DIE NICHT PER­FEK­TE SCHÖN­HEIT VON LU­CA PASCARELLA

All About Italy (Germany) - - Editorial - Eli­sa­bet­ta Pas­ca

Lu­ca Pascarella ist viel mehr als nur ein viel­ver­spre­chen­des, jun­ges Ta­lent im blü­hen­den und rei­chen Pan­ora­ma der glück­haf­ten Tra­di­ti­on der ita­lie­ni­schen Ma­le­rei. Er kommt 1976 in Felt­re zur Welt, ei­nem stim­mungs­vol­len Ort in der Re­gi­on Bel­lu­no. Er ist ein Kind je­nes Ve­ne­ti­en, das im Lauf der Jahr­hun­der­te der Kunst so viel ver­macht hat. Im Jahr 2003 trifft ihn die In­spi­ra­ti­on aus hei­te­rem Him­mel und er kann ihr nicht wi­der­ste­hen. So be­ginnt Pascarella, sich sei­nen ers­ten abs­trak­ten Mo­ti­ven zu­zu­wen­den. Das hei­li­ge Feu­er der Krea­ti­vi­tät des Künst­lers öff­net ihm schon bald das Be­wusst­sein für sei­ne Fä­hig­keit, durch die Ma­le­rei sei­nen Blick auf die Welt zu ana­ly­sie­ren und zu ver­tie­fen, in­dem er das ma­le­ri­sche Kön­nen phi­lo­so­phisch mit dem An­spruch ei­nes tat­kräf­ti­gen Be­ob­ach­ters der um­ge­ben­den Wirk­lich­keit ver­eint. In sei­ner ers­ten Schaf­fens­pe­ri­ode sind die Far­ben das haupt­säch­li­che Aus­drucks­mit­tel. Es ist ei­ne frucht­ba­re und an­re­gen­de Pha­se des Ex­pe­ri­men­tie­rens mit mit Far­ben und Farb­tö­nen.

Die schöp­fe­ri­schen Mal­tech­ni­ken, die der Künst­ler in je­ner Pe­ri­ode ent­wi­ckel­te, zie­len denn auch dar­auf ab, de­ren Ver­ar­bei­tung zu stu­die­ren, um voll­ende­te Wer­ke vol­ler Be­deu­tung zu schaf­fen, die über ei­ne her­kömm­li­che Ge­fühlser­fah­rung hin­aus­ge­hen. Die­se ers­te Pha­se ist wich­tig, weil sie die sti­lis­ti­sche Ent­wick­lung von Pascarella be­stimmt. Die Zeit und die Er­fah­rung brin­gen ihn, ge­ra­de ein­mal vier Jah­re nach dem Be­ginn sei­ner Ma­le­rei, da­zu, sich an ei­ner Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Sti­le und Tech­ni­ken zu mes­sen. Die­se die­nen ihm zur Ent­wick­lung des künst­le­ri­schen Pro­zes­ses, der sich be­son­ders auf das Stu­di­um und die Rea­li­sa­ti­on weib­li­cher Por­träts kon­zen­triert.

Die künst­le­ri­sche Su­che ei­nes jun­gen und ta­len­tier­ten Ma­lers. Sei­ne Bil­der sol­len Kli­schees und Schön­heits­stan­dards zer­stö­ren und sich klar vom heu­ti­gen Äs­t­he­tik­ide­al dis­tan­zie­ren.

Pas­ca­rel­las Ziel ist das Er­lan­gen ei­ner voll­stän­di­gen und per­sön­li­chen In­ter­pre­ta­ti­on des ab­ge­bil­de­ten Ob­jekts. Das her­kömm­li­che Schön­heits­ide­al soll über­wun­den wer­den. Ein ori­gi­nel­les und kraft­vol­les Bild soll die Kli­schees und die weit­läu­fig als schön gel­ten­den Stan­dards zer­stö­ren und sich klar vom heu­ti­gen Äs­t­he­tik­ide­al dis­tan­zie­ren. Asym­me­tri­en und Un­för­mig­keit neh­men in den Darstel­lun­gen Über­hand. So wird ge­ra­de das Nicht-per­fekt-sein zum Haupt­ele­ment und zieht die gan­ze Auf­merk­sam­keit auf sich. Dies

lässt ihn auf ei­ne nicht per­fek­te und ul­tra-ex­pres­si­ve Art und Wei­se ma­len, mit ei­ner dis­ku­tier­ba­ren Äs­t­he­tik, manch­mal so­gar kon­tro­vers. Der Künst­ler will auf sei­ner prä­zi­sen schöp­fe­ri­schen und er­schaf­fen­den Su­che Ge­müts­zu­stän­de, Sen­sa­tio­nen und all­täg­li­che Ge­füh­le ver­mit­teln. Aus die­sem Grund zeich­net er in sei­nen Wer­ken Ge­sich­ter nicht exis­tie­ren­der Per­so­nen. Das Sub­jekt wird so zu ei­ner Art vor-wört­li­chem Ele­ment, das die me­ta-ma­le­ri­sche Funk­ti­on ei­nes Sinn-ver­mitt­lers aus­übt. In ei­nem ein­zi­gen Ge­mäl­de schafft es Lu­ca Pascarella, un­ter­schied­lichs­te Aus­drucks­for­men und Ge­füh­le zu ver­mit­teln. Manch­mal er­gän­zen sie sich, aber oft sind sie wi­der­sprüch­lich und auf­wüh­lend. Miss­bil­dun­gen und Schön­heits­ma­kel ver­stär­ken die Kat­har­sis des Aus­drucks und ha­ben für ihn ei­ne zen­tra­le und un­aus­lösch­li­che Rol­le. Die­se Cha­rak­ter­ei­gen­schaft von Pas­ca­rel­las Schaf­fen ist der wich­tigs­te Bei­trag an die zeit­ge­nös­si­sche Ma­le­rei und ma­chen ihn trotz sei­nes jun­gen Al­ters zu ei­nem ih­rer reifs­ten und in­ter­es­san­tes­ten Ver­tre­ter. Nach zehn Jah­ren un­er­müd­li­chen Schaf­fens und For­schung bau­te Pascarella 2013 ei­nen pri­va­ten Aus­stel­lungs­raum in Mün­chen. Hier wer­den sei­ne neu­es­ten Wer­ke aus­ge­stellt. Das In­ter­es­se, das die Kunst­sze­ne dem jun­gen Ta­lent ge­gen­über zeigt, er­laubt es ihm, an ver­schie­de­nen An­läs­sen in der Baye­ri­schen Haupt­stadt teil­zu­neh­men. Sei­ne un­er­schöpf­li­che künst­le­ri­sche Ader ver­spricht zahl­rei­che wei­te­re Über­ra­schun­gen, An­halts­punk­te und An­re­gun­gen.

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