Ge­lang­te Gift auch in Ma­trat­zen?

BASF ver­kauft ei­nen Mo­nat lang un­be­merkt hoch­be­las­te­tes Grund­pro­dukt für Schaum­stoff

Aller-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON HEL­MUTH KLAU­SING UND JAS­PER RO­TH­FELS

LUD­WIGS­HA­FEN. Der Che­mie­kon­zern BASF hat über ei­nen Mo­nat hin­weg ein be­las­te­tes Schaum­stoff­grund­pro­dukt für Mö­bel, Au­to­sit­ze und Ma­trat­zen aus­ge­lie­fert. Man kön­ne nicht sa­gen, wie viel von dem ver­ar­bei­te­ten Pro­dukt be­reits beim End­ver­brau­cher an­ge­kom­men sei, sag­te ein Bran­chen­ken­ner. Nach Ein­schät­zung von BASF geht von den Schaum­stof­fen aber kei­ne Ge­fahr für die Ge­sund­heit aus.

› Was ist pas­siert?

BASF hat vom 25. Au­gust bis zum 29. Sep­tem­ber 7500 Ton­nen des Kunst­stoff­grund­pro­dukts Toluol­di­iso­cya­nat (TDI) her­ge­stellt, die nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben ei­ne deut­lich er­höh­te Kon­zen­tra­ti­on an Di­chlor­ben­zol auf­wie­sen. TDI ist ein Aus­gangs­stoff für den Kunst­stoff Po­ly­ure­than, der zur Her­stel­lung von Ma­trat­zen so­wie für Pols­te­run­gen be­nutzt wird. In der Au­to­in­dus­trie wird er für Sitz­pols­ter ver­wen­det. Auch die Mö­bel­in­dus­trie nutzt Po­ly­ure­than.

› Wo­durch fiel der Fall auf? Nach An­ga­ben ei­ner Basfspre­che­rin hat­te ein Kun­de auf die ex­trem er­höh­te Be­las­tung mit Di­chlor­ben­zol hin­ge­wie­sen. Der Stoff kann Haut, Atem­we­ge und Au­gen rei­zen und steht im Ver­dacht, Krebs zu ver­ur­sa­chen. › Wen hat BASF be­lie­fert?

Die Lie­fe­rung von 7500 Ton­nen TDI ging nach An­ga­ben von BASF an 50 in­dus­tri­el­le Kun­den. Die Flüs­sig­keit wird nach An­ga­ben ei­nes Fach­manns aber auch wei­ter­ver­kauft. › Wie groß ist der Scha­den? Von den 7500 aus­ge­lie­fer­ten Ton­nen des be­las­te­ten TDI sind rund 5000 Ton­nen nach An­ga­ben von BASF noch nicht wei­ter­ver­ar­bei­tet wor­den. Sie wür­den zu­rück­ge­holt.

› Wie groß ist die Ge­fahr?

Von den Schaum­stof­fen, die mit dem be­las­te­ten TDI her­ge­stellt wur­den, geht laut BASF kei­ne Ge­fahr für die Ge­sund­heit aus. Das zeig­ten Un­ter­su­chun­gen an ver­un­rei­nig­ten Schaum­stof­fen und wei­ter­ge­hen­de Be­rech­nun­gen. Nach An­ga­ben ei­nes Spre­chers la­gen trotz der Be­las­tung des Grund­pro­dukts die in den Schäu­men ge­mes­se­nen Di­chlor­ben­zol-wer­te „deut­lich“un­ter dem Re­fe­renz­wert.

FO­TO: DPA

Die ers­ten Her­stel­ler zie­hen ih­re mög­li­cher­wei­se be­las­te­ten Ma­trat­zen aus dem Han­del zu­rück.

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