Der Br­ex­it wird für May zur Zit­ter­par­tie

Par­la­ment de­bat­tiert über Eu-aus­tritts­ge­setz – Wi­der­stand auch in den Rei­hen der Kon­ser­va­ti­ven

Aller-Zeitung - - POLITIK - VON KA­TRIN PRIBYL

LONDON. Es ist mal wie­der ei­ne die­ser Wo­chen für die bri­ti­sche Re­gie­rung, in der ih­re Ver­tre­ter ver­su­chen müs­sen, zahl­lo­se Feu­er zu lö­schen. Mitt­ler­wei­le brennt es je­doch an so vie­len Stel­len im po­li­ti­schen Be­trieb, dass es un­über­sicht­lich wird: Br­ex­it, Strei­tig­kei­ten in­ner­halb der kon­ser­va­ti­ven Par­tei über die Art des Eu-aus­tritts, Druck von­sei­ten der Wirt­schaft, ei­ne an­ge­zähl­te Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May, ver­ba­le Aus­rut­scher von Mi­nis­tern und Rück­trit­te ...

Nach­dem ta­ge­lang Rück­tritts­for­de­run­gen auf Au­ßen­mi­nis­ter Bo­ris John­son ein­pras­sel­ten, weil er un­ter Um­stän­den die Si­tua­ti­on ei­ner im Iran in­haf­tier­ten ira­nisch-bri­ti­schen Frau durch un­vor­sich­ti­ge Äu­ße­run­gen ver­schlim­mert ha­ben könn­te, ent­schul­dig­te er sich im Par­la­ment bei ih­rer Fa­mi­lie. Un­ter sei­nen Kri­ti­kern ist die Em­pö­rung über John­son und sei­ne di­plo­ma­ti­schen Pat­zer zwar wei­ter­hin groß, aber er hat sich zu­min­dest vor­erst ein paar Ta­ge ver­schafft, in de­nen er nicht die Ne­ga­tiv­schlag­zei­len be­stimmt.

Im An­schluss wur­de Br­ex­itMi­nis­ter Da­vid Da­vis von Ab­ge­ord­ne­ten ge­grillt, doch er er­schien mit ei­nem Zu­ge­ständ­nis an all je­ne re­bel­li­schen Kol­le­gen, auch in den ei­ge­nen Par­tei­rei­hen, die fürch­ten, beim Eu-aus­tritt über­gan­gen zu wer­den. Da­vis be­stä­tig­te, „dass wir, wenn wir ei­nen De­al er­zie­len, ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­le­gen wer­den, um das Ab­kom­men in Kraft zu set­zen“. Das Un­ter­haus darf al­so über das Er­geb­nis der Ver­hand­lun­gen zwi­schen Brüs­sel und London um die Rech­te von Eu-bür­gern und Bri­ten, die Kos­ten der Schei­dung so­wie die Über­gangs­pha­se ab­stim­men. Ein Frie­dens­an­ge­bot an al­le EUF­reun­de im Un­ter­haus, die zwar den Wil­len des Volks re­spek­tie­ren, aber den har­ten Kurs von May nicht mit­tra­gen wol­len?

Me­di­en ver­wie­sen so­fort auf den Ha­ken in Da­vis’ An­ge­bot. Weil die De­tails ei­nes mög­li­chen Ab­kom­mens erst am En­de der Ge­sprä­che prä­sen­tiert wer­den könn­ten, wie der bri­ti­sche Chef­un­ter­händ­ler mein­te, kön­nen die Ab­ge­ord­ne­ten auch erst nach Ab­schluss der Ver­hand­lun­gen ab­stim­men. Soll­ten sie sich ge­gen den De­al aus­spre­chen, wür­de das Kö­nig­reich die Ge­mein­schaft oh­ne Ver­trag ver­las­sen. Ei­ne klas­si­sche Friss-oder-stirb-si­tua­ti­on, mo­nier­ten Br­ex­it-geg­ner.

Mit dem um­strit­te­nen, für den Br­ex­it äu­ßerst be­deu­ten­den Eu-aus­tritts­ge­setz sol­len nun die Gel­tung von Eu-recht be­en­det und al­le Brüs­se­ler Re­ge­lun­gen in na­tio­na­le Vor­schrif­ten über­tra­gen wer­den. Doch nicht nur die Op­po­si­ti­on be­fürch­tet, dass sich die Re­gie­rung so weit­rei­chen­de Voll­mach­ten ver­schaf­fen könn­te, oh­ne das Par­la­ment mit­ein­zu­be­zie­hen. So wur­den fast 400 Än­de­rungs­an­trä­ge an­ge­mel­det. Das Pro­blem für May: Die Kon­ser­va­ti­ven ha­ben nur ei­ne hauch­dün­ne Mehr­heit – das Vo­tum des Par­la­ments, das erst in ei­ni­gen Wo­chen er­war­tet wird, dürf­te zur Zit­ter­par­tie wer­den.

FOTO: IMAGO

Kämpft auch ge­gen in­ner­par­tei­li­che Wi­der­stän­de: Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.