Bin­nen Mi­nu­ten war al­les ka­putt

Dunk­le Wol­ken, Don­ner, Er­de in der Luft, peit­schen­de Bö­en: Tau­sen­de er­le­ben im Raum Vier­sen am Nie­der­rhein ei­nen zer­stö­re­ri­schen Tor­na­do, man­che ste­hen nun buch­stäb­lich oh­ne Dach über dem Kopf da.

Alb Bote (Münsingen) - - BLICK IN DIE WELT - Vol­ker Da­nisch und Fe­de­ri­co Gam­ba­ri­ni un­ter fin­den sie

Der dunk­le Wir­bel­sturm wälzt über Fel­der hin­weg, Bäu­me bre­chen um, Dä­cher wer­den ab­ge­deckt: Die be­droh­li­che Sze­ne mit min­des­tens ei­nem Schwer­ver­letz­ten spielt nicht in den USA, son­dern im Raum Vier­sen am Nie­der­rhein. Es ist kurz vor 18 Uhr am Mitt­woch­abend, als der Tor­na­do im Orts­teil Bois­heim auf­taucht und in ei­nem schma­len Strei­fen auch Nach­bar­or­te er­fasst.

Aus dem Au­to und dem Dach­fens­ter fil­men Au­gen­zeu­gen die mäch­ti­ge Wind­ho­se, die Er­de und teil­wei­se auch Ha­gel durch die Luft wir­belt, wie auf Vi­de­os in den so­zia­len Netz­wer­ken zu se­hen ist. „Schat­zi, un­se­re gan­ze Ter­ras­se“, ruft ei­ne auf­ge­brach­te Frau in Vier­sen in ei­nem Vi­deo ei­nem Mann zu, zeigt ihm durchs Fens­ter die Ver­wüs­tung: „Die Bir­ke ist weg.“Drau­ßen schwe­ben Pa­pier und an­de­re Ab­fäl­le me­ter­hoch. Ei­ne Män­ner­stim­me: „Boah, was al­les durch die Ge­gend fliegt. (...) Al­le Bäu­me ge­hen flie­gen.“

Edith Schaul in Bois­heim steht gera­de im Gar­ten, als das Un­wet­ter auf­zieht. Erst Wol­ken, es don­nert, dann wird auch Er­de auf­ge­wir­belt. Sie sucht schnell Schutz im Haus. „Ruck­zuck, in fünf Mi­nu­ten war es vor­bei“, schil­dert sie we­ni­ge St­un­den spä­ter.

Der Tor­na­do deckt dort Dä­cher ab, zahl­rei­che Bäu­me stür­zen um. Er lässt Baum­res­te und auch ei­nen Wohn­wa­gen, der durch die Luft ge­wir­belt in Bü­schen lan­de­te, zu­rück. Ein Au­to­fah­rer (23), der aus sei­nem Fahr­zeug steigt, wird von her­ab­s­tür- zen­den Äs­te schwer ver­letzt. Ein Feu­er­wehr­mann wird leicht ver­letzt.

Noch bei Ta­ges­licht ma­chen sich die Ein­satz­kräf­te von Feu­er­wehr und THW, An­woh­ner und Dach­de­cker dar­an, die Schä­den zu be­sei­ti­gen. Mit Be­sen, Lei­tern und Werk­zeug. Am Don­ners­tag­mor­gen sind die Auf­räum­ar­bei­ten nun in vol­lem Gan­ge. Städ­ti­sche Mit­ar­bei­ter in Bois­heim räu­men die Stra­ßen frei.

Erst jetzt wird das Aus­maß der Schä­den klar: Al­lein im 2000 Ein­woh­ner zäh­len­den Vier­sen-Bois­heim ha­ben 40 bis 50 Häu­ser Schä­den. Meh­re­re von ih­nen sind nach den An­ga­ben der Stadt so­gar so stark be­schä­digt, dass die Be­woh­ner vor­erst nicht in ih­re Woh­nun­gen zu­rück­keh­ren kön­nen. Es müs­sen Not­un­ter­künf­te her. Dach­de­cker rü­cken an, um be­schä­dig­te Dä­cher zu­nächst pro­vi­so­risch mit Fo­lie ab­zu­de­cken,

Die Wind­ho­se ha­be „ei­ne Schnei­se der Ver­wüs­tung ge­schla­gen“, be­rich­tet der Kreis auf sei­ner Face­book­sei­te. Es sei aber glück­li­cher­wei­se ört­lich be­grenzt nur ein schma­ler Strei­fen.

Der Wir­bel­sturm, den der Wet­ter­un­ter­neh­mer Jörg Ka­chel­mann auf sei­ner In­ter­net­sei­te als „sehr ein­drucks­voll“be­zeich­net, steht nicht al­lein da. Er schreibt, in Deutsch­land sei­en in die­sem Jahr bis­her min­des­tens sechs Tor­na­dos be­ob­ach­tet wor­den. Bil­der und ein Vi­deo

swp.de/tor­na­do

Fo­to: Ma­ri­us Be­cker/dpa

Der Tor­na­do war so stark, dass er so­gar ei­nen Wohn­wa­gen hoch­wir­bel­te.

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