GUC­CI GAR­DEN: EIN ATE­LIER DER FAN­TA­SIE ZWI­SCHEN TRAUM UND REA­LI­TÄT

All About Italy (Germany) - - Contents - Eli­sa­bet­ta Pas­ca

Flo­renz hat schon im­mer ein lie­be­vol­les Ver­hält­nis zu der Krea­ti­vi­tät sei­ner Be­woh­ner ge­habt, wo­bei es sich von die­sem Le­bens­eli­xier nährt und es wei­ter­gibt, um der Kunst und der Schön­heit stets neue Kraft zu ver­lei­hen. Un­ter all den ita­lie­ni­schen Städ­ten ist die tos­ka­ni­sche Haupt­stadt be­rühmt für ih­re Ge­schich­te und ih­re Be­ru­fung und schon al­lein des­halb ei­ne rie­si­ge Ta­l­ent­schmie­de un­ter frei­em Him­mel, fä­hig, die Be­su­cher zu ver­zau­bern und ih­nen Erlebnisse zu schen­ken, die sie ihr gan­zes Le­ben nicht ver­ges­sen wer­den. Die­sem Ge­fühl konn­te sich na­tür­lich auch ein le­gen­dä­res und be­rühm­tes Mo­de­haus wie Guc­ci nicht ent­zie­hen, das be­schlos­sen hat, in sei­nem Flo­renz ei­nen lo­cus amo­e­nus zu schaf­fen, ei­nen rea­len wie auch idea­len Ort, der die Wer­te und die Fan­ta­sie der Mai­son wi­der­spie­gelt, um sie dann wie in ei­ner Licht­ex­plo­si­on nach au­ßen zu schleu­dern.

In ei­ner At­mo­sphä­re zwi­schen Traum und Ge­schich­te ist der Guc­ci Gar­den in dem be­rühm­ten Pa­laz­zo del­la Im „Gar­ten“ser­viert der Kü­chen­chef Mas­si­mo Bot­tu­ra ei­ne in­no­va­ti­ves „Re­nais­sance-me­nü“, das Ita­li­en hul­digt und sich der Welt öff­net. Mer­can­zia un­ter­ge­bracht, der sich seit 1337 an der Piaz­za del­la Si­gno­ria be­fin­det. Der Guc­ci Gar­den ist ein po­ly­funk­tio­na­les Zen­trum mit ei­nem kom­plett re­stau­rier­ten Museum, der Guc­ci Gar­den Galleria, das von der Kri­ti­ke­rin Ma­ria Lui­sa Fri­sa ver­wal­tet wird und in dem ex­klu­si­ve Ob­jek­te aus den Ar­chi­ven der Mo­de­mar­ke aus­ge­stellt wer­den. Dann gibt es ei­nen Lu­xuss­to­re, in dem man Ein­zel­stü­cke kau­fen kann, und schließ­lich, als Tüp­fel­chen auf dem i, die äu­ßerst raf­fi­nier­te Guc­ci Os­te­ria, in der der Kü­chen­chef Mas­si­mo Bot­tu­ra re­giert, der mit sei­nem Re­stau­rant Os­te­ria Fran­ce­sca­na im Her­zen Mo­de­nas 3 Mi­che­lin-ster­ne er­hal­ten hat, je­doch auf der gan­zen Welt ge­kannt, ge­liebt und be­nei­det wird. Das Pro­jekt für den Guc­ci Gar­den stammt von Ales­san­dro Mi­che­le, dem Crea­ti­ve Di­rec­tor der Mai­son, der die Räu­me ge­ni­al ge­stal­tet hat, um den Be­su­chern zu er­mög­li­chen, sich mit den un­ter­schied­li­chen Sti­len aus­ein­an­der­zu­set­zen, die die Krea­tio­nen des Mo­de­la­bels cha­rak­te­ri­sie­ren. Die Ge­schich­te über die Krea­ti­vi­tät und Ele­ganz à la Guc­ci wird mit ei­ner gro­ßen Viel­falt von Ar­ti­keln aus den Kol­lek­tio­nen des Mo­de­la­bels er­zählt, die bis zu ih­ren Ur­sprün­gen in Flo­renz im Jahr 1921 zu­rück­rei­chen, so­wie von

Guc­ci Gar­den ist nicht nur die Aus­stel­lung ei­nes reich­hal­ti­gen his­to­ri­schen Ar­chivs oder ein auf der Welt ein­zig­ar­ti­ges Pro­jekt, son­dern ei­ne wah­res dy­na­mi­sches und in­ter­ak­ti­ves Er­leb­nis.

„Der Gar­ten ist re­al, ge­hört aber vor al­lem zur Welt der Fan­ta­sie, die mit Pflan­zen und Tie­ren be­völ­kert ist; wie ei­ne Schlan­ge, die sich über­all ein­schleicht und in ei­nem ge­wis­sen Sin­ne den ewi­gen An­fang und die ewi­ge Rück­kehr sym­bo­li­siert.” Ales­san­dro Mi­che­le mo­der­ne­ren Ge­gen­stän­den, Er­in­ne­rungs­stü­cken, Samm­ler­ob­jek­ten, und zeit­ge­nös­si­scher Kunst, die in ei­nen Dia­log zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Ge­gen­wart tre­ten, um die Fun­da­men­te für die Zu­kunft zu schaf­fen. Aber Guc­ci Gar­den ist nicht nur ei­ne Aus­stel­lung von dem, was ist, oder dem, was war: das reich­hal­ti­ge his­to­ri­sche Ar­chiv ist der ers­te Schritt zu ei­ner in­ter­ak­ti­ven und viel­schich­ti­gen Er­fah­rung, die den Be­su­cher rund­um ein­be­zie­hen will. Der Guc­ci Gar­den ist ein sti­mu­lie­ren­des Ate­lier, in dem das Le­ben pul­siert, ei­ne krea­ti­ve Ma­schi­ne in stän­di­ger Be­we­gung: sein Na­me be­zieht sich nicht nur auf die Äs­t­he­tik der Mai­son, die ei­ne deut­li­che Hom­mage an die Na­tur, die Fau­na und die Flo­ra ist, son­dern hat ei­ne tie­fe­re, me­ta­pho­ri­sche Be­deu­tung, „wie ei­ne Schlan­ge – er­klärt Ales­san­dro Mi­che­le – die sich über­all ein­schleicht und in ei­nem ge­wis­sen Sin­ne ei­nen ewi­gen An­fang und ei­ne ewi­ge Rück­kehr sym­bo­li­siert“.

Die Guc­ci Gar­den Galleria be­steht aus ei­ner Rei­he von The­men­sä­len, die den mo­der­nen Ge­dan­ken Guc­cis aus­drü­cken, wo­bei be­son­de­rer Wert auf das Ar­chiv mit der Samm­lung der Wer­be­kam­pa­gnen, so­wie auf die Hand­ar­bei­ten und die Ge­gen­stän­de aus frü­he­ren Zei­ten ge­legt wird. Die Aus­stel­lungs­räu­me, die sich über zwei Stock­wer­ke er­stre­cken, be­gin­nen mit dem Saal „Guc­ci­fi­ca­ti­on“, der dem dop­pel­ten G der Mai­son ge­wid­met ist. Die Ab­wand­lun­gen des le­gen­dä­ren G des flo­ren­ti­ni­schen Mo­de­hau­ses be­inhal­ten auch die mo­der­ne­ren Aus­drü­cke wie „Guc­cig­host“von Trou­ble And­rew oder die neu­en Be­zeich­nun­gen der Mai­son – „Guc­cy“, „Guc­ci­fy“und „Guc­ci­fi­ca­ti­on“– die von Ales­san­dro Mi­che­le in den so­zia­len Netz­wer­ken ge­fun­den wur­den. Wei­ter geht die Ent­de­ckungs­rei­se mit den Sä­len „Pa­ra­pher­na­lia“, der den Ko­di­zes der Mai­son ge­wid­met

ist, und „Cos­m­o­ra­ma“, der von der Kli­en­tel Guc­cis aus dem in­ter­na­tio­na­len Jet-set und der Ent­ste­hung des Wap­pens im Lo­go des Mo­de­hau­ses er­zählt. Im zwei­ten Stock be­fin­den sich die zwei Sä­le „De Rer­um Natura“, die ei­ne Hom­mage an die Na­tur sind und deut­lich an ein Na­tur­kun­de­mu­se­um er­in­nern, wo­bei der Lei­den­schaft Ales­san­dro Mi­che­les für Tie­re und Gär­ten frei­er Lauf ge­las­sen wur­de. Der Rund­gang en­det mit „Ephe­me­ra“, ei­nem Saal, in dem man die Ge­schich­te mit­tels Ob­jek­ten, Vi­de­os und Er­in­ne­rungs­stü­cken aus dem Mo­de­haus nach­voll­zie­hen kann. Hin­ter den ro­ten Samt­vor­hän­gen des Guc­ci Gar­dens ver­birgt sich auch ein Heim­ki­no, ein klei­ner Saal, in dem Ex­pe­ri­men­tal­fil­me wie die Vor­schau von Zeus Ma­chi­ne/pho­enix, ein Kurz­film von ZAPRUDER filmma­kers­group, vor­ge­führt wer­den. Guc­ci Gar­den ist al­so ei­ne idea­le Oa­se zwi­schen Fan­ta­sie und Rea­li­tät: die Sä­le der Ga­le­rie strah­len ei­ne un­ge­wöhn­li­che und fas­zi­nie­ren­de At­mo­sphä­re aus, wäh­rend das An­ge­bot mit den sinn­li­chen Ge­nüs­sen der Guc­ci Os­te­ria un­ter der Lei­tung Bot­tu­ras ver­voll­komm­net wird, wie auch durch den Lu­xus und die Ex­klu­si­vi­tät der Bou­tique mit ih­ren gel­ben Wän­den und dun­kel­ro­ten Mö­beln, in der man ein­zel­an­ge­fer­tig­te Klei­dungs­stü­cke und Ac­ces­soires er­ste­hen kann, die mit dem brand­neu­en go­ti­schen Lo­go von Guc­ci Gar­den ge­kenn­zeich­net sind. Der ku­li­na­ri­sche Ge­nuss wird von Mas­si­mo Bot­tu­ra ga­ran­tiert, der nicht aus Zu­fall die Lei­tung der Guc­ci Os­te­ria der Me­xi­ka­ne­rin Ka­r­i­me Lopez Kon­do über­tra­gen hat. Ih­re Spei­se­kar­te, die sich am The­ma Rei­se ori­en­tiert, aber auf der ita­lie­ni­schen Kü­che ba­siert, bie­tet so­wohl klas­si­sche Ge­rich­te wie auch in­ter­es­san­te Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen der ita­lie­ni­schen Koch­kunst an, die zu ei­nem fast psy­che­de­li­schen, tran­szen­den­ta­len Er­leb­nis wer­den. Um das kos­mo­po­li­ti­sche Stre­ben der Stadt zu un­ter­strei­chen, das von dem Re­stau­rant ze­le­briert wird, sind die Ver­se des Kar­ne­val­lieds „Can­zo­na de‘ set­te pia­ne­ti“(Das Lied der sie­ben Pla­ne­ten) als Will­kom­mens­gruß und Glück­wün­sche in gol­de­nen Let­tern auf die Wän­de ge­druckt. Lasst al­les Grau drau­ßen, ihr, die ein­tre­tet: Im Guc­ci Gar­den sorgt je­des Ele­ment da­für, Krea­ti­vi­tät und Emo­tio­nen aus­zu­lö­sen, die Sin­ne zu er­we­cken und auch nur ei­ne St­un­de Auf­ent­halt zu ei­nem wert­vol­len Kunst­werk zu ma­chen.

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