Nur Wirt­schafts­wert er­setzt

Der Im­men­städ­ter Un­ter­neh­mer Ul­rich Eberl in­ves­tiert in Zei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung Mil­lio­nen in mo­der­ne Druck­tech­nik. Im Ge­spräch er­klärt er die Chan­cen durch Spe­zia­li­sie­rung und spricht über die Zu­kunft der Bran­che

Allgäuer Anzeigeblatt - - Vorderseite - In­ter­view: Micha­el Mang

Wenn ein Wolf ein Kalb reißt, er­hält der Bau­er aus dem Aus­gleichs­fonds nur den Wirt­schafts­wert er­setzt. Das kann we­ni­ger sein, als ihm das Tier wert ist.

Im­men­stadt Hoch­wer­ti­ge Druck­pro­duk­te mit drei­di­men­sio­na­len Funk­tio­nen und Ef­fek­ten sind das Spe­zi­al­ge­biet des Im­men­städ­ter Un­ter­neh­mens Eberl Print. Ul­rich Eberl lei­tet als ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men, das im kom­men­den Jahr seit 160 Jah­ren be­steht. Im ver­gan­ge­nen Jahr in­ves­tier­te Eberl 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro in mo­der­ne Druck­tech­nik. Im In­ter­view spricht der Un­ter­neh­mer über die Ri­si­ken des ho­hen In­vest­ments, die Chan­cen für die Bran­che und war­um On­li­neMe­di­en nicht um­welt­scho­nen­der sind als ge­druck­te Pro­duk­te.

In Zei­ten von Di­gi­ta­li­sie­rung und Bil­lig­pro­duk­ti­on ist für Dru­cke­rei­en ein har­ter Wett­kampf ent­stan­den. Wie ha­ben Sie als Un­ter­neh­mer dar­auf re­agiert?

Ul­rich Eberl: Die Be­deu­tung von Druck­pro­duk­ten hat sich durch die di­gi­ta­len, on­li­ne-ver­füg­ba­ren Me­di­en stark ver­än­dert, zum Teil ist die Be­deu­tung so­gar ver­lo­ren ge­gan­gen. Wir ha­ben bei Eberl Print tra­di­tio­nell schon im­mer sehr hoch­wer­ti­ge Pro­duk­te ge­fer­tigt, die für die Kom­mu­ni­ka­ti­on un­se­rer Kun­den wich­tig sind. Dies ha­ben wir über die Jah­re durch hoch­qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter und mo­derns­te Tech­no­lo­gie stets wei­ter­ent­wi­ckelt. Wer­bung und Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Druck­pro­duk­ten drückt höchs­te Wert­schät­zung aus und er­reicht si­cher ih­ren je­wei­li­gen Emp­fän­ger.

Das Un­ter­neh­men hat sich in­zwi­schen auch auf hoch­wer­ti­ge Ver­pa­ckun­gen spe­zia­li­siert. War­um sind die so wich­tig für den Er­folg ei­nes Pro­duk­tes?

Eberl: Die Ver­pa­ckung dient nicht nur dem Schutz ei­nes Pro­dukts. Heu­te wird Qua­li­tät und Funk­ti­on ei­nes Pro­dukts auch stark durch die Ver­pa­ckung ver­mit­telt. Das Image ei­ner Mar­ke kann da­mit wir­kungs­voll über­tra­gen wer­den. Dies ist um­so be­deu­ten­der, je häu­fi­ger Pro­duk­te on­li­ne be­stellt und über Pa- ket­diens­te aus­ge­lie­fert wer­den. Das Er­leb­nis, das man frü­her aus­schließ­lich im La­den hat­te, wird heu­te auf den Wohn­zim­mer­tisch über­tra­gen. Man spricht hier auch von „un­boxing“, al­so dem Er­leb­nis des Au­s­pa­ckens und der Freu­de dar­an.

Was macht ei­ne gu­te Ver­pa­ckung aus?

Eberl: Zu­nächst muss sie das Pro- dukt op­ti­mal schüt­zen und un­be­scha­det zum Emp­fän­ger brin­gen. Dann kann sie das Pro­dukt un­ter­stüt­zen und er­klä­ren. Zu­sätz­lich soll sie aber auch Emo­tio­nen we­cken, be­geis­tern und Freu­de ma­chen. Letzt­lich die Kauf­ent­schei­dung recht­fer­ti­gen.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt Ih­res An­ge-

bots sind Ge­schäfts­be­rich­te. War­um soll­te heu­te ein Un­ter­neh­men sei­nen Ge­schäfts­be­richt dru­cken, statt das Zah­len­werk ein­fach di­gi­tal an die Ak­tio­nä­re zu ver­sen­den?

Eberl: Na­tür­lich wer­den rei­ne Un­ter­neh­mens­zah­len heu­te on­li­ne ver­öf­fent­licht. Dies er­füllt den prak­ti­schen Zweck. Wenn ein Un­ter­neh­men aber auch ein jähr­li­ches State­ment an sei­ne Ak­tio­nä­re, Ge­sell­schaf­ter, Kun­den und die Öf­fent­lich­keit ab­ge­ben möch­te, dann ist ein Ge­schäfts­be­richt ein tol­les Me­di­um; weit über die nack­ten Zah­len hin­aus. Heu­te geht es um so­zia­le Ver­ant­wor­tung, um Nach­hal­tig­keit und Um­welt­schutz. Dies kann mit dem Ge­schäfts­be­richt wirk­sam er­klärt wer­den.

Sind On­li­ne–Me­di­en um­welt­scho­nen­der?

Eberl: Dass On­li­ne-Me­di­en um­welt­scho­nen­der sei­en als Ge­druck­tes, ist rich­ti­ger Blöd­sinn. Pa­pier wird heu­te nach­hal­tig er­zeugt und ist re­cy­cle­bar. Die Öko­bi­lanz von Smart­pho­nes und Ta­blets mit kur­zer Le­bens­dau­er, dem Ver­brauch sel­te­ner Er­den so­wie der Ener­gie­hun­ger von Ser­ver­far­men welt­weit sind durch­aus kri­tik­wür­dig.

Sie ar­bei­ten beim The­ma Ge­schäfts­be­rich­te eng mit dem Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­on In­sti­tu­te der Uni­ver­si­tät Müns­ter zu­sam­men. Wie kam es zu die­ser Ko­ope­ra­ti­on?

Eberl: Das In­sti­tut in Müns­ter hat über Jah­re hin­weg Ge­schäfts­be­rich­te ana­ly­siert und be­wer­tet; auch im Hin­blick auf Qua­li­tät und Wir­kung. Wir ha­ben uns na­tür­lich für die­se Er­kennt­nis­se stark in­ter­es­siert. Dar­aus ist ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit der Pro­fes­so­rin Gi­se­la Gros­se ent­stan­den, weil wir die­se wert­vol­le Tä­tig­keit un­ter­stüt­zen wol­len. Wir ha­ben die Mög­lich­keit, re­gel­mä­ßig mit ent­schei­den­den Per­sön­lich­kei­ten aus dem Be­reich der Fi­nanz-Kom­mu­ni­ka­ti­on zu­sam­men­zu­kom­men und von ih­nen zu ler­nen.

Sie ha­ben al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro in mo­der­ne Druck­tech­nik in­ves­tiert. Ist das nicht ein Ri­si­ko, wenn im­mer mehr Un­ter­neh­men ganz auf ge­druck­te Ge­schäfts­be­rich­te ver­zich­ten oder ver­su­chen, aus öko­lo­gi­schen Grün­den Ver­pa­ckun­gen zu re­du­zie­ren?

Eberl: In­ves­ti­tio­nen mit län­ge­rer Bin­dung sind letzt­lich im­mer ein ge­wis­ses Ri­si­ko. Aber dar­aus be­steht nun ein­mal un­ter­neh­me­ri­sches Han­deln. Ich mei­ne, dass wir mit un­se­rer Stra­te­gie von Pre­mi­um­Pro­duk­ten, Ver­pa­ckun­gen und von be­deu­tungs­vol­len Pro­duk­ten über­haupt im­mer ei­nen Weg in die Zu­kunft be­schrei­ten kön­nen. Dass die Dy­na­mik da­bei zu­nimmt und wir uns im­mer schnel­ler an­pas­sen müs­sen, ist un­se­re Her­aus­for­de­rung. Hier­zu müs­sen wir un­se­re Mit­ar­bei­ter im­mer wie­der neu ge­win­nen.

Wo se­hen Sie die Zu­kunfts­chan­cen für die Bran­che?

Eberl: Un­ver­meid­ba­re Ve­rän­de­run­gen durch die Di­gi­ta­li­sie­rung muss man ak­zep­tie­ren und darf man nicht be­kla­gen. Die Vor­tei­le muss man für sich selbst er­schlie­ßen.

Wel­che Vor­tei­le sind das?

Eberl: Ich bin si­cher, dass Druck­pro­duk­te ei­ne Zu­kunft ha­ben, wenn es dar­um geht, Emp­fän­ger zu­ver­läs­sig und wir­kungs­voll zu er­rei­chen. Es be­deu­tet gro­ße Wert­schät­zung, wenn man ein hoch­wer­ti­ges Druck­pro­dukt in die Hän­de be­kommt. Ein per­sön­li­cher Hän­de­druck ge­wis­ser­ma­ßen. Im In­ter­net sieht man im­mer mehr vom Glei­chen. Auch die Ta­ges­zei­tun­gen ha­ben in Zei­ten frag­wür­di­ger po­li­ti­scher Per­sön­lich­kei­ten, von Ma­ni­pu­la­ti­on und Fa­ke-News wie­der an Be­deu­tung ge­won­nen. Die Men­schen schät­zen die nach­voll­zieh­ba­re Her­kunft ih­rer In­for­ma­tio­nen. Dies be­trifft werb­li­che In­for­ma­tio­nen eben­so wie jour­na­lis­ti­sche In­for­ma­tio­nen.

Foto: Jan Rö­der

„Un­ver­meid­ba­re Ve­rän­de­run­gen durch die Di­gi­ta­li­sie­rung muss man ak­zep­tie­ren und darf man nicht be­kla­gen“, sagt der Un­ter­neh­mer Ul­rich Eberl.

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