AUTODESIGN ALS TO­TA­LES KUNST­WERK

All About Italy (Germany) - - Editorial - Pao­lo Del Pan­ta

Die Ge­schich­te von Ales­san­dro Dam­bro­sio, ei­nem Au­to­mo­bil-de­si­gner, der ita­lie­ni­sche Eleganz zu Au­di bringt.

Kunst­wer­ke sind nicht aus­schließ­lich da­zu be­stimmt, in Mu­se­ums­schrei­nen mit ge­tön­tem Glas auf­be­wahrt zu wer­den. Manch­mal be­ste­hen Meis­ter­wer­ke aus geo­me­tri­schen Li­ni­en und ge­schwun­ge­nen Kur­ven, die sich im Raum aus­brei­ten und ent­fes­seln müs­sen, um je­de Schat­tie­rung der ei­ge­nen Schön­heit prä­sen­tie­ren zu kön­nen. Kunst ist ei­ne vi­brie­ren­de Be­we­gung, ein Zu­cken des Le­bens, das sich mit no­blen und kräf­ti­gen Ma­te­ria­li­en um­gibt. Die Au­to­mo­bil­in­dus­trie ist

Lei­den­schaft ist der wah­re Schlüs­sel zu al­lem, für ei­nen De­si­gner, für je­den Be­rufs­tä­ti­gen, für ei­nen Men­schen

im bes­ten Fall tat­säch­lich in der La­ge, ei­nem krea­ti­ven Kon­ti­nu­um ei­ne Mög­lich­keit zu bie­ten, Zeit und Raum mit ei­ner un­auf­halt­sa­men Ge­schwin­dig­keit zu über­win­den. Ales­san­dro Dam­bro­sio ist heu­te ver­ant­wort­lich für Au­dis „Kon­zept De­sign Stu­dio“in Mün­chen. Er kennt die­ses Re­gel­werk der me­cha­ni­schen Eleganz nur all­zu­gut und er­zählt uns da­von in ei­nem In­ter­view, das auf sei­ne Er­fah­run­gen ein­geht, die er so­wohl in Ita­li­en als auch im Aus­land ge­macht hat.

Sie ha­ben bei Fi­at an­ge­fan­gen, sind bei Al­fa Ro­meo ge­wach­sen, ha­ben sich bei Ma­se­ra­ti wei­ter­ent­wi­ckelt um dann Volks­wa­gen und Au­di als wei­te­ren wich­ti­gen Schritt auf ih­rem Be­rufs­weg zu wäh­len. Was ha­ben Sie wäh­rend Ih­rer lan­gen Kar­rie­re über die De­si­gn­ent­wick­lung ge­lernt? Un­se­re Auf­ga­be ist es, stets et­was Neu­es an­zu­bie­ten, das zugleich in­no­va­tiv, ele­gant und auch in­dus­tri­ell in Se­rie her­stell­bar sein muss. Wir ent­wi­ckeln Neu­es stets in vol­lem Re­spekt ge­gen­über dem „Erb­gut“, das die Mar­ke selbst aus­macht. Je­de Ober­flä­che, je­der Ab­schnitt, je­des De­tail und je­de Li­nie ist an­ders. Und un­ab­hän­gig von der Zeit, in der sie ent­stan­den ist, hat je­de Mar­ke gleich­zei­tig ih­re wie­der­er­kenn­ba­re Iden­ti­tät.

Wie viel Dis­zi­plin herrscht in der Welt des De­signs, und wie viel Äs­t­he­tik? Bei­des spielt ei­ne gro­ße Rol­le. Un­ter Dis­zi­plin ver­ste­he ich bei­spiels­wei­se, sich an die Mög­lich­kei­ten im Fahr­zeug­bau oder bei der Ae­ro­dy­na­mik zu hal­ten, und na­tür­lich im Budget zu blei­ben. Dis­zi­plin be­deu­tet für mich auch, zu be­ach­ten, dass wir mit der glei­chen Ba­sis und un­zäh­li­gen ge­mein­sa­men Bau­tei­len sehr un­ter­schied­li­che Fahr­zeug­va­ri­an­ten ge­stal­ten müs­sen. Hier kommt bei Au­di dann die äs­the­ti­sche Kom­po­nen­te ins Spiel. Je­des Mo­dell be­sitzts sei­ne ei­ge­ne DNA. Äs­t­he­tik und Dis­zi­plin ge­hen al­so Hand in Hand.

Der Lam­bor­ghi­ni Ego­is­ta ist ein un­ver­käuf­li­ches Ein­zel­stück, ent­stan­den 2013 im Rah­men des 50-jäh­ri­gen Fir­men­ju­bi­lä­ums – er zeigt die Ver­bin­dung der ex­pres­si­ven De­sign­spra­che Lam­bor­ghi­nis mit Ele­men­ten der Luft­fahrt. Ge­mein­sam mit Lei­ca wur­de die ty­pi­sche For­men­spra­che der Ka­me­ra neu in­ter­pre­tiert. Die mit De­sign­prei­sen aus­ge­zeich­ne­te Lei­ca T ist mit ih­rem zeit­lo­sen und schlich­ten De­sign auf die we­sent­li­chen Funk­tio­nen und For­men des Fo­to­gra­fie­rens kon­zen­triert. Im E-bi­ke fließt ne­ben strik­ter Funk­tio­na­li­tät, ex­tre­mer Sport­lich­keit und dem Leicht­bau­prin­zip, auch die Ver­bin­dung von Elek­tro­an­trieb und Mus­kel­kraft in ei­nem Kon­zept zu­sam­men. Mit dem Part­ner Oc­chio wur­de die mo­du­la­re Leuch­ten­fa­mi­lie Sin­te­si ent­wi­ckelt. In ihr ver­eint Au­di sei­ne Led-tech­no­lo­gie mit der Licht­kom­pe­tenz von Oc­chio.

Wie stark än­dert sich Ih­re Ar­beit, wenn sie sich über­haupt ver­än­dert, zwi­schen Ita­li­en und dem Aus­land, vor al­lem auch in Deutsch­land?

Ich schät­ze be­son­ders die Prä­zi­si­on, das Vor­aus­pla­nen und die ge­wis­sen­haf­te Or­ga­ni­sa­ti­on, die in Deutsch­land ge­lebt wer­den. Die­se Merk­ma­le sind mir per­sön­lich sehr wich­tig und sie ver­ein­fa­chen das Ar­beits­le­ben genau­so wie den pri­va­ten All­tag. Wel­che Lei­den­schaf­ten au­ßer­halb Ih­rer Ar­beit be­le­ben Ihr Pri­vat­le­ben? Ich he­ge ei­ne gro­ße Pas­si­on für den Sport: Ich ha­be mit ver­schie­de­nen Kampf­sport­ar­ten be­gon­nen, trai­nie­re re­gel­mä­ßig und set­ze mir hier stets neue Zie­le. Mei­ne größ­te Lei­den­schaft bleibt je­doch mei­ne Ve­s­pa „Luc­cio­la“(„Glüh­würm­chen“).

Sie hat mich durch halb Eu­ro­pa ge­bracht und ist so et­was wie mein Tre­sor, ge­füllt mit Er­in­ne­run­gen und Emo­tio­nen.

Was ist ty­pisch für den ita­lie­ni­schen Stil? Wel­ches sind die Kar­di­nal­punk­te, die das Ma­de in Ita­ly lei­ten?

Um den ita­lie­ni­schen Stil zu be­wer­ten, reicht es, ei­nen Blick auf die von Hand ge­schnei­der­ten An­zü­ge zu wer­fen. Die per­fek­te Pass­form, das Ge­we­be, die farb­li­che Ab­stim­mung, die Qua­li­tät und das per­sön­li­che An­pas­sen sind Ei­gen­schaf­ten, die die Tra­di­ti­on Ita­li­ens aus­ma­chen. Die De­tails ma­chen den Un­ter­schied. Wir blei­ben im­mer auf dem Weg der Eleganz und des gu­ten Ge­schmacks. Mit dem Au­di lu­nar quat­tro könn­te es der Au­to­bau­er schaf­fen, auf dem Mond zu lan­den. Sie ha­ben mit Ih­rem Team das De­sign die­ses Ro­bo­ters ge­schaf­fen. Wie fühlt es sich an, an ei­nem Pro­jekt teil­zu­neh­men, das ei­ne der größ­ten Be­stre­bun­gen der Mensch­heit um­set­zen wird?

Der Au­di lu­nar quat­tro ist ei­nes der be­geis­ternds­ten Pro­jek­tem­ei­ner Kar­rie­re. Es ist, als wür­den wir ei­nen Traum er­le­ben. Das gan­ze Team hat sehr viel ge­ar­bei­tet, um ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Re­sul­tat zu er­rei­chen. Ich glau­be, die­se per­fek­te Form ha­ben wir er­reicht, in­dem wir die glei­che Lei­den­schaft an­ge­wen­det ha­ben, mit der wir auch ein neu­es Au­to­mo­dell oder ei­ne Ka­me­ra von Lei­ca de­si­gnen. Die Hin­ga­be be­glei­tet uns im­mer, vom kleins­ten bis zum größ­ten Pro­jekt.

Der Au­di lu­nar quat­tro ent­steht in Ko­ope­ra­ti­on mit dem deut­schen Team „Part-ti­me-sci­en­tists“beim Raum­fahrt-wett­be­werb Goog­le Lu­nar XPRIZE, sei­ne mar­kan­te For­men­spra­che ent­warf das Au­di Kon­zept De­sign in Mün­chen.

Ales­san­dro Dam­bro­sio mit Nick Trach­te in­ha­ber von Box­werk

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.