Re­den für den Frie­den

Die USA ha­ben of­fen­bar ver­ges­sen, wor­um es bei der Unesco geht

Aller-Zeitung - - TAGESTHEMEN - VON STE­FAN KOCH

▶ Die Unesco ist kei­ne per­fek­te Or­ga­ni­sa­ti­on. Es gibt gu­te Grün­de, die Un-kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on zu kri­ti­sie­ren und ihr im­mer mal wie­der Miss­wirt­schaft vor­zu­wer­fen. So man­cher er­in­nert sich noch an den bald 20-jäh­ri­gen Boy­kott durch die Ame­ri­ka­ner, die es ein­fach leid wa­ren, zu be­ob­ach­ten, wie ih­re mil­lio­nen­schwe­ren Bei­trä­ge ver­san­de­ten. Auch Ba­rack Oba­ma ver­lor zwi­schen­zeit­lich sei­ne Ge­duld mit all den klei­nen Staa­ten, die es sicht­lich ge­nos­sen, auf ei­ner Büh­ne zu tan­zen, auf der Ame­ri­ka kein Ve­to­recht be­sitzt. Aber aus die­sem welt­wei­ten Ver­bund ein­fach aus­zu­stei­gen, soll­te sich für die füh­ren­de Na­ti­on des Wes­tens ver­bie­ten.

Bei al­lem Är­ger über ei­ne Mit­glied­schaft Pa­läs­ti­nas als or­dent­li­cher Staat und über die tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen an­ti-is­rae­li­schen Stim­mun­gen hat die Ad­mi­nis­tra­ti­on von Do­nald Trump of­fen­bar ver­ges­sen, wor­um es bei der Unesco ei­gent­lich geht: den Er­halt des Frie­dens. Nach den fürch­ter­li­chen Er­fah­run­gen des Zwei­ten Welt­kriegs war sich die Welt­ge­mein­schaft ei­nig, dass es beim Mit­ein­an­der der Men­schen und Staa­ten eben nicht al­lein auf Po­li­tik und Wirt­schaft an­kommt. Es gibt auch ei­ne an­de­re, hö­he­re Ebe­ne. Oder, wie es in der Prä­am­bel der Unesco heißt: „Da Krie­ge im Geist der Men­schen ent­ste­hen, muss auch der Frie­den im Geist der Men­schen ver­an­kert wer­den.“

An­statt um ei­ne bes­se­re Welt zu rin­gen – und auch ein­mal Nie­der­la­gen und Rück­schlä­ge in Kauf zu neh­men –, steigt die Us-re­gie­rung aus und über­lässt das Gestal­ten an­de­ren Mäch­ten. Wa­shing­ton hät­te es bes­ser wis­sen müs­sen: Ge­ra­de in ei­ner Ära wach­sen­der Un­si­cher­hei­ten und sich ver­än­dern­der Al­li­an­zen ist es um­so wich­ti­ger, am ge­mein­sa­men Tisch zu sit­zen und mit­zu­re­den.

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