Rin­gen um die Land­ärz­te: Re­gie­rung strei­tet über Quo­te

Die SPD will Me­di­zin­stu­di­en­plät­ze spe­zi­ell An Be­wer­ber ver­ge­ben, die spä­ter Aufs Land zie­hen

Aller-Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON JENS HEITMANN

HAN­NO­VER. Es ist ein selt­sa­mer Streit: Erst vor we­ni­gen Mo­na­ten ha­ben So­zi­al- und Christ­de­mo­kra­ten im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bart, dass sie zu­sam­men mit der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung (KVN) mehr Me­di­zi­ner aufs Land lo­cken wol­len, um dro­hen­de Eng­päs­se in der am­bu­lan­ten Ver­sor­gung ab­zu­wen­den. Zwei Jah­re lang woll­te die Lan­des­re­gie­rung in Ru­he be­ob­ach­ten, ob die­se Be­mü­hun­gen Er­folg ha­ben, und dann „auf Ba­sis die­ser Er­geb­nis­se ent­schei­den, ob wei­te­re Maß­nah­men hier­für not­wen­dig sind“. So­weit der Plan – doch nun sind die Ko­ali­tio­nä­re plötz­lich auf Kon­flikt ge­bürs­tet: Die Spd-frak­ti­on for­dert die Ein­füh­rung ei­ner „Lan­d­arzt­quo­te“, die Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Björn Thüm­ler (CDU) ab­lehnt.

Die Idee hin­ter der Quo­te ist ein­fach: Wer sich ver­pflich­tet, sich nach dem Me­di­zin­stu­di­um als Arzt auf dem Land nie­der­zu­las­sen, be­kommt ei­nen der be­gehr­ten Stu­di­en­plät­ze. Der Bund und die Län­der ha­ben in ih­rem „Mas­ter­plan Me­di­zin­stu­di­um 2020“be­schlos­sen, dass ein Teil der Hoch­schul­plät­ze in die­sem Fach für künf­ti­ge Land­ärz­te re­ser­viert wer­den darf. Als Vor­rei­ter hat Nord­rhein-west­fa­len im Ju­ni ei­nen ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wurf prä­sen­tiert: Dem­nach sol­len an Rhein und Ruhr vom Win­ter­se­mes­ter 2019/20 an knapp 8 Pro­zent der Stu­di­en­plät­ze an An­wär­ter ge­hen, die spä­ter für min­des­tens zehn Jah­re aufs Land zie­hen.

Die­se Kon­stel­la­ti­on ist für die nie­der­säch­si­sche SPD dop­pelt at­trak­tiv: Zum ei­nen ist die Par­tei prin­zi­pi­ell für die Lan­d­arzt­quo­te – zum an­de­ren wird die­ses Mo­dell in Düs­sel­dorf mit Karl-jo­sef Lau­mann von ei­nem Cdu-ge­sund­heits­mi­nis­ter vor­an­ge­trie­ben.

Doch Thüm­ler bleibt bei sei­nen Ge­gen­ar­gu­men­ten: „Zu er­war­ten, dass sich jun­ge Men­schen von 17 oder 18 Jah­ren gleich zu Be­ginn ih­res Me­di­zin­stu­di­ums – in der Re­gel oh­ne Pra­xis­er­fah­rung – für zehn Jah­re auf ei­ne Fach­rich­tung und da­mit letzt­lich auch auf ein be­stimm­tes per­sön­li­ches Um­feld fest­le­gen, hal­te ich für fern­ab je­der Le­bens­rea­li­tät“, sag­te der Mi­nis­ter.

Die­se Ein­schät­zung tei­len auch die FDP und die hie­si­ge Ärz­te­kam­mer. De­ren Prä­si­den­tin Mar­ti­na Wen­ker be­fürch­tet, dass nicht al­le, die sich da­zu ver­trag­lich ver­pflich­ten, nach ih­rem Stu­di­um auch tat­säch­lich Lan­d­arzt wer­den – sie könn­ten sich aus dem Ver­trag her­aus­kau­fen. Um das zu ver­hin­dern, ist in Nord­rhein-west­fa­len für sol­che Fäl­le ei­ne Straf­zah­lung von 250 000 Eu­ro vor­ge­se­hen.

Thüm­ler und die FDP plä­die­ren da­für, jun­ge Me­di­zi­ner über „po­si­ti­ve An­rei­ze“für das Land­le­ben zu ge­win­nen. Die­ses An­sin­nen teilt auch Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Ca­ro­la Rei­mann. Die So­zi­al­de­mo­kra­tin hat­te als Bei­spiel Sti­pen­di­en für Me­di­zin­stu­die­ren­de ge­nannt, die sich spä­ter als Lan­d­arzt nie­der­las­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.