„Die Kol­ben­fres­ser der EU“

Aller-Zeitung - - POLITIK -

Herr Schulz, Uni­on, FDP und Grü­ne strei­ten ne­ben den Groß­the­men Kli­ma und Mi­gra­ti­on auch über Eu­ro­pa. Ist Streit et­was Gu­tes oder wird es zu viel?

Mar­tin Schulz: Seit der Bun­des­tags­wahl sind mehr als sie­ben Wo­chen ver­gan­gen. In Eu­ro­pa be­steht gro­ße Sor­ge, ob den Ver­hand­lungs­par­tei­en der Ernst der La­ge auf dem Kon­ti­nent be­wusst ist. Ne­ben den Auf­ga­ben bei den Br­ex­itVer­hand­lun­gen und den nach wie vor un­ge­klär­ten Her­aus­for­de­run­gen der Flücht­lings­po­li­tik ha­ben auch die Pa­ra­di­se Pa­pers ge­zeigt, dass wir zu ei­ner bes­se­ren Zu­sam­men­ar­beit auf dem Kon­ti­nent kom­men müs­sen. Un­ter frü­he­ren Bun­des­kanz­lern wie Hel­mut Schmidt oder Hel­mut Kohl war Deutsch­land der Mo­tor der eu­ro­päi­schen Ei­ni­gung. Wir müs­sen auf­pas­sen, dass die kom­men­de Re­gie­rung nicht zum Kol­ben­fres­ser der EU wird. Da­her gilt: Na­tür­lich muss ei­ne zu­künf­ti­ge Re­gie­rung in­ten­siv ver­han­deln. Aber ir­gend­wann müs­sen die auch mal ei­nen Ab­schluss finden, denn für roya­le Bal­kon­fo­tos sind sie nicht ge­wählt wor­den.

Be­son­ders die FDP stellt sich bei zu viel Eu­ro­pa qu­er. Ha­ben die Li­be­ra­len die Auf­ga­be nicht ver­stan­den?

Die FDP hat als Kli­en­tel­par­tei nicht den Blick für das gro­ße Gan­ze. Das hat sie schon be­wie­sen, als es um die Ret­tung des Eu­ro ging und sie da­ge­gen stimm­te. Sie zeigt es jetzt er­neut in den Ver­hand­lun­gen mit Uni­on und Grü­nen. Die Schwam­pel wird Eu­ro­pa nicht vor­an­brin­gen, des­halb ver­sün­digt sie sich an der Zu­kunft un­se­res Lan­des. Eu­ro­pa kann in ei­ner glo­ba­li­sier­ten Welt nur dann ein si­che­rer, so­zia­ler und in­no­va­ti­ver Raum blei­ben, wenn wir die EU be­fä­hi­gen, sich um die gro­ßen Fra­gen zu küm­mern.

Was müss­te die nächs­te Re­gie­rung in Eu­ro­pa leis­ten?

Die kom­men­de Bun­des­re­gie- rung hat viel­fäl­ti­ge Auf­ga­ben zu meis­tern. Die Be­kämp­fung des Kli­ma­wan­dels und der Steu­er­flucht, ei­ne ge­rech­te Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen, der Kampf ge­gen Flucht­ur­sa­chen und ein ge­ord­ne­tes Br­ex­it-ver­fah­ren ste­hen da­bei aus mei­ner Sicht im Vor­der­grund. Über al­lem aber steht, ei­ne grö­ße­re Ak­zep­tanz in­ner­halb der Be­völ­ke­rung zu schaf­fen. Die Vor­zü­ge der eu­ro­päi­schen Ei­ni­gung, der wirt­schaft­li­che Er­folg, der Frie­den, der auf un­se­rem Kon­ti­nent herrscht, dür­fen nicht zu Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten ver­kom­men. Nur so kön­nen wir den Kampf ge­gen die Fein­de Eu­ro­pas, ge­gen die Po­pu­lis­ten ge­win­nen.

FOTO: DPA

Mar­tin Schulz, Spd-vor­sit­zen­der

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