„Pep-Ef­fekt“auch ohne Guar­dio­la

Fuß­ball-Trends Die Tak­tik­Fach­leu­te bei der Fi­fa müs­sen rich­tig lie­gen: Deutsch­land war ohne Glück in Russ­land.

Alb Bote (Münsingen) - - FUSSBALL−WM IN RUSSLAND -

Ein „Pep-Ef­fekt“ent­schei­det aus Sicht von Ex­per­ten die WM. Die tak­ti­sche Kunst des frü­he­ren Bay­ern-Trai­ners Guar­dio­la die­ne vie­len der Top-Teams in Russ­land als Vorbild für er­folg­rei­chen Fuß­ball, er­klär­ten die Ana­lys­ten des Welt­ver­bands Fi­fa. „Wir ha­ben auch schon 2010 und 2014 ge­se­hen, dass zahl­rei­che sei­ner Spie­ler für den Welt­meis­ter ge­spielt ha­ben“, sag­te der Nie­der­län­der Mar­co van Bas­ten, Chef der Tech­ni­schen Stu­di­en­grup­pe (TSG) bei der Fi­fa. Die wei­te­ren Er­kennt­nis­se der Tak­tik-Fach­leu­te: Der Vi­deo­be­weis führt zu mehr Stan­dard­tref­fern und Deutsch­land fehl­te Glück.

Gera­de vie­le klei­ne­re Län­der ha­ben tak­ti­sche An­sät­ze von Guar­dio­la ad­ap­tiert und wen­den die­se nach ih­ren Mög­lich­kei­ten an. Die Fä­hig­keit, ein Spiel aus der ei­ge­nen Ver­tei­di­gung auf­zu­bau­en, ei­ne hoch ste­hen­de Ab­wehr und Pres­sing gel­ten als Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen. „Die­ser Spiel­an­satz, hoch­tech­nisch mit gro­ßer Ge­schwin­dig­keit, ist sehr wich­tig“, sag­te das schot­ti­sche TSG-Mit­glied An­dy Rox­burgh und nann­te dies den „Pep-Guar­dio­la-Ef­fekt“. „Er hat­te ei­nen gro­ßen Ein­fluss auf vie­le Spie­ler und Trai­ner in Eu­ro­pa.“

Die ho­he Zahl an Tref­fern nach Stan­dard­si­tua­tio­nen bei der WM ist ei­ner­seits auf die gro­ße „De­tail­ver­ses­sen­heit“in der Vor­be­rei­tung zu­rück­zu­füh­ren. So wur­de je­de 30. Ecke zu ei­nem Tor ver­wer­tet, der Wert liegt in der Cham­pi­ons Le­ague bei 45. Da­zu ver­bes­ser­te auch der Vi­deo­be­weis die Chan­cen auf ei­nen Tref­fer nach ru­hen­den Bäl­len. „Frü­her wur­de im Straf­raum mehr ge­schubst und ge­hal­ten“, sag­te Rox­burgh.

Die Fi­fa wer­tet man­geln­de Chan­cen­ver­wer­tung als aus­schlag­ge­bend für das Vor­run­den-Schei­tern des Ti­tel­ver­tei­di­gers. „Deutsch­land hat bes­ser ge­spielt als vie­le an­de­re Teams. Aber wenn du die Mög­lich­kei­ten hast, musst du sie auch nut­zen“, sag­te van Bas­ten. „Sie hat­ten kein Glück. Das war der Ge­gen­satz zu 2014.“Das Team von Bun­des­trai­ner Löw kam in den drei Par­ti­en der Grup­pen­pha­se auf 72 Tor­schüs­se, er­ziel­te da­bei aber nur zwei Tref­fer.

Erst­mals seit 36 Jahren hat kein afri­ka­ni­sches Team die Vor­run­de der WM über­stan­den. Aus Sicht des frü­he­ren ni­ge­ria­ni­schen WM-Teil­neh­mers Em­ma­nu­el Amu­n­e­ke müs­sen die Län­der des Kon­ti­nents vor al­lem die Aus­bil­dung ih­rer Spie­ler und Trai­ner ver­bes­sern. „Wenn wir nicht die Ver­ant­wor­tung er­ken­nen, un­se­re jun­gen Spie­lern zu ent­wi­ckeln, wer­den wir wei­ter nur in Träumen le­ben“, sag­te der 47-Jäh­ri­ge.

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