Zehn ge­winnt

Mit zehn Sta­di­en will sich der DFB um die Fuß­ball-em 2024 be­wer­ben. Aber 14 Städ­te wol­len mit ih­ren Are­nen da­bei sein. Heu­te fällt die Ent­schei­dung.

Aller-Zeitung - - SPORT - VON SE­BAS­TI­AN HARFST

Aus 14 mach zehn. Klingt ein­fach – und ist doch so schwie­rig. Denn 14 deut­sche Städ­te wol­len bei der Fuß­ball-eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2024 da­bei sein. Nur mit zehn von ih­nen (und ih­ren Sta­di­en) will sich der Deut­sche Fuß­ball-bund (DFB) um die Aus­rich­tung des Tur­niers be­wer­ben. Am heu­ti­gen Frei­tag­vor­mit­tag brü­tet das 19-köp­fi­ge Dfb-prä­si­di­um um Prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del über der Aus­wahl. Wer darf in sie­ben Jah­ren Fuß­ball-eu­ro­pa emp­fan­gen – und wer nicht? Ge­gen Mit­tag wird mit der Ver­kün­dung ge­rech­net. Gr­in­del ist sich si­cher: „Die Be­geis­te­rung in den Städ­ten, die Qua­li­tät der Sta­di­en und das ho­he Know-how an al­len Stand­or­ten wer­den star­ke Ar­gu­men­te für un­se­re Be­wer­bung sein.“

Wer muss zit­tern?

Laut DFB nie­mand mehr als al­le an­de­ren. Im Zu­ge der spä­ter in Ver­ruf ge­ra­te­nen Be­wer­bung um die WM 2006 war noch al­les auf Du­el­le zwi­schen ein­zel­nen Städ­ten hin­aus­ge­lau­fen. Hannover setz­te sich bei­spiels­wei­se ge­gen Bremen durch. Von 15 Be­wer­bern gin­gen da­mals drei leer aus (au­ßer Bremen noch Mön­chen­glad­bach und Düs­sel­dorf). Hin­ter­her war der Är­ger groß.

Ähn­li­che Ver­hält­nis­se will der DFB die­ses Mal ver­hin­dern, hat des­we­gen Trans­pa­ren­cy In­ter­na­tio­nal als Be­ob­ach­ter ins Boot ge­holt. Nur tech­ni­sche Aspek­te wie Mo­bi­li­tät, Si­cher­heit und In­fra­struk­tur sol­len den Aus­schlag ge­ben. Zu­ge­las­sen sind Sta­di­en mit min­des­tens 30 000 Plät­zen. „Es wird kei­ne sport­po­li­ti­sche oder gar Ge­fäl­lig­keits­ent­schei­dung ge­ben. Die bes­ten zehn sol­len die Eu­ro aus­tra­gen“, sag­te Gr­in­del.

Den­noch hat der DFB Kri­te­ri­en fest­ge­legt, die man­che Kom­bi­na­tio­nen un­mög­lich ma­chen. So müs­sen drei Em­sta­di­en mehr als 60 000 Plät­ze auf­wei­sen. Ei­ne sol­che Ka­pa­zi­tät wei­sen (bei in­ter­na­tio­na­len Spie­len) ak­tu­ell nur die Sta­di­en in Ber­lin, Mün­chen und Dort­mund auf. Sie dürf­ten ge­setzt sein.

Au­ßer­dem wur­de Deutsch­land, um die EM „ei­ner größt­mög­li­chen An­zahl an Fuß­ball­fans zu­gäng­lich“zu ma­chen, in vier Zo­nen auf­ge­teilt. Pro Zo­ne wer­den min­des­tens ei­ner, höchs­tens vier Spiel­or­te aus­ge­wählt. Ein Bei­spiel: In der „Zo­ne IV (Ost)“be­fin­den sich Ber­lin und Leip­zig. Min­des­tens ei­ner der bei­den wird nach die­sem Kri­te­ri­um al­so da­bei sein. Aber funk­tio­niert ei­ne EM oh­ne den ein­zi­gen Be­wer­ber aus den neu­en Bun­des­län­dern, wenn Ber­lin auf­grund der Sta­di­ongrö­ße eh ge­setzt scheint? In der „Zo­ne II (West)“drän­geln sich Düs­sel­dorf, Dort­mund, Gel­sen­kir­chen, Köln und Mön­chen­glad­bach. Ei­ner fliegt hier min­des­tens raus ...

Was bringt die EM ei­ner Stadt?

„Die Welt zu Gast bei Freun­den“lau­te­te das Mot­to der WM 2006. Deutsch­land bot ein neu­es Bild von sich. Und der Ein­zel­han­del freu­te sich über ein Plus von 2 Mil­li­ar­den Eu­ro. Ähn­li­ches er­hof­fen sich die Be­wer­ber auch 2024, wenn nach 1988 zum zwei­ten Mal ein Fuß­ball-kon­ti­nen­tal­tur­nier in der Bun­des­re­pu­blik aus­ge­rich­tet wür­de.

Ob’s klappt? Das ist wäh­rend die­ses Be­wer­bungs­ver­fah­rens um­strit­ten. Dort­mund lieb­äu­gel­te ei­ne Wei­le da­mit, sei­ne Be­wer­bung zu­rück­zu­zie­hen. Aus­ge­rech­net Dort­mund! Für vie­le die Fuß­bal­lHaupt­stadt Deutsch­lands. Die Po­li­ti­ker der Stadt be­fürch­te­ten un­kal­ku­lier­ba­re Kos­ten. Schließ­lich hat wohl die Aus­sicht auf ei­nen Em-um­satz von et­wa 100 Mil­lio­nen Eu­ro, der vor al­lem Han­del, Gas­tro­no­mie und Ho­tel­ge­wer­be zu­gu­te­kommt, im Rat der Stadt doch ei­ne Mehr­heit zu­stan­de kom­men las­sen.

In Dres­den, Frei­burg und Kai­sers­lau­tern fand sich die nicht. Die Be­wer­bun­gen wur­den zu­rück­ge­zo­gen. Kai­sers­lau­terns Ober­bür­ger­meis­ter Klaus Wei­chel (SPD) sah ein „un­ver­ant­wort­li­ches fi­nan­zi­el­les Ri­si­ko“.

Wie geht es jetzt wei­ter mit der Be­wer­bung?

Der DFB muss sei­ne Be­wer­bung bis zum 27. April 2018 bei der Ue­fa ein­rei­chen. Dort, beim eu­ro­päi­schen Fuß­ball­ver­band, wird im Sep­tem­ber 2018 ent­schie­den, wer die 17. EM aus­rich­ten darf. Ein­zi­ger Mit­be­wer­ber Deutsch­lands ist die Tür­kei.

FO­TO: DPA

Dfb-prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del.

FO­TOS: IMAGO

BER­LIN Die­se Sta­di­en sind im Spiel­ort-ren­nen für die EM 2024 (rei­hen­wei­se von oben und je­weils v. l.): Esprit-are­na (Fas­sungs­ver­mö­gen in­ter­na­tio­nal: 51 500), Com­merz­bank-are­na (48 000), Bo­rus­sia­park (46 279), Hdi-are­na (45 100), We­ser­sta­di­on (37 441), Volks­park­sta­di­on (51 500), Red-bull-are­na (42 959), Vel­tins-are­na (54 740), Max-mor­lock­sta­di­on (44 308), Mer­ce­des-benz-are­na (54 812), Olym­pia­sta­di­on (74 475), Si­gnal-idu­na-park (65 851), Al­li­anz-are­na (70 000), Rhein-en­er­gie­sta­di­on (46 195).

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