IN FLO­RENZ IST DER FRÜH­LING VOLL MU­SIK

All About Italy (Germany) - - Contents - www.ope­ra­di­firen­ze.it Ste­fa­no Va­len­ti­ni

Der Mag­gio Mu­si­ca­le Fio­ren­ti­no, der als ei­ne der größ­ten kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen gilt und wie ein Fes­ti­val aus­ge­rich­tet ist, be­lebt aufs Neue die flo­ren­ti­ni­sche Kul­tur­sze­ne. Aus­ge­hend vom Orches­ter und der Be­deu­tung der gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Mu­sik­sze­ne be­schrei­tet das Fes­ti­val auch neue We­ge be­züg­lich des Re­per­toires und der all­ge­mei­nen Auf­fas­sung von Thea­ter, in­dem es un­ter an­de­rem Mu­sik­dra­men auf­führt, die in Ita­li­en bis zur Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts in die­sem Aus­maß un­be­kannt wa­ren. In sei­ner lan­gen und er­folg­rei­chen Ge­schich­te wur­den nam­haf­te Ma­ler, Bild­hau­er und Ar­chi­tek­ten be­auf­tragt, um Büh­nen­bil­der, Ko­s­tü­me, Zeich­nun­gen und Mo­del­le für die Kon­zer­te und Auf­füh­run­gen zu ent­wer­fen und zu rea­li­sie­ren.

Gior­gio De Chi­ri­co, Fe­li­ce Ca­s­o­ra­ti, Gi­an­ni Va­gnet­ti, Al­ber­to Sa­vi­nio, Fa­b­ri­zio Cle­ri­ci,

To­ti Scia­lo­ja, Gi­no Se­ve­ri­ni,

Gi­an Car­lo Sen­sa­ni und Ma­rio Si­ro­ni sind nur ei­ni­ge von den be­rühm­ten Ver­tre­tern der ita­lie­ni­schen Kunst­sze­ne, die in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren be­tei­ligt wa­ren.

Das Pres­ti­ge die­ser künst­le­ri­schen Ver­an­stal­tung hat in den letz­ten Jahr­zehn­ten die be­rühm­tes­ten Ver­tre­ter der Mu­sik­sze­ne an­ge­zo­gen, wo­bei ei­ne im­mer in­ten­si­ve­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem ei­gent­li­chen Fes­ti­val und al­len an­de­ren Ak­ti­vi­tä­ten ge­schaf­fen wur­de, die über das gan­ze Jahr ver­teilt sind.

Das 81. Fes­ti­val des Mag­gio Mu­si­ca­le Fio­ren­ti­no be­ginnt am 5. Mai mit der Oper “Car­dil­lac“von Paul Hin­de­mith un­ter der Lei­tung von Fa­bio Lui­si. „Car­dil­lac“han­delt von der Ob­ses­si­on ei­nes Künst­lers, der sich nicht von sei­nen ei­ge­nen Krea­tio­nen lö­sen kann, was in Aus­gren­zung und Mord mün­det. Die Oper lehnt sich an die tra­gi­schen Meis­ter­wer­ke des deut­schen Ex­pres­sio­nis­mus an, in de­nen der Wahn zum Ex­zess wird und über den Tod hin­aus­führt. Der Prot­ago­nist ist ein Gold­schmied, der sich we­ni­ger als Hand­wer­ker, son­dern mehr als Künst­ler, als Schöp­fer fühlt. Sei­ne mör­de­ri­sche Ra­se­rei scheint die­je­ni­gen zu tref­fen, die sei­ne Schmuck­stü­cke als Mit­tel für ge­sell­schaft­li­chen Auf­stieg oder zur Ver­füh­rung be­trach­ten, un­fä­hig ih­ren künst­le­ri­schen Wert zu schät­zen. In­ter­es­sant ist der zen­tra­le Punkt und die In­ter­pre­ta­ti­on der Oper von Hin­de­mith, die auf­zeigt, wie un­ter­schied­lich der Wert ei­nes Ob­jekts für des­sen Schöp­fer und des­sen Käu­fer ist. Die Auf­füh­rung wird am 9., 12. und 15. Mai wie­der­holt. Im Pro­gramm fin­den wir am 22., 25., 27. und 31. Mai „La batta­glia di Legna­no” von Gi­u­sep­pe Ver­di un­ter der Lei­tung von Re­na­to Pal­um­bo und der Re­gie von Mar­co Tul­lio Giorda­na, Ge­win­ner des Da­vid di Do­na­tel­lo, des Nas­tro d‘ar­gen­to, Fa­bio Lui­si, der Lei­ter des „Mag­gio“: „Mit 58 Jah­ren wird es Zeit, das wei­ter­zu­ge­ben, was ich wo­an­ders ge­lernt ha­be, und mich für mein Land ein­zu­set­zen, das so reich an her­vor­ra­gen­den Orches­tern und Chö­ren ist“.

1990 ge­wann das Orches­ter des Mag­gio Mu­si­ca­le Fio­ren­ti­no und sein Di­ri­gent den Gram­my Award für das Al­bum „Tre Ten­ori – Car­re­ras, Do­m­in­go, Pa­va­rot­ti in Con­cer­to“.

des Gol­den Glo­be und vie­ler an­de­rer Aus­zeich­nun­gen bei den Fes­ti­vals von Ve­ne­dig, Can­nes und Lo­car­no. Die­se Oper wur­de in ei­ner Zeit gro­ßer pa­trio­ti­scher Un­ru­hen kom­po­niert, und tat­säch­lich wur­de ein paar Ta­ge nach sei­ner Urauf­füh­rung in Rom die rö­mi­sche Re­pu­blik aus­ge­ru­fen. Wäh­rend der Papst nach Gae­ta flüch­te­te, ließ das Volk Ver­di und Ita­li­en hoch­le­ben, in­dem es Stü­cke aus der kurz zu­vor auf­ge­führ­ten Oper vor sich hin träl­ler­te. Das Fes­ti­val hat den Kom­po­nis­ten Adria­no Guar­nie­ri be­auf­tragt „In­fi­ni­ta tenebra di lu­ce“zu kom­po­nie­ren, ei­ne neue Oper, die in Zu­sam­men­ar­beit mit der Ac­ca­de­mia del­le Bel­le Ar­ti in­sze­niert und im Tea­tro Gol­do­ni auf­ge­führt wird. Die Kom­po­si­ti­on ba­siert auf der Ge­dicht­zei­le von Rai­ner Ma­ria Ril­ke „In­ce­di olt­re su me, in­fi­ni­ta tenebra di lu­ce” („du schrei­test über mich hin, du un­end­li­ches Dun­kel aus Licht“) und setzt vier ima­gi­nä­re Ge­sich­ter in Sze­ne – um vom In­nen­le­ben der mensch­li­chen See­le zu er­zäh­len – die auf­tau­chen und dann wie sur­rea­le Bil­der wie­der ver­schwin­den. Die Oper folgt kei­nem nar­ra­ti­ven Fa­den und der Ge­sang, teils li­ne­ar, teils po­ly­phon, ist reich an mu­si­ka­li­schen und li­te­ra­ri­schen An­spie­lun­gen. Am 19., 21. und 23. Ju­ni wer­den „Il Pri­gio­ni­e­ro“und die “Quat­tro pez­zi sa­cri” von Gi­u­sep­pe Ver­di auf­ge­führt. “Il Pri­gio­ni­e­ro” wur­de beim Mag­gio Mu­si­ca­le von1950 zum al­ler­ers­ten Mal von Lu­i­gi Dal­la­pic­co­la in Sze­ne ge­setzt, nach­dem er auf die Er­zäh­lung „La tor­tu­re par l’es­péran­ce“, ei­ne der „Con­tes cru­els“von Au­gus­te de Vil­liers de l’is­le Adam, ge­sto­ßen war.

„La Daf­ne“von Mar­co da Gaglia­no wird am 25., 27. und 29. Ju­ni auf­ge­führt, kurz be­vor ein wich­ti­ges Ju­bi­lä­um ge­fei­ert wird: näm­lich der 50. Jah­res­tag des De­buts von Ric­car­do Mu­ti in Flo­renz, der zum Fes­ti­val kommt, um zwei Kon­zer­te zu di­ri­gie­ren: am 11. und 13. Ju­li wird der Ma­e­s­tro „Mac­beth“von Gi­u­sep­pe Ver­di di­ri­gie­ren, wie schon beim Mag­gio Mu­si­ca­le von 1975. Zu den Schau­spie­lern ge­hö­ren Lu­ca Sal­si, Vit­to­ria Yeo und Fran­ces­co Me­li. Das Fes­ti­val bie­tet auch zahl­rei­che Sin­fo­nie­kon­zer­te an. Un­ter den fünf, die dem Zy­klus Schosta­ko­witsch ge­wid­met sind, fin­det am 24. Mai ei­ne Hom­mage an Leo­nard Bern­stein statt, des­sen hun­derts­ter Ge­burts­tag mit sei­ner Sin­fo­nie Nr. 2 „The Age of Anxie­ty“ge­ehrt wird. Am 29. Mai wird Fa­bio Lui­si „Pau­lus” di­ri­gie­ren, das Ora­to­ri­um von Fe­lix Men­dels­sohn­bar­thol­dy, das 1832 als em­pör­te Re­ak­ti­on auf die Auf­füh­rung von „Ro­bert le Dia­ble“von Mey­er­beer ent­stand. Am 22. Ju­ni wird – vor den letz­ten zwei Kon­zer­ten des Schosta­ko­witsch-zy­klus – Zu­bin Me­tha, Di­rek­tor Eme­ri­tus auf Le­bens­zeit, auf die Büh­ne stei­gen, um das Orches­ter des Fes­ti­vals zu di­ri­gie­ren. Er wird be­glei­tet von dem Per­kus­sio­nis­ten Si­mo­ne Ru­bi­no für das Kon­zert „Spea­king Drums“mit der Mu­sik von Pe­ter Eot­vos und den poe­ti­schen Tex­ten von San­dor Weo­res und Ja­ya­de­va, das an den Sprech­ge­sang des Jazz oder die tra­di­tio­nel­le in­di­schen Per­cus­sion-mu­sik er­in­nert.

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