Fer­ra­ri die Wur­zeln ei­nes ita­lie­ni­schen Traumes

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Das Sym­bol für ita­lie­ni­sches Know-how in der Welt wird 70 Jah­re alt: Stil, Qua­li­tät und Raf­fi­niert­heit in der Ge­schich­te gro­ßer Au­tos, aber vor al­lem gro­ßer Lei­den­schaft.

Es ist die Er­zäh­lung des Le­bens­werks ei­nes Man­nes, der sein gan­zes Ver­trau­en in die ei­ge­nen Träu­me und in sei­ne Fä­hig­kei­ten ge­legt hat. Das Aben­teu­er des sich auf­bäu­men­den Pferd­chens (Wap­pen­tier) be­ginnt of­fi­zi­ell im Jah­re 1947, als die Spit­ze des 125 S, dem ers­ten Fahr­zeug der Mar­ke Fer­ra­ri, durch das his­to­ri­sche Tor in der Via Abe­to­ne In­fe­rio­re in Ma­ra­nel­lo in der Pro­vinz Mo­de­na her­vor­trat. Doch die­se Ge­schich­te hat viel wei­ter zu­rück­lie­gen­de Anfänge und kann nur über die vie­len klei­nen Fort­schrit­te sei­nes Grün­ders er­zählt wer­den.

SEI­TEN EI­NES ER­FOLGS

En­zo Fer­ra­ri kommt am 18. Fe­bru­ar 1898 in Mo­de­na zur Welt. Er ent­deckt sei­ne krea­ti­ve Ader, sein nicht zu brem­send­ess Ver­lan­gen nach Ge­schwin­dig­keit schon sehr schnell, näm­lich bei den Au­to­ren­nen, die er mit sei­nem

Va­ter be­such­te, der ein Me­tall­bau­un­ter­neh­men be­saß. Ei­ne Kar­rie­re als of­fi­zi­el­ler Renn­pi­lot ist prak­tisch vor­ge­ge­ben, sie be­ginnt im Jahr 1924, noch am Steu­er ei­nes Al­fa Ro­me­os. Nur fünf Jah­re spä­ter tritt der Renn­stall Fer­ra­ri zum ers­ten Mal im Via­le Tren­to Tries­te in Mo­de­na zum Vor­schein. Die ur­sprüng­li­che Idee war die ei­nes Clubs, der sei­ne Mit­glie­der

„Ich war nie­mals Pla­ner noch Kal­ku­la­tor. Ich war im­mer ein Be­we­ger von Men­schen und Ta­len­ten.“En­zo Fer­ra­ri

an Au­to­mo­bil­ren­nen teil­neh­men las­sen woll­te, vor al­lem Gen­tle­men, die mit ih­ren Au­tos Ta­ten voll­brin­gen soll­ten, um den na­tio­na­len Stolz zu be­flü­geln. Von al­len Un­ver­ges­se­nen muss hier Ta­zio Nu­vo­la­ri er­wähnt wer­den, der den GP von Deutsch­land vor der „Au­to Uni­on“ge­wann. Wäh­rend­des­sen geht auch die Zu­sam­men­ar­beit mit Al­fa Ro­meo wei­ter, wo En­zo Fer­ra­ri bis Sep­tem­ber 1939 als Prü­fer, Pi­lot, wirt­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter und, schließ­lich, als Di­rek­tor der Renn­ab­tei­lung „Al­fa Cor­se“tä­tig ist. In je­nem Jahr grün­det er am al­ten Sitz des Renn­stalls die neue Fir­ma „Au­to Avio Co­stru­zio­ni“, mit der er ei­nen Sport­wa­gen ent­wirft, ei­nen Acht-zy­lin­der-spi­der, 1500 cm³ mit der Be­zeich­nung 815. Er wur­de in zwei Ex­em­pla­ren her­ge­stellt, um an der Mil­le Mi­gi­la von 1940 teil­zu­neh­men. Der krea­ti­ve Geist von En­zo Fer­ra­ri kann­te je­doch we­der Gren­zen, Hin­der­nis­se, noch Ru­he­zei­ten. En­de 1943 zie­hen die Werk­stät­ten der „Avio Au­to Co­stru­zio­ni“von Mo­de­na nach Ma­ra­nel­lo. Nach Kriegs­en­de be­ginnt un­ter der Lei­tung des ita­lie­ni­schen Pi­lo­ten Fran­co Cor­te­se die Pla­nung und der Bau des ers­ten Fer­ra­ris 125 S. Er ging als ers­ter Renn­fah­rer und Wa­gen­prü­fer von Fer­ra­ri in die Ge­schich­te ein. Am 11. Mai 1947 war Pre­mie­re auf der Renn­stre­cke von Pi­a­cen­za, und am 25. des sel­ben Mo­nats folg­te beim Gro­ßen Preis von Rom, in der be­ein­dru­cken­den Um­ge­bung der Ca­ra­cal­la-ther­men, der ers­te Sieg.

DIE GE­SICH­TER DES ER­FOLGS

Am En­de der Fünf­zi­ger­jah­re ist der Na­me Fer­ra­ri dank der ers­ten Er­fol­ge ei­ner lan­gen Se­rie in der gan­zen Welt be­kannt. Sie mach­ten den Renn­stall Fer­ra­ri zum sieg­reichs­ten Team al­ler Zei­ten in der Ge­schich­te der For­mel Eins. Fer­ra­ri ge­winnt 1951 das ers­te Ren­nen an ei­ner For­mel-eins-welt­meis­ter­schaft und wird 1952 mit Al­ber­to As­ca­ri Welt­meis­ter. Er wird zwei­fel­los als der größ­te ita­lie­ni­sche Renn­fah­rer al­ler Zei­ten an­ge­se­hen. Die­ser Er­folg wie­der­holt sich auch 1953. Auch auf der In­dus­trie­sei­te gibt es Grund zur Zuf­rie­den­heit. Die Zu­sam­men­ar­beit mit der his­to­ri­schen „Car­roz­ze­ria Sca­gli­et­ti“für die Her­stel­lung und Mon­ta­ge der Fahr­zeug­rah­men von Fer­ra­ri nimmt ih­ren An­fang. Die Tä­tig­keit von Sca­gli­et­ti ist von An­fang an aus­schließ­lich mit Fer­ra­ri ver­bun­den, wo sie auch mit Pinin­fa­ri­na zu­sam­men­ar­bei­tet, ei­ner an­de­ren Ka­ros­se­rie­fa­brik, die seit je­her mit dem Un­ter­neh­men aus Ma­ra­nel­lo ver­bun­den ist. Aus der Fe­der und dem Ge­nie von Ser­gio Sca­gli­et­ti ent­ste­hen Meis­ter­wer­ke wie der Fer­ra­ri 250 Tes­ta Ros­sa oder der un­ver­gess­li­che Fer­ra­ri 250 GTO. Es sind Fahr­zeu­ge, die den Wert die­ser Ka­ros­se­rie­bau­er in der gan­zen Welt be­kannt ge­macht ha­ben, so sehr, dass sich zwi­schen 1950 und 1960 auch die Ver­käu­fe mehr als ver­drei­fach­ten. Zu die­ser Zeit er­kennt En­zo Fer­ra­ri die Not­wen­dig­keit ei­ner mo­der­ne­ren und kla­re­ren Fir­men­struk­tur. Sie mün­det im Ab­schluss ei­ner Ver­ein­ba­rung mit der Fiat­grup­pe und der Über­schrei­bung von 50% der Ak­ti­en von Fer­ra­ri.

Die Iden­ti­tät der Mar­ke ist nicht da­von be­trof­fen, im Ge­gen­teil, 1970 be­ginnt die Her­stel­lung der ers­ten Au­tos mit hin­ten ein­ge­bau­ten V8-mo­to­ren. Sie sind ein gro­ßer kom­mer­zi­el­ler Er­folg, mit ste­tig zu­neh­men­den Ver­kaufs­zah­len, be­stärkt von Au­tos wie dem 308 GTB, dem 308 GT4 oder dem GTS.

Ein Er­folg, der im­mer von gro­ßen Er­run­gen­schaf­ten im Renn­be­reich be­glei­tet wur­de und dem Auf­tre­ten der ers­ten Spon­so­ren und ih­rer Lo­gos auf den Ka­ros­se­ri­en der Ein­sit­zer: Aus dem Jahr 1968 stammt die Über­ein­kunft mit Shell, noch heu­te Haupt­spon­sor, zu­sam­men mit der Fir­ma Phi­lip Mor­ris In­ter­na­tio­nal, die 1984 da­zu­stößt. Es ist ei­ne Ent­wick­lung, die in neu­en Re­kor­den des neu­en Jahr­tau­sends gip­felt, vor al­lem in der For­mel Eins, mit drei­zehn Wm-ti­teln, sechs bei der Renn­fah­rer­wer­tung (fünf mit Schumacher und ei­ne mit Räik­kön­nen) und sie­ben Ti­teln bei den Kon­struk­teu­ren von 2000 bis 2008. Es sind auch die Jah­re der Lan­cie­rung von Er­folgs­mo­del­len wie dem „En­zo Fer­ra­ri“von 2002 oder dem F430 von 2004. Ers­te­res ist ei­ne Hul­di­gung an den 1988 ver­stor­be­nen Grün­der und Quint­es­senz ei­nes Sport­au­tos.

Es wur­de zwar als Stra­ßen­mo­dell kon­zi­piert, be­inhal­tet aber die Syn­the­se mo­derns­ter For­mel­eins-renn­tech­nik. Als Be­stä­ti­gung ei­ner im­mer grö­ße­ren Lei­den­schaft für die ro­ten Bo­li­den ist auch die Er­öff­nung des ers­ten Fer­ra­ri Sto­re in Ma­ra­nel­lo zu se­hen, der mit ei­ner Rei­he wei­te­rer Lä­den die Mar­ke in die gan­ze Welt tra­gen soll.

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