Leer­stän­de ha­ben ho­hes Po­ten­zi­al

All­gäu­er Kon­ver­si­ons­kon­gress the­ma­ti­siert in­ner­ört­li­che Ent­wick­lung im Zu­ge des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels

Allgäuer Zeitung (Füssener Blatt) - - Ostallgäu -

Füs­sen Der All­gäu­er Kon­ver­si­ons­kon­gress fand ges­tern in Füs­sen statt. Der The­men­schwer­punkt lag da­bei auf der Ent­wick­lung von Orts­ker­nen und In­nen­städ­ten. Der Man­gel an Wohn­raum so­wie die ho­he Ver­sie­ge­lungs­ra­te be­trifft al­le Kom­mu­nen. Bis zum Jahr 2020 hat sich die Bun­des­re­gie­rung das Ziel ge­setzt, die Flä­cheninan­spruch­nah­me bis auf 30 Hekt­ar pro Tag zu re­du­zie­ren. Zum Kon­gress hat das Kon­ver­si­ons­ma­nage­ment der All­gäu Gm­bH ge­la­den.

Als Ver­tre­ter der Kon­ver­si­ons­stand­or­te ver­wies Füs­sens Bür­ger­meis­ter Paul Ia­cob auf die Bun­des­wehr­re­form im Jahr 2011, die zu Schlie­ßun­gen von Ka­ser­nen oder Per­so­nal­re­du­zie­run­gen führ­te – auch in Sont­ho­fen, Kemp­ten, Kauf­beu­ren und Füs­sen. Dies ha­be auch Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schafts­und Be­schäf­ti­gungs­ent­wick­lung. Im Zu­ge der Kon­ver­si­on – die Um­wand­lung mi­li­tä­ri­scher in zi­vi­le Flä- – ist die­ser Kon­gress zu ei­ner Platt­form für wei­te­re kom­mu­na­le The­men ge­wor­den, die für die Ent­wick­lung der Re­gi­on wich­tig sind.

„Ich möch­te be­to­nen, dass wir hier im süd­li­chen All­gäu stark vom Tou­ris­mus ab­hän­gig sind“, sag­te Ia­cob. Ge­ra­de des­halb sei es not­wen­dig, sich auch an­der­wei­tig zu ent­wi­ckeln. Die Ge­wer­be­an­sied­lung im Zen­trum und die För­de­rung von so­zi­al ver­träg­li­chem Wohn­raum sei­en von gro­ßer Be­deu­tung, sag­te Ia­cob. Doch ein Ort al­lein sei nicht fä­hig, dies zu ver­wirk­li­chen, ein Zu­sam­men­schluss mit an­de­ren Kom­mu­nen sei von­nö­ten. Hier­bei ver­wies er auf die Zu­sam­men­ar­beit der zehn Kom­mu­nen des Zweck­ver­bands All­gäu­er Land.

Das The­ma des in­ter­kom­mu­na­len Aus­tau­sches und der Zu­sam­men­ar­beit beim Flä­chen­ma­nage­ment griff auch die Re­fe­ren­tin Dr. Sa­bi­ne Mül­ler-Her­bers, die an ei­nem frän­ki­schen Um­welt- und Pla­nungs­bü­ro ist, auf. Durch die ge­mein­sa­me Be­ar­bei­tung sei die Aus­sicht auf ei­ne er­folg­rei­che Flä­chen­nut­zung we­sent­lich grö­ßer, sag­te sie. Leer­stän­de und Bau­lü­cken im In­nen­raum hät­ten ein sehr ho­hes Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al, sag­te Micha­el We­ber vom In­sti­tut für Stadt- und Re­gio­nalent­chen wick­lung der Hoch­schu­le Nür­tin­gen-Geis­lin­gen. Der Struk­tur­wan­del in der Ge­sell­schaft müs­se bei der In­nen­ent­wick­lung be­rück­sich­tigt wer­den. Mit Blick auf den de­mo­gra­fi­schen Wan­del wer­de die Nach­fra­ge nach bar­rie­re­frei­en und zen­tral ge­le­ge­nen Se­nio­ren­woh­nun­gen stei­tä­tig gen – ein wich­ti­ges Ar­gu­ment für die Nah­ver­dich­tung und Be­le­bung der Orts­mit­te. Ein mög­li­ches In­stru­ment für die Flä­chen­wen­de stell­te Dr. Ralph Hen­ger vom In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft Köln vor. Hier­bei ist der Las­ten­aus­gleich zwi­schen wach­sen­den und schrump­fen­den Kom­mu­nen maß­ge­bend. Ziel sei ein Rück­gang der Flä­chen­aus­wei­sun­gen durch das Stop­pen von Dum­ping­prei­sen. So­mit wer­de für die Kom­mu­nen die In­nen­ent­wick­lung lu­kra­ti­ver.

Auch im Füs­se­ner In­nen­raum sei­en po­ten­zi­el­le Flä­chen für die Nah­ver­dich­tung vor­han­den, sag­te Ia­cob. Doch Leer­stän­de wer­den bei der ak­tu­el­len Zins­la­ge nur un­gern ver­kauft. Hier sei ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung er­for­der­lich, um den In­nen­raum stär­ken zu kön­nen und mehr Wohn­raum zu schaf­fen. Die Flä­chen­aus­wei­sung im Au­ßen­be­reich kön­ne so­mit ge­stoppt be­zie­hungs­wei­se de­zi­miert wer­den. (msv)

Fo­to: Ma­ria So­phia Völk

Auf dem All­gäu­er Kon­ver­si­ons­kon­gress zum The­ma In­nen­ent­wick­lung dis­ku­tier­ten (von links) Mar­kus Reich­art (Bür­ger­meis­ter Hei­men­kirch), Dr. Sa­bi­ne Mül­ler Her­bers (Baa­der Kon­zept Gm­bH), Micha­el We­ber (In­sti­tut für Stadt und Re­gio­nal­ent­wick­lung Nür­tin­gen), Klaus Fi­scher (Ge­schäfts­füh­rer All­gäu Gm­bH) und Dr. Ralph Hen­ger (In sti­tut der deut­schen Wirt­schaft Köln).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.