Ei­ne Fra­ge der Ge­fah­ren

Das neue Po­li­zei­ge­setz in Bay­ern hat ei­ne Wel­le der Em­pö­rung aus­ge­löst. Im Süd­wes­ten wur­de das Ge­setz be­reits im No­vem­ber ge­än­dert. Wel­ches ist schär­fer?

Alb Bote (Münsingen) - - SÜDWESTUMSCHAU - Von Axel Ha­ber­mehl

geht es nicht um Straf­ver­fol­gung, son­dern um Ab­wehr von Ta­ten, be­vor sie ge­sche­hen. Doch wann herrscht „Ge­fahr“? Je wei­ter man den Be­griff fasst, des­to mehr Spiel­raum hat die Po­li­zei. Ge­nau dies be­kla­gen Kri­ti­ker des PAG. Bay­erns Po­li­zis­ten kön­nen schon bei „dro­hen­der Ge­fahr“Bür­ger­rech­te be­schnei­den. Den Be­griff hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 2016 für Ter­ror-Be­kämp­fung ein­ge­führt. Bay­ern dehnt ihn auf wei­te­re Kri­mi­na­li­tät aus. Der Ver­ein „Ge­sell­schaft für Frei­heits­rech­te“(GFF) hat das ju­ris­tisch ge­prüft und be­fun­den: „Schon, wenn die Po­li­zei le­dig­lich an­nimmt, es könn­te sich ein­mal ei­ne ge­fähr­li­che Si­tua­ti­on ent­wi­ckeln, soll sie viel­fäl­ti­ge Ein­grif­fe in Bür­ger­rech­te vor­neh­men kön­nen. Da­mit wer­den po­li­zei­li­che Maß­nah­men an kei­ne nach­prüf­ba­ren Vor­aus­set­zun­gen mehr ge­knüpft.“Die GFF hat des­halb ei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de an­ge­kün­digt.

In Ba­den-Würt­tem­berg gab es die De­bat­te auch. Nach Kri­tik von Op­po­si­ti­on und Ex­per­ten än­der­ten In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) und die grün-schwar­ze Ko­ali­ti­on den Ent­wurf und er­höh­ten die Schwel­le für gra­vie­ren­de Grund­rechts­ein­grif­fe. Das Ge­setz ver­langt nun „drin­gen­de und er­heb­li­che Ge­fahr“. Das soll si­chern, dass die Po­li­zei neue Be­fug­nis­se wie „Han­dy-Tro­ja­ner“nur bei „schwe­rer Kri­mi­na­li­tät“und „er­heb­li­chen Ge­fah­ren“be­son­ders für Leib und Le­ben, nut­zen darf. Das ist auf be­vor­ste­hen­de Ter­ror­an­schlä­ge ge­münzt.

Grü­nen-In­nen­ex­per­te Han­sUl­rich Sckerl: „Wäh­rend bei uns Maß­nah­men ge­gen Ge­fähr­der auf den Be­reich Ter­ro­ris­mus be­grenzt sind, und auch nur ei­ni­ge we­ni­ge Maß­nah­men zu­las­sen, ope­riert das PAG im Nach­bar­land sehr pau­schal mit ei­ner abs­trakt dro­hen­den Ge­fahr und ei­ner Rei­he von Ein­griffs­be­fug­nis­sen.“

Seit die­ser Wo­che hat Bay­ern ein neu­es Po­li­zei­auf­ga­ben­ge­setz (PAG). Die Land­tags-CSU be­schloss es mit ih­rer ab­so­lu­ten Mehr­heit, doch es gab hef­ti­ge Pro­tes­te und Wi­der­stand. Kri­ti­ker äu­ßern ver­fas­sungs­recht­li­che Be­den­ken und war­nen vor ei­nem Über­wa­chungs­staat, 30 000 Men­schen de­mons­trier­ten vor ei­ner Wo­che in Mün­chen ge­gen das Ge­setz. Be­für­wor­ter se­hen dar­in ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung, die durch tech­ni­schen Fort­schritt und Ter­ro­ris­mus not­wen­dig ge­wor­den sei.

Ähn­li­che De­bat­ten gab es vor kur­zem, als der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Land­tag im No­vem­ber das Lan­des­po­li­zei­ge­setz ver­ab- schie­de­te. Es wur­de da­mals als „das schärfs­te Deutsch­lands“be­zeich­net. Ein ver­gleich­ba­rer Auf­schrei der Zi­vil­ge­sell­schaft blieb aber aus. Da­bei klin­gen vie­le For­mu­lie­run­gen sehr ähn­lich. Doch im De­tail­ver­gleich wird deut­lich, dass die baye­ri­schen Re­geln deut­lich tie­fer in Bür­ger­rech­te ein­grei­fen.

Mas­sen­de­mo M d vor d dem R Rat­haus th i in Mü Mün­chen: h H Hat t di die P Po­li­li zei in Bay­ern wirk­lich mehr Be­fug­nis­se als im Süd­wes­ten?

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