Was dür­fen In­kas­so-Fir­men?

In ih­ren Schrei­ben dro­hen un­se­riö­se Un­ter­neh­men oft mit ver­schie­de­nen Schrit­ten. Doch vie­les ist ih­nen gar nicht er­laubt

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und sie be­zah­len die For­de­rung trotz fi­nan­zi­el­ler Not“, so die Ver­brau­cher­schüt­ze­rin. Wer Schul­den hat, müs­se nicht ein­mal fünf Eu­ro ab­stot­tern, so­lan­ge sein mo­nat­li­ches Ein­kom­men un­ter­halb des Pfän­dungs­frei­be­trags von ak­tu­ell 1 133,80 Eu­ro liegt. Bei Un­ter­halts­pflich­ten gel­te ein noch hö­he­rer Frei­be­trag – und auch Din­ge des täg­li­chen Be­darfs wie Tisch, Bett und ein nor­ma­ler Fern­se­her dürf­ten nicht ge­pfän­det wer­den.

● Ge­richt und Ge­richts­voll­zie­her Dem Druck­mit­tel, ein Ge­richt ein­zu­schal­ten und den Ge­richts­voll­zie­her zu schi­cken, ge­ben Ver­brau­cher oft eben­falls über­eilt nach. Für je­de Form der Voll­stre­ckung müs­se sich der In­kas­so-Di­enst zu­nächst ei­nen so­ge­nann­ten Ti­tel be­sor­gen, al­so ei­nen ge­richt­li­chen Voll­stre­ckungs­be­scheid oder ein Ur­teil, be­to­nen die Ver­brau­cher­schüt­zer Föl­ler. Ist ei­ne For­de­rung un­be­rech­tigt, kön­ne dem im Lau­fe des Mahn­ver­fah­rens oder ei­ner Kla­ge mehr­fach wi­der­spro­chen wer­den. „Un­se­riö­se In­sti­tu­te zie­hen da­her in der Re­gel nicht vor Ge­richt“, sagt die Ex­per­tin.

Aber Ach­tung: Liegt be­reits ein ge­richt­li­cher Mahn­be­scheid vor, soll­te der Ver­brau­cher schnell sein. Be­rech­tig­te For­de­run­gen sind zu be­zah­len, un­be­rech­tig­ten ist spä­tes­tens dann zu wi­der­spre­chen, und zwar schrift­lich in­ner­halb von zwei Wo­chen. Nach Ein­schät­zung des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher In­kas­so-Un­ter­neh­men (BDIU) liegt hier die Ur­sa­che für man­ches Pro­blem. „Es kommt zum Bei­spiel re­la­tiv oft vor, dass Schuld­ner auch auf meh­re­re Mah­nun­gen nicht re­agie­ren. Das kann für den Ein­zel­nen gra­vie­ren­de recht­li­che Fol­gen ha­ben“, sagt BDIU-Spre­cher Mar­co We­ber.

● „Wir be­an­tra­gen Haft­be­fehl“Auch da­mit dro­hen un­se­riö­se An­bie­ter. Ob das Druck­mit­tel rech­tens ist, hängt vom Ver­fah­rens­stand ab. Ei­ne Beu­ge­haft kann den Ver­brau­cher­schüt­zern zu­fol­ge nur dann be­an­tragt wer­den, wenn der Gläu­bi­ger ei­nen Ti­tel (zum Bei­spiel ei­nen Voll­stre­ckungs­be­scheid) hat, die For­de­rung nicht be­zahlt wird, ei­ne Voll­stre­ckung ver­geb­lich ist und der Schuld­ner ei­ne Ver­mö­gens­aus­kunft grund­los ver­wei­gert. Ex­per­tin Föl­ler sagt da­zu: „Oh­ne Wei­te­res flat­tert ei­nem ein Haft­be­fehl al­so nicht ins Haus.“

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Wer ein In­kas­so-Schrei­ben be­kommt, muss nicht je­de Dro­hung glau­ben.

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