via Twit­ter – mit De­mir­bays Tri­kot und der Num­mer 10 in der Mit­te. Der 24-Jäh­ri­ge war nach ei­ner Ober­schen­kel­ver­let­zung gera­de erst wie­der ge­ne­sen, be­stritt ge­gen Her­tha sein ers­tes Spiel 2018. Doch Kri­sen­ma­na­ger Na­gels­mann wird wohl ver­su­chen, auch die­sen Ver­lust auf­zu­fan­gen – in ge­wohnt läs­si­ger Ma­nier.

BILDSYMBOLIK in an­geb­li­chen Kri­sen­ta­gen: Trai­ner Ju­li­an Na­gels­mann und die TSG-Pro­fis kön­nen mit­ein­an­der. Fo­to: dpa

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