Wir brau­chen ein Ge­setz

Alb Bote (Münsingen) - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Zum di­gi­ta­len Er­ben

Nur we­ni­ge Din­ge kön­nen El­tern so sehr aus der Bahn wer­fen wie der Tod des ei­ge­nen Kin­des. Nie­mals wird solch ein Ver­lust ver­stan­den wer­den – trotz­dem wer­den Müt­ter und Vä­ter al­les tun, um es zu ver­su­chen. Dass El­tern ei­ner 15-Jäh­ri­gen jetzt Zu­griff auf das Face­book-Kon­to ih­rer Toch­ter be­kom­men, wirkt wie ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Schließ­lich hät­te auch nie­mand die El­tern hin­dern kön­nen, durchs Ta­ge­buch oder die Brie­fe ih­rer Toch­ter zu blät­tern. Doch auch wenn es so wirkt: Durch die BGH-Ent­schei­dung herrscht mit­nich­ten Klar­heit.

Denn ju­ris­tisch ge­se­hen ist die Re­ge­lung di­gi­ta­ler Nach­läs­se im­mer noch Neu­land. Wie soll­ten bei­spiels­wei­se E-Mail-Kon­ten be­han­delt wer­den? Wird den Er­ben kein Zu­gang ge­währt, be­kom­men sie rie­sen­gro­ße Schwie­rig­kei­ten mit der Re­ge­lung auch des ana­lo­gen Er­bes. Das kann rich­tig teu­er wer­den. Dür­fen sie aber in den Mails des To­ten stö­bern, ist die Ge­fahr groß, dass sie Din­ge er­fah­ren, die sie nicht er­fah­ren sol­len. Je­der soll­te ein Recht auf Ge­heim­nis­se ha­ben, auch die To­ten. Der un­ge­hin­der­te Blick ins E-Mail-Post­fach kann üb­ri­gens auch für die Er­ben selbst sehr schmerz­haft wer­den.

Die Lis­te der Pro­ble­me ist lang: Was ist mit ju­ris­tisch re­le­van­ten Da­ten, die im di­gi­ta­len Ge­rüm­pel über­se­hen wer­den? Wel­che For­men der di­gi­ta­len Trau­er sind zu­läs­sig, wel­che ge­hen zu weit? Ap­pel­le, das The­ma im Tes­ta­ment zu re­geln, wer­den nicht rei­chen, so­lan­ge die Po­li­tik nicht selbst ak­tiv wird, wer­den Ge­set­ze aus der vor­di­gi­ta­len Zeit ir­gend­wie aufs Di­gi­ta­le an­ge­wen­det – mit un­kla­rem Aus­gang. Bei ei­nem der­art grund­sätz­li­chen The­ma wie dem Tod braucht es aber ei­ne De­bat­te und den po­li­ti­schen Wil­len, ak­tiv zu ge­stal­ten.

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