KUNST

All About Italy (Germany) - - Editorial - Fran­co Del Pan­ta

Ein Ge­bil­de er­rich­tet le­dig­lich aus lo­kal vor­kom­men­dem Pflan­zen­ma­te­ri­al, er­stellt auf ei­ner ab­ge­le­ge­nen Er­he­bung und um­ge­ben von ei­nem na­tür­li­chen Hof aus Bäu­men: So wur­de ei­ne ein­fa­che Wald­lich­tung zum Treff­punkt, zu ei­nem Ort der Kul­tur und des Nach­den­kens. Um ihn zu be­schrei­ben reicht der Na­me: Die „Pflan­zen-ka­the­dra­le”. Sie steht im Park „del­le Oro­bie Ber­ga­ma­sche“in der Um­ge­bung des Or­tes „Olt­re il Col­le“und be­sitzt Aus­ma­ße ei­ner go­ti­schen Ka­the­dra­le. Sie be­steht aus drei Kir­chen­schif­fen aus 80 zwölf Me­ter ho­hen Säu­len mit ei­nem Me­ter Durch­mes­ser. In je­dem der Flü­gel wur­de ei­ne jun­ge Bu­che ge­pflanzt. Die­se wach­sen je­des Jahr et­wa um 50 Zen­ti­me­ter. Mit Zu­schnei­den und Umpflan­zen wer­den sie Schritt für Schritt so an­ge­passt, dass sie ei­ne ech­te Ka­the­dra­le bil­den wer­den, um ei­ne Flä­che von 1.230 m² zu be­de­cken. Es ist ein Werk, das kon­stant im Ent­ste­hen be­grif­fen ist, und nach der al­ten Kunst des Zopf­flech­tens er­rich­tet wird. Die­se be­nö­tigt bieg­sa­mes Holz, Pf­lö­cke, Nä­gel und Sei­le, die wie in ver­gan­ge­ner Zeit ge­mäß frei­er und um­fang­rei­chen krea­ti­ven Re­geln be­ar­bei­tet wer­den, um den na­tür­li­chen und öko­lo­gi­schen Zy­klus von Ge­burt, Wachs­tum und Ver­fau­len zu be­rück­sich­ti­gen. In zwan­zig Jah­ren wer­den die Bu­chen auch kei­ne Stüt­zen mehr nö­tig ha­ben, die dann, schon ver­fault, zu Bo­den ge­fal­len sein wer­den, um die Pflan­zen in ihr wah­res We­sen zu ent­las­sen und zu er­lau­ben, dass sich das Werk des Men­schen in den na­tür­li­chen Zy­klus von Ge­deih und Ver­der­ben ein­reiht. Das Pro­jekt hin­ter­lässt nicht nur ei­nen über­wäl­ti­gend emo­tio­na­len Ein­druck, son­dern sieht sich als Ver­mitt­ler für die Er­neue­rung und Wert­stei­ge­rung der Reich­hal­tig­keit und Ein­zig­ar­tig­keit der al­pi­nen Pflan­zen­ar­ten, die im Park und auf den Ge­birgs­käm­men der Ber­ga­mas­ker Al­pen wach­sen. Es soll aber auch zum Wie­der­ent­de­cken von klei­nen Städt­chen und Dör­fern an­re­gen, die sich zwi­schen be­ein­dru­cken­den Ber­gen und fun­keln­den Flüs­sen in ei­ne idyl­li­sche Na­tur ein­fü­gen.

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