Re­al-mit­ar­bei­ter strei­ken ge­gen nied­ri­ge­re Löh­ne

Die Su­per­markt­ket­te will in ei­nen bil­li­ge­ren Ta­rif wech­seln

Aller-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON ERICH REI­MANN UND STEFAN WIN­TER

HAN­NO­VER/DÜS­SEL­DORF. Der seit Mo­na­ten schwe­len­de Ta­rif­streit bei der Su­per­markt­ket­te Re­al es­ka­liert. Ver­di hat die bun­des­weit 34 000 Be­schäf­tig­ten zum Streik auf­ge­for­dert. Nach An­ga­ben der Ge­werk­schaft be­tei­lig­ten sich am Frei­tag meh­re­re Tau­send Mit­ar­bei­ter aus der Hälf­te der 281 Re­al-fi­lia­len an Ar­beits­nie­der­le­gun­gen und Kund­ge­bun­gen. Es sei­en den­noch al­le Märk­te ge­öff­net ge­blie­ben, teil­te das Un­ter­neh­men mit.

Re­al ge­hört zur Me­tro AG und be­rei­tet dort seit Jah­ren Pro­ble­me. Me­tro-chef Olaf Koch er­klärt das auch mit zu ho­hen Per­so­nal­kos­ten und for­dert schon lan­ge Ta­rif­ver­hand­lun­gen über ei­ne neue Ent­gelt­struk­tur. Das ha­be Ver­di jah­re­lang blo­ckiert.

Jetzt fährt Koch ei­ne har­te Li­nie: Re­al ist aus der Ta­rif­bin­dung mit Ver­di aus­ge­stie­gen. Für neu ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter sol­len Kon­di­tio­nen gel­ten, die mit der Ge­werk­schaft DHV ver­ein­bart wor­den seium­set­zen en. Nach Ver­di-an­ga­ben be­kä­men die Be­trof­fe­nen da­mit im Durch­schnitt 23 Pro­zent we­ni­ger Geld als Kol­le­gen mit al­ten Ver­trä­gen.

Al­ler­dings steht Kochs Plan auf wack­li­gen Bei­nen, denn die DHV will mit dem an­geb­li­chen neu­en Ta­rif­ver­trag nichts zu tun ha­ben. Man un­ter­stüt­ze die Pro­tes­te der Re­al-mit­ar­bei­ter, hieß es am Frei­tag bei der Ge­werk­schaft. „Re­al hat viel­leicht ei­ne an­de­re Rechts­auf­fas­sung als wir“, sag­te der Dhv-vor­sit­zen­de Henning Rö­ders dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND). Die Ge­werk­schaft ha­be vor Jah­ren ei­nen Ta­rif­ver­trag für ei­ne Me­tro-ser­vice­toch­ter mit 600 Mit­ar­bei­tern im Ge­bäu­de­ma­nage­ment aus­ge­han­delt. Die­sen Ver­trag ha­be das Un­ter­neh­men auf Re­al über­tra­gen wol­len. „Das ist ei­ne ganz an­de­re Aus­rich­tung“, sag­te Rö­ders. Für die Ge­werk­schaft sei die Ge­schäfts­grund­la­ge ent­fal­len, „wir ha­ben den Ver­trag mit so­for­ti­ger Wir­kung ge­kün­digt“.

will ihn Me­tro of­fen­bar den­noch. Bis­her lä­gen die Lohn­kos­ten um rund 30 Pro­zent über de­nen vie­ler Wett­be­wer­ber, sag­te Me­trochef Koch der „Wirt­schafts­wo­che“. Nach dem Aus­stieg kön­ne Re­al neu ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter markt­ge­recht be­zah­len. „Für die bis­he­ri­ge Be­leg­schaft gibt es kei­ne Ver­schlech­te­run­gen – we­der beim Lohn noch bei sons­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen.“

Ver­di sieht in dem Schritt den Ver­such, haus­ge­mach­te Pro­ble­me auf Kos­ten der Be­schäf­tig­ten zu lö­sen. „Es ist un­ver­schämt, von den Be­schäf­tig­ten zu ver­lan­gen, dass sie die Ma­nage­ment­feh­ler der Ver­gan­gen­heit durch der­ar­ti­ge Ein­schnit­te ... be­zah­len sol­len“, sag­te Ver­di-vor­stands­mit­glied Stefanie Nut­zen­ber­ger am Frei­tag.

Re­al kämpft seit Jah­ren mit Um­satz­rück­gän­gen. Koch sieht jetzt die Chan­ce zur Wen­de: „Wir sind jetzt an ei­nem Punkt, an dem wir sa­gen kön­nen: Das Un­ter­neh­men ist er­folg­reich für die Zu­kunft auf­ge­stellt.“

FO­TO: DPA

Nach Ver­di-an­ga­ben streik­ten Tau­sen­de. Die Re­al-märk­te blie­ben den­noch ge­öff­net.

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