Steu­er­klas­sen-Wech­sel zahlt sich für Ver­hei­ra­te­te aus

Fi­nan­zen II Je nach Ge­halt lohnt es sich für Ehe­part­ner, sich un­ter­schied­lich ein­grup­pie­ren zu las­sen. So bleibt mehr Net­to-Ein­kom­men

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Berlin Hoch­zeits­fest und Flit­ter­wo­chen kön­nen sehr teu­er sein. Mehr Net­to im Mo­nat kann sich das frisch ver­mähl­te Paar aber mit der rich­ti­gen Steu­er­klas­se si­chern. Von den Be­hör­den wer­den bei­de Ehe­gat­ten oder Le­bens­part­ner zwar au­to­ma­tisch in Steu­er­klas­se IV ein­ge­teilt, doch ein Wech­sel in ei­ne an­de­re Klas­se kann für bei­de oft güns­ti­ger aus­fal­len.

„In der Re­gel ha­ben Ehe­gat­ten Steu­er­klas­se IV/IV, da ist die Steu­er­last so hoch, als wä­ren die Ehe­gat­ten oder Le­bens­part­ner nicht ver­hei­ra­tet“, er­klärt To­bi­as Ger­au­er, Lei­ter der Steu­er­rechts­ab­tei­lung der Lohn­steu­er­hil­fe Bay­ern. Da­her sei für vie­le Ver­hei­ra­te­te die Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/V at­trak­ti­ver. „Für die Steu­er­klas­se III/V gibt es ei­ne klei­ne Faust­for­mel: Wenn ein Part­ner rund 60 Pro­zent des Fa­mi­li­en­ein­kom­mens ver­dient und der an­de­re rund 40, dann wirkt III/V güns­ti­ger, da das Paar dann mo­nat­lich ein hö­he­res Net­to hat.“

Die III/V-Kom­bi­na­ti­on hat laut Uwe Rau­höft vom Bun­des­ver­band der Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne je­doch Nach­tei­le, wenn der Part­ner mit dem ge­rin­ge­ren Ver­dienst Lohn­er­satz­leis­tun­gen er­hält, et­wa in Form von Ar­beits­lo­sen­geld I, Kurz­ar­beit, Kran­ken­geld oder El­tern­geld. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur III/V-Kom­bi­na­ti­on ist die Steu­er­klas­se IV mit Fak­tor. Da­für muss man ei­nen An­trag beim Fi­nanz­amt stel­len. Der Fak­tor er­rech­net sich aus den Löh­nen der bei­den Part­ner und führt da­zu, dass bei­de we­ni­ger Lohn­steu­er zah­len müs­sen und so­mit mehr Net­to bleibt.

Der Wech­sel zu Steu­er­klas­se IV mit Fak­tor sei bei Paa­ren je­doch re­la­tiv un­be­liebt, sagt Klo­cke. „Zum ei­nen scheu­en vie­le den Auf­wand und zum an­de­ren ist der Fak­tor nur dann rich­tig gut, wenn es kei­ne schwan­ken­den Löh­ne gibt.“

„Ob Steu­er­klas­se IV, IV mit Fak­tor oder III/V – nach der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung ha­ben al­le gleich viel Steu­ern be­zahlt“, stellt Steu­er­rechts­ex­per­te Ger­au­er klar. Ver­hei­ra­te­te müss­ten sich die Fra­ge stel­len: Will ich ein mo­nat­lich hö­he­res Net­to­ge­halt oder möch­te ich spä­ter ei­ne hö­he­re Steu­e­r­er­stat­tung ha­ben.

„Die Leu­te glau­ben, dass sie mit ei­nem Steu­er­klas­sen­wech­sel un­term Strich Steu­ern spa­ren, das ist aber nicht so“, sagt Klo­cke. Es geht le­dig­lich dar­um, ein hö­he­res Net­to pro Mo­nat zu ha­ben, was wich­tig ist, wenn man zum Bei­spiel Kre­di­te be­die­nen muss oder das Geld mo­nat­lich für die Mie­te oder zum Le­ben be­nö­tigt. Die tat­säch­li­che Steu­er des Paa­res wird dann erst im Ein­kom­men­steu­er­be­scheid fest­ge­legt.

Grund­sätz­lich kann im­mer ein­mal im Jahr bis zum 30. No­vem­ber ein An­trag auf Steu­er­klas­sen­wech­sel ge­stellt wer­den, da­mit sich die güns­ti­ge­re Steu­er­klas­se noch im lau­fen­den Jahr aus­wirkt.

Foto: dpa

Wer hei­ra­tet, soll­te sich auch beim Fi­nanz­amt mel­den.

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