DIE RÖH­REN­DEN DEUT­SCHEN JAH­RE DER ITA­LIE­NI­SCHEN MU­SIK

Die 1960er bis 80er Jah­re wa­ren ei­ne Blü­te­zeit für die ita­lie­ni­sche Mu­sik in Deutsch­land

All About Italy (Germany) - - Editorial - Eli­sa­bet­ta Pas­ca

Die ita­lie­ni­sche Un­ter­hal­tungs­mu­sik er­leb­te von den 60er bis in die 80er Jah­re ei­ne er­folg­rei­che Pe­ri­ode und ex­pan­dier­te auch au­ßer­halb der Lan­des­gren­zen. Zu je­ner Zeit war der Mu­sik­markt si­cher­lich ganz an­ders als heu­te: Wenn ein er­folg­rei­cher ita­lie­ni­scher Künst­ler vor vier­zig Jah­ren ei­ne Plat­te auf den Markt brach­te, die funk­tio­nier­te, durf­te ein Plat­ten­la­bel noch kühn und an­griffs­lus­tig sein und ver­su­chen, das Pro­dukt auch in Eu­ro­pa oder oft welt­weit zu ver­öf­fent­li­chen.

Die be­rühm­ten „Lied­chen“wa­ren ein solch gro­ßer kom­mer­zi­el­ler Er­folg, dass sie pro­blem­los Sprach- und Lan­des­gren­zen über­schrei­ten konn­ten. Die Me­lo­di­en, in deutsch, spa­nisch oder fran­zö­sisch über­setzt, er­ober­ten

Die ita­lie­ni­sche Un­ter­hal­tungs­mu­sik wuss­te pro­blem­los Sprach- und Lan­des­gren­zen zu über­schrei­ten.

ei­ne im­mer statt­li­che­re Schar aus­län­di­sche An­hän­ger. Die­ses Kunst­werk schaf­fen heu­te ganz we­ni­ge Künst­ler des Bel Pa­e­se, nur noch ei­ne Hand­voll Grö­ßen der 2000er Jah­re ei­nes Ka­li­bers von Lau­ra Pau­si­ni, Andrea Bo­cel­li, Eros Ra­maz­z­ot­ti oder Ti­zia­no Fer­ro. Sie schaf­fen es leicht, in sprach­lich ähn­li­chen Mu­sik­märk­ten wie Süd­ame­ri­ka oder Spa­ni­en Er­fol­ge zu ver­bu­chen, wäh­rend es schwie­ri­ger ist, je­ne Plät­ze zu be­herr­schen, die laut­ma­le­risch wei­ter ent­fernt lie­gen, wie bei­spiels­wei­se der deutsch­spra­chi­ge.

Und doch war auch ein schein­bar har­ter Markt und

Sprach­raum wie der deut­sche der fei­nen Fas­zi­na­ti­on ei­ner ita­lie­ni­schen Me­lo­die un­ter­wor­fen. Gut zehn ita­lie­ni­sche Lie­der­ma­cher, In­ter­pre­ten und Künst­ler kön­nen sich rüh­men, ih­re Stü­cke im Lau­fe ih­rer Kar­rie­re auch in Deutsch­land ver­öf­fent­licht zu ha­ben. Ei­ni­ge die­ser Ver­sio­nen er­ha­schen we­gen der Aus­spra­che oder dem Ge­samt­re­sul­tat auch mehr als nur ein Lä­cheln, auch we­gen ih­rer bi­zar­ren und küh­nen Sprach­a­kro­ba­tik. Aber den­noch bleibt die Fas­zi­na­ti­on für die ty­pisch ita­lie­ni­sche Sen­si­bi­li­tät be­ste­hen, die den gol­de­nen Jah­ren nach dem Wirt­schafts­boom ei­gen ist, ei­ne spon­ta­ne und ein­neh­men­de Ener­gie, die den Hö­rer mit­ein­be­zieht und be­geis­tert, un­be­ach­tet jeg­li­cher Ver­schie­den­hei­ten.

Die Deut­schen san­gen „Un­ser Frei­es Lied” aus vol­ler Brust, die deut­sche Ver­si­on der uns­terb­li­chen Hym­ne “Il mio can­to li­be­ro” von Lu­cio Bat­tis­ti. Die Aus­strah­lung ei­ner Per­sön­lich­keit wie Lu­cio er­laub­ten ihm, so­gar zwei Al­ben zu ver­öf­fent­li­chen. Voll­stän­dig in deutsch ge­sun­gen, sind sie heu­te nicht mehr zu fin­den und des­halb wah­re Ra­ri­tä­ten für Samm­ler.auch Pat­ty Pra­vo ver­zau­ber­te ih­re deut­schen Zu­hö­rer mit „Das Pa­ra­dies auf die­ser Welt“und ließ sie da­mit von der Ori­gi­nal­ver­si­on „Il Pa­ra­di­so“kos­ten. Der­weil trug Mia Mar­ti­ni „Auf der Welt“vor, das in Ita­li­en un­ter dem Ti­tel „Pic­co­lo Uo­mo“be­kannt ist. Die­ses Lied hät­te am Fes­ti­val von San­re­mo 2012 von Ni­na Ha­gen und Lo­re­da­na Ber­tè ge­sun­gen wer­den sol­len, der Schwes­ter von der Mar­ti­ni, doch lei­der wur­de das Pro­jekt dann be­gra­ben.

Un­ter den wei­te­ren ita­lie­ni­schen Künst­lern, die auf deutsch ge­sun­gen ha­ben, er­in­nern wir an Mil­va mit „Men­schen an der Macht”, der deut­schen Ver­si­on von „Alex­an­der­platz“, Raf­fa­el­la Car­rà, die ih­ren Hit „A far l’amo­re co­min­cia tu“in „Lie­be­lei“um­wan­del­te, ei­ne sprit­zi­ge Ri­ta Pa­vo­ne, die „Ich fra­ge mei­nen Pa­pa“träl­ler­te, das un­sterb­li­che und fre­che „Vi­va la pap­pa col po­mo­do­ro”, wäh­rend Mi­na ih­rem deut­schen Pu­bli­kum ei­ne Ver­si­on von „Non crede­re” schenk­te, über­setzt mit “Glau­be ihr nicht”. We­ni­ger lan­ge zu­rück, ge­nau­er 2002, lan­cier­te Gi­an­na Nan­ni­ni „Aria ist Le­ben”, die deut­sche Ver­si­on von „Aria”. Fran­co Bat­tia­to hin­ge­gen ver­öf­fent­licht „Ge­still­te Sehn­sucht”, ein un­ver­öf­fent­lich­tes Werk, das im Al­bum „Co­me un cam­mel­lo in una grondaia” zu fin­den ist, und Ali­ce singt zu­sam­men mit Ste­fan Wag­gers­hau­sen „Zu nah am Feu­er”, das 1984 als Sing­le er­scheint: Die ita­lie­ni­sche Sän­ge­rin be­hält ih­re Stro­phen auf ita­lie­nisch bei und singt den Re­frain auf deutsch. Die Sing­le ver­kauft mehr als ei­ne Mil­li­on Ex­em­pla­re. Nun, man kann nicht ver­leug­nen, dass die ita­lie­ni­sche Mu­sik, wenn auch über­setzt, im­mer wohl­wol­lend von den Oh­ren der Deut­schen auf­ge­nom­men wur­de. Sie wuss­ten ih­re In­spi­ra­ti­on und ih­ren Schwung zu schät­zen. Zwi­schen den 60er und 80er Jah­ren er­leb­ten die Sän­ger des Bel Pa­e­se ei­ne gol­de­ne Epo­che, und es ist nicht un­mög­lich, dass sie wie­der zu­rück­keh­ren könn­te. Wir wünsch­ten es uns von Her­zen.

Lu­cio Bat­tis­ti und Mi­na

Mia Mar­ti­ni

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