Ein grü­ner Knopf für fair pro­du­zier­te Klei­dung

Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler plant ein staat­li­ches Nach­hal­tig­keits-Sie­gel. In der Bran­che hält man das für ei­ne schlech­te Idee.

Alb Bote (Münsingen) - - WIRTSCHAFT - Von An­dré Bochow

Uwe Ma­zu­ra ist un­ge­hal­ten. Ei­ne „Schnaps­idee“sei das, was der Mi­nis­ter da vor­ge­legt ha­be. Die Re­de ist vom „Grü­nen Knopf“, al­so vom „Sie­gel für fai­re Tex­ti­li­en“, wie man im Ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­um sagt, dem Gerd Mül­ler (CSU) vor­steht. „Seit vier Jah­ren ver­sucht Mi­nis­ter Mül­ler sei­nen Knopf im­mer wie­der aus der Ver­sen­kung zu ho­len“, schimpft Ma­zu­ra, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ge­samt­ver­ban­des Tex­til und Mo­de. Ma­zu­ras Ver­band hat ein ei­ge­nes Pa­pier zum „so­ge­nann­ten Grü­nen Knopf“er­ar­bei­ten las­sen. Te­nor: Zu ho­he Kos­ten, nicht über­prüf­bar und über­haupt wür­den die deut­schen Un­ter­neh­men längst nach „höchs­ten So­zi­al- und Um­welt­stan­dards welt­weit“ar­bei­ten.

Gerd Mül­ler aber ist fel­sen­fest da­von über­zeugt, auf dem rich­ti­gen Weg zu sein. „Wir brau­chen ein Sie­gel, das den Kun­den beim Ein­kauf ein­fach und klar si­gna­li­siert: Hier han­delt es sich um fair pro­du­zier­te Klei­dung.“Im Herbst soll der „Grü­ne Knopf“an den Start ge­hen. Ge­mun­kelt wird, nicht ein­mal die Mi­nis­te­ri­ums­mit­ar­bei­ter tei­len die An­sich­ten ih­res Chefs in die­sem Punkt.

Im von Mül­ler in­iti­ier­ten Tex­til­bünd­nis ist man recht ge- schlos­sen ge­gen das neue Sie­gel. Der „Grü­ne Knopf“, da be­steht Ei­nig­keit, ver­spricht et­was, was er nie­mals hal­ten kann. Das Bünd­nis wur­de im Ok­to­ber 2014 „als Ant­wort auf töd­li­che Un­fäl­le in Tex­til­fa­bri­ken in Ban­gla­desch und Pa­kis­tan ge­grün­det“. Of­fen­bar gibt es doch noch et­was zu ver­bes­sern.

Zum Bünd­nis ge­hö­ren Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, Ge­werk­schaf­ten, die Bun­des­re­gie­rung und Un­ter­neh­men, die in der deut­schen Be­klei­dungs­bran­che un­ge­fähr die Hälf­te des Mark­tes ab­de­cken. Von An­fang an da­bei ist Hem­den­her­stel­ler „Sei­den­sti­cker“. Des­sen Nach­hal­tig­keits­be­auf­trag­ter Ni­co Kemm­ler be­stä­tigt: „Nur der Mi­nis­ter will den „Grü­nen Knopf“. Mül­ler ha­be sich „weit aus dem Fens­ter ge­lehnt, als er ver­kün­de­te, die Bun­des­re­gie­rung wür­de zu 100 Pro­zent ga­ran­tie­ren, dass Pro­duk­te mit dem ‚Grü­nen Knopf‘ fair und öko­lo­gisch her­ge­stellt wer­den“. Kemm­ler hält das „für brand­ge­fähr­lich“, weil ei­ne sol­che Ga­ran­tie nie­mand rea­lis­tisch ab­ge­ben kann. „An der Pro­duk­ti­on ei­nes Hem­des sind bis zu 140 Ak­teu­re be­tei­ligt.“Je­den ein­zel­nen zu kon­trol­lie­ren, sei un­mög­lich.

Chris­tia­ne Schnu­ra, seit 17 Jah­ren Ko­or­di­na­to­rin der „Kam­pa- gne für Sau­be­re Klei­dung“, glaubt, dass mit dem „Grü­nen Knopf“eben nicht die ge­sam­te Pro­duk­ti­ons­ket­te, son­dern nur ein­zel­ne Schrit­te ab­ge­bil­det wer­den. Au­ßer­dem be­fürch­tet Schnu­ra, die Un­ter­neh­men wür­den das neue Sie­gel für ein­zel­ne Pro­duk­te in An­spruch neh­men, oh­ne die Pra­xis des Ge­samt­un­ter­neh­mens zu än­dern.

Berndt Hinz­mann vom ent­wick­lungs­po­li­ti­schen In­ko­ta-Netz­werk setzt auf die Wei­ter­ent­wick­lung des Tex­til­bünd­nis­ses. Au­ßer­dem will Hinz­mann ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen, „die da­für sor­gen, dass Un­ter­neh­men haft­bar ge­macht wer­den“. Dass das Mi­nis­te­ri­um den „Grü­nen Knopf“zur Be­wer­tung bis­her gän­gi­ger Sie­gel ein­set­zen will, er­schüt­tert die kri­ti­sche Hal­tung Hinz­manns we­nig. Schon aus ju­ris­ti­schen Grün­den sei dies kom­pli­ziert.

Auch Ni­co Kemm­ler von der Fir­ma „Sei­den­sti­cker“plä­diert da­für, das Tex­til­bünd­nis wei­ter zu stär­ken: „Wir brau­chen in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lun­gen.“Mehr Fir­men im Bünd­nis, schon we­gen der Wett­be­werbs­ge­rech­tig­keit. Dar­auf kä­me es jetzt an. „Die Dis­kus­sio­nen über den „Grü­nen Knopf“rau­ben uns nur Ener­gie – voll­kom­men über­flüs­sig.“

Fo­to: Nick Kai­ser/ dpa

Tex­til­fir­ma in Ban­gla­desch.

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