Bei­trags­freie Ki­tas: Noch im­mer gibt es Ver­wir­rung

Trä­ger wis­sen nicht, wann Geld vom Land fließt – Re­gie­rung ver­spricht pünkt­li­che Zah­lun­gen

Aller-Zeitung - - ERSTE SEITE - VON MAR­CO SENG

HAN­NO­VER. Von Au­gust an sol­len El­tern von Kin­dern ab drei Jah­ren in Nie­der­sach­sen kei­ne Ki­ta-ge­büh­ren mehr zah­len – doch noch im­mer gibt es Ver­wir­rung, was die von der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on be­schlos­se­ne Bei­trags­frei­heit be­trifft. Das Land hat noch kein Geld an die Ki­ta-trä­ger über­wie­sen und auch kei­nen Ter­min da­für ge­nannt. Vor al­lem klei­ne­re Ein­rich­tun­gen und El­tern­in­itia­ti­ven fürch­ten des­halb um ih­re Exis­tenz.

Nie­der­sach­sens Kul­tus­mi­nis­ter Grant Hen­drik Ton­ne (SPD) si­cher­te den Ki­ta-trä­gern am Frei­tag je­doch frist­ge­rech­te Zah­lun­gen zu. „Die Ein­rich­tun­gen müs­sen kei­ne Zah­lungs­eng­päs­se be­fürch- ten“, er­klär­te Ton­ne. Die Ki­tas er­hiel­ten vom 1. Au­gust an au­to­ma­tisch das ih­nen zu­ste­hen­de Geld. Das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um warn­te die Kin­der­gär­ten da­vor, noch Bei­trä­ge von den El­tern zu ver­lan­gen, wie es ei­ni­ge Ein­rich­tun­gen an­ge­sichts der bis­lang un­kla­ren Zah­lung des Lan­des an­ge­kün- digt hat­ten. „Trä­ger, die trotz­dem Ge­büh­ren für den Re­gel­be­trieb er­he­ben, pro­fi­tie­ren nicht von der er­höh­ten Fi­nanz­hil­fe des Lan­des“, sag­te Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin Tan­ja Meis­ter. Statt der im neu­en Ki­ta-ge­setz be­schlos­se­nen 55 Pro­zent an Per­so­nal­kos­ten­zu­schuss wür­den in die­sem Fall nur 20 Pro­zent ge­zahlt. „Die El­tern ha­ben grund­sätz­lich das Recht auf Bei­trags­frei­heit, sie kön­nen sich not­falls auch er­ho­be­ne Bei­trä­ge er­stat­ten las­sen.“

Der Op­po­si­ti­on im Land­tag rei­chen die An­kün­di­gun­gen nicht aus. „Es kann nicht sein, dass die Re­gie­rungs­frak­tio­nen die Bei­trags­frei­heit übers Knie bre­chen, ein schlech­tes Ge­setz ma­chen, das Mi­nis­te­ri­um kei­ner­lei Hin­wei­se an die Trä­ger über den Zeit­punkt der Zah­lun­gen gibt und vie­le Trä­ger da­durch in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten kom­men“, kri­ti­sier­te der Fdp-bil­dungs­ex­per­te Björn Förs­ter­ling.

Die Grü­nen-ab­ge­ord­ne­te Ju­lia Wil­lie Ham­burg warf Ton­ne „Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung“vor. „Über­all in Nie­der­sach­sen häu­fen sich die of­fe­nen Fra­gen und Pro­ble­me bei der Um­set­zung der Bei­trags­frei­heit“, er­klär­te Ham­burg. Dies gel­te et­wa für Ki­tas mit be­son­de­ren Be­treu­ungs­kon­zep­ten. Auch die Kom­mu­nen war­nen: „Bei klei­nen Trä­gern se­hen wir schon Pro­ble­me, wenn das Land nicht recht­zei­tig zahlt“, sag­te Bert­hold Ernst, der Ge­schäfts­füh­rer des nie­der­säch­si­schen Städ­te­und Ge­mein­de­bun­des.

FO­TO: DPA

Klei­ne­re Kin­der­ta­ges­stät­ten war­ten auf Geld.

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