Trumps Atom­aus­stieg

Us-prä­si­dent Trump steht vor der Ent­schei­dung, Aus dem Atom­ab­kom­men mit dem Iran Aus­zu­stei­gen. Es wä­re ei­ne Zä­sur in der Welt­po­li­tik, ei­ne Spi­ra­le der Pro­vo­ka­tio­nen droht im Mitt­le­ren Os­ten. Doch der Us-kon­gress zö­gert Bei der Un­ter­stüt­zung Trumps. Scheit

Aller-Zeitung - - BLICK IN DIE ZEIT - VON STE­FAN KOCH

Die Wei­chen wur­den bei ei­nem dis­kre­ten Abend­es­sen im Wei­ßen Haus ge­stellt. Kaum je­mand nahm No­tiz da­von, als Tom Cot­ton in der ver­gan­ge­nen Wo­che über ei­nen schma­len Sei­ten­pfad in die Re­gie­rungs­zen­tra­le eil­te, um den Prä­si­den­ten in sei­ner Li­nie zu be­stär­ken. Ge­gen den Iran, so lässt der 40-jäh­ri­ge Se­na­tor aus Ar­k­an­sas re­gel­mä­ßig wis­sen, hel­fe nur ei­ne har­te Hand.

Jetzt könn­te Cot­ton an sein Ziel ge­lan­gen: Denn weil Do­nald Trump sei­nen Wäh­lern ver­spro­chen hat, aus dem Atom­ab­kom­men mit dem Iran aus­zu­stei­gen, könn­te der Usprä­si­dent nun Fak­ten schaf­fen. Und sich da­mit ge­gen sei­ne Ver­trags­part­ner in Chi­na, Eu­ro­pa und Russ­land stel­len.

Wenn der Ernst­fall ein­tritt, wä­re dies ei­ne Zä­sur in der Welt­po­li­tik. Do­nald Trump, bis­her bes­ten­falls ein un­ge­ho­bel­ter Meis­ter gro­ßer An­kün­di­gun­gen, hät­te dann ei­nen He­bel um­ge­legt, der das Si­cher­heits­ge­fü­ge im Mitt­le­ren Os­ten durch­schüt­teln wür­de: Der mit al­ler Macht auf­stre­ben­de Iran wür­de sich be­stä­tigt füh­len, dass auf Ver­trä­ge mit der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft letzt­lich kein Ver­lass ist.

Über Mo­na­te hin­weg hat­te Trump das Atom­ab­kom­men mit dem Iran als „schlech­tes­ten De­al al­ler Zei­ten“be­schimpft. Am heu­ti­gen Frei­tag könn­te der Prä­si­dent sei­ne Un­ter­schrift un­ter dem Do­ku­ment ver­wei­gern, das be­stä­tigt, dass sich Te­he­ran an sei- ne Ver­pflich­tun­gen hält. Die Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Iran ei­ner­seits so­wie den USA, Russ­land, Chi­na, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und Deutsch­land an­de­rer­seits soll si­cher­stel­len, dass Te­he­rans Atom­pro­gramm aus­ge­bremst wird. Der Iran un­ter­wirft sei­ne Uran­an­rei­che­rung bis zu 25 Jah­re lang ei­nem mehr­stu­fi­gen Sys­tem von Be­schrän­kun­gen und Kon­trol­len. Der Wes­ten hob im Ge­gen­zug die Wirt­schafts­sank­tio­nen ge­gen den Iran auf.

Um das Schlimms­te zu ver­hin­dern, in­ter­ve­niert Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ja­mes Mat­tis seit Ta­gen bei sei­nem obers­ten Di­enst­herrn. Der Pen­ta­gon-chef weiß um die Fol­gen fehl­ge­lei­te­ter Po­li­tik aus ei­ge­ner An­schau­ung: Im Irak stand er als Ge­ne­ral an der Front, er kennt die Ri­si­ken un­be­dach­ten Han­delns in der Re­gi­on.

Nun al­so Trump: Der 71Jäh­ri­ge ver­hehlt nicht, dass es ihm gar nicht al­lein um den bri­san­ten Ver­trag geht. „Kann schon sein, dass Te­he­ran sei­ne Auf­ga­ben er­füllt“, sag­te der Prä­si­dent kürz­lich im klei­nen Kreis. Was aber sei mit all den ver­deck­ten Kom­man­do­ak­tio­nen, die die ira­ni­sche Füh­rung im Irak, im Je­men, im Li­ba­non und in Sy­ri­en steu­ert? Und wie steht es um die Si­cher­heit Is­ra­els? Wohl wahr, dar­in stimmt auch Mat­tis zu. Der Iran steckt mit sei­nem Erz­ri­va­len Sau­diA­ra­bi­en in ei­nem nur müh­sam ver­deck­ten Rin­gen um die Vor­herr­schaft in der Re­gi­on. In­for­ma­tio­nen zu den heim­lich ge­führ­ten Kon­flik­ten gibt es nach Aus­sa­gen des Pen­ta­gons zur Ge­nü­ge.

Nur: Der Atom­de­al hat nicht die Auf­ga­be, Irans Stre­ben nach ei­ner Do­mi­nanz im Mitt­le­ren Os­ten auf­zu­hal­ten. Es geht al­lein um die ge­fähr­li­che An­rei­che­rung von atom­waf­fen­fä­hi­gem Plu­to­ni­um. Mehr noch: Die Auf­kün­di­gung könn­te die Hard­li­ner in Te­he­ran stär­ken und jeg­li­che Ver­su­che der Aus­söh­nung zu­nich­te­ma­chen.

Ein­sich­ten, die sich auch im­mer stär­ker im Kon­gress durch­set­zen und zu der selt­sa­men Si­tua­ti­on füh­ren könn­ten, dass der Ver­trag zu­min­dest vor­läu­fig in Kraft bleibt – wenn auch in ei­nem schwe­ben­den Zu­stand.

Meh­re­re Ab­ge­ord­ne­te si­gna­li­sie­ren be­reits ih­ren Wi­der­stand ge­gen die Trump-cot­ton-al­li­anz. Zu de­nen, die schon im Vor­feld Far­be be­ken­nen, zählt Ed­ward Roy­ce: „Der Ver­trag hat ei­ni­ge Män­gel“, sagt der Vor­sit­zen­de des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses im Re­prä­sen­tan­ten­haus.

An­statt aber das in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men zu be­en­den, soll­te auf die voll­stän­di­ge Durch­set­zung der ein­zel­nen For­de­run­gen ge­setzt wer­den. Roy­ce, der am Don­ners­tag sei­nen 66. Ge­burts­tag fei­er­te, gilt au­ßen­po­li­tisch als Fal­ke. Zu Zei­ten von Ge­or­ge W. Bush un­ter­stütz­te der Ab­ge­ord­ne­te so­wohl die Mi­li­tär­ein­sät­ze in Af­gha­nis­tan als auch im Irak.

Mit Blick auf den Iran mahnt der Ab­ge­ord­ne­te je­doch zu ei­nem be­son­ne­nen Vor­ge­hen: Ein leicht­fer­ti­ger Aus­stieg aus dem Ver­trag könn­te un­be­ab­sich­tig­te Fol­gen nach sich zie­hen, sag­te Roy­ce. Auch ge­be es kei­ne Hin­wei­se, dass die Füh­rung in Te­he­ran die Auf­la­gen zur Atom­for­schung ge­bro­chen ha­be.

Mit sei­nen Äu­ße­run­gen tritt Roy­ce in ei­ne di­rek­te Kon­fron­ta­ti­on mit dem Prä­si­den­ten, der be­reits beim Streit um die Re­form des Ge­sund­heits­sys­tems er­le­ben muss­te, wie we­nig Ver­lass auf die Par­tei­dis­zi­plin ist. Ob­wohl die so­ge­nann­te Oba­ma­ca­re un­ter den Kon­ser­va­ti­ven so lan­ge Zeit ver­pönt war, fin­det sich kei­ne Mehr­heit für ei­nen Ge­gen­ent­wurf. Und selbst in der Steu­er­po­li­tik ge­hen die Mei­nun­gen par­tei­in­tern kreuz und quer.

Es ist ei­ne Kraft­pro­be mit dem Par­la­ment, die sich nun beim Iran-ab­kom­men wie­der­ho­len dürf­te. Trumps Vor­gän­ger Ba­rack Oba­ma hat­te vor zwei Jah­ren ei­ner Zu­satz­klau­sel zum Atom­de­al zu­ge­stimmt, wo­nach das Wei­ße Haus al­le drei Mo­na­te über­prüft, ob sich der Iran an die Vor­ga­ben hält. Soll­te der Usprä­si­dent sei­ne Un­ter­schrift ver­wei­gern, ob­liegt es dem Kon­gress, die aus­ge­setz­ten Sank­tio­nen ge­gen das Re­gime wie­der in Gang zu set­zen. Die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung, ob das Ab­kom­men platzt, trifft da­her nicht die Re­gie­rung, son­dern das Par­la­ment. Doch ob­wohl die ur­sprüng­li­che Ver­ein­ba­rung von den Re­pu­bli­ka­nern kri­ti­siert wur­de, gilt die Re­ge­lung vie­len Ab­ge­ord­ne­ten und Se­na­to­ren mitt­ler­wei­le als das ge­rin­ge­re Übel.

Trumps Vor­ha­ben, die grund­sätz­li­che Aus­rich­tung der ira­ni­schen Au­ßen­po­li­tik zu kor­ri­gie­ren, er­scheint vie­len Par­la­men­ta­ri­ern we­nig er­folg­ver­spre­chend, wenn­gleich sie mit sei­ner Kri­tik über­ein­stim­men. So sei die Un­ter­stüt­zung der ex­tre­mis­ti­schen His­bol­lah nicht ak­zep­ta­bel, die von der Us-re­gie­rung nach wie vor als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft wird. Auch sieht Wa­shing­ton in dem ira­ni­schen Ra­ke­ten­for­schungs­pro­gramm ei­ne Ge­fahr für den Frie­den im Mitt­le­ren Os­ten – ganz zu schwei­gen von ver­deck­ten Mi­li­tär­ak­tio­nen in den Nach­bar­staa­ten.

Doch so an­ge­spannt die Be­zie­hun­gen zum Iran auch sein mö­gen, das Atom­ab­kom­men dürf­te kaum der rich­ti­ge Weg sein, Druck auf Te­he­ran auf­zu­bau­en: „Wir müs­sen die Aus­ein­an­der­set­zun­gen sau­ber von­ein­an­der tren­nen“, be­tont Roy­ce. Der Ab­ge­ord­ne­te ist sich mit meh­re­ren sei­ner Par­tei­freun­de ei­nig, zu­nächst ein­mal die Ge­fahr der Atom­waf­fen­ver­brei­tung zu bän­di­gen. Erst in ei­nem zwei­ten Schritt will er die ira­ni­sche Re­gie­rung mit an­de­ren Mit­teln dar­an hin­dern, ag­gres­siv ge­gen­über sei­nen Nach­bar­staa­ten auf­zu­tre­ten. Die Mah­nung des ira­ni­schen Prä­si­den­ten Has­san Ru­ha­ni hat Roy­ce auf­merk­sam ver­folgt: „Wenn je­mand aus ei­nem in­ter­na­tio­na­len De­al aus­steigt, dann ist er der Ver­lie­rer, nicht der, der es nicht tut.“

Wenn je­mand aus ei­nem in­ter­na­tio­na­len De­al aus­steigt, dann ist er der Ver­lie­rer, nicht der, der es nicht tut.

Has­san Ru­ha­ni,

Irans Prä­si­dent

FO­TO: GETTY

„Der schlech­tes­te De­al“: Us-prä­si­dent Do­nald Trump schimpf­te schon im Wahl­kampf vor zwei Jah­ren über das Atom­ab­kom­men mit dem Iran.

FO­TOS: DPA

De­al: Irans Au­ßen­mi­nis­ter Mo­ham­med Dscha­wad Sa­rif (oben) zeigt 2015 die Ei­ni­gung, die von der 5+1-Grup­pe er­zielt wur­de.

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