LEU­TE

GIO­VAN­NI SOLDINI. DIE GE­SCHICH­TE EI­NES MO­DER­NEN “PI­RA­TEN“

All About Italy (Germany) - - Photoreportage - Ales­san­dro Cre­ta

„E r war ein Mann, der schon über­all war, zu­min­dest im Geis­te“. Ein Satz aus „Rei­se um die Er­de in 80 Ta­gen“von Ju­les Ver­ne, der, zum Groß­teil, wie auf Gio­van­ni Soldini zu­ge­schnit­ten ist. Und das, weil der ita­lie­ni­sche Skip­per nicht nur im Geis­te, son­dern wirk­lich schon über­all auf der Welt war, und zwar an Bord sei­ner Schif­fe. Der Seg­ler aus Mai­land kann sich rüh­men, auf (fast) al­len Welt­mee­ren un­ter­wegs ge­we­sen zu sein, und kürz­lich hat er ei­nen neu­en Re­kord auf der Stre­cke zwi­schen Hong Kong und London auf­ge­stellt. Es han­del­te sich je­doch nicht um die 80 Ta­ge, die sich Ver­ne für die Um­run­dung der Welt vor­stell­te: Gio­van­ni Soldini und sei­ner Mann­schaft ge­lang das an Bord ih­rer Ma­se­ra­ti Mul­ti 70 in knapp 36 Ta­gen. Et­was mehr als ei­nen Mo­nat, um die­ses Un­ter­neh­men zu voll­brin­gen und den vor­he­ri­gen Re­kord um 5 Ta­ge zu ver­bes­sern. Trotz vie­ler Schwie­rig­kei­ten (Ge­gen­wind, ei­si­ge Käl­te, Sturm­flu­ten und dem zeit­wei­li­gen Aus­fall ei­nes Ru­ders) hat Soldini an Bord sei­nes 21 Me­ter lan­gen Tri­marans sei­ne Rei­se in 36 Ta­gen, 2 St­un­den, 37 Mi­nu­ten und 2 Se­kun­den voll­bracht. Die­sen Re­kord teilt er mit den 4 Seg­lern sei­ner Mann­schaft: ei­nem Ita­lie­ner, zwei Spa­ni­ern und ei­nem Fran­zo­sen, so­wie ei­nem Me­teo­ro­lo­gen auf dem Fest­land, der in stän­di­gem Kon­takt mit ihm war und ihn über die kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­se auf dem of­fe­nen Meer un­ter­rich­te­te. Gio­van­ni Soldini hat am 23. Fe­bru­ar sein Ziel un­ter der Queen Eliz­a­beth II Bridge in London er­reicht, wo er sich nach der ge­glück­ten Über­fahrt ei­ni­gen Mo­men­ten des Tri­umphs hin­gab. „Wir sind su­per­glück­lich, aber auch er­schöpft“, er­klär­te der Seg­ler bei sei­ner An­kunft. „Die letz­ten 48 St­un­den wa­ren sehr hart. Im Är­mel­ka­nal herrsch­ten star­ker Wind, ho­he Wel­len und ei­si­ge Käl­te. Wir sind je­doch glück­lich über un­se­re Über­fahrt und den neu­en Re­kord“. Das Un­ter­fan­gen Sol­di­nis und sei­nes Teams hat üb­ri­gens ei­nen ge­schicht­li­chen Hintergrund: den Weg, den sie mit ih­rer Ma­se­ra­ti Mul­ti 70 ge­nom­men ha­ben, hat die Rou­te der Clip­per ver­folgt, die in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts Tee von Chi­na nach En­g­land trans­por­tier­ten. Das ist nur das letz­te der Aben­teu­er, die die Kar­rie­re des lom­bar­di­schen Skip­pers cha­rak­te­ri­sie­ren: Sol­da­ti hat in der Ver­gan­gen­heit, ne­ben an­de­ren „Rei­sen“, schon zwei­mal die Welt im Al­lein­gang um­run­det und ei­nen Re­kord auf der le­gen­dä­ren Stre­cke New York – San Francisco auf­ge­stellt: 13219 See­mei­len, die er, an Cap Horn vor­bei, in 47 Ta­gen be­wäl­tig­te, wo­bei er sei­nen vor­her­ge­hen­den Re­kord um 10 Ta­ge ver­bes­ser­te. 2014 be­rei­cher­te ein wei­te­rer Welt­re­kord die so­wie­so schon au­ßer­ge­wöhn­li­che Kar­rie­re Sol­di­nis: in 10 Ta­gen 11h 29‘ 57“se­gel­te er von Kapstadt nach Rio De Janei­ro. „Man muss zu­ge­ben, dass ihr ei­ne sym­pa­thi­sche Art und Wei­se ge­fun­den habt, um zu sa­gen, dass die Er­de ge­schrumpft ist; nur weil man jetzt die Er­de in drei Mo­na­ten um­run­den kann…“, und wenn man an die Un­ter­neh­mun­gen Sol­di­nis denkt, muss man ein biss­chen lä­cheln, wenn man die­se Zei­len liest, die 1872 aus der Fe­der Ju­les Ver­nes‘ ge­flos­sen sind.

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