Bis zu 5000 Eu­ro für ei­nen Spe­zi­als­arg

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Bayern -

sei­en es ein bis drei sol­cher Fäl­le im Jahr. Das sei ei­ne schlei­chen­de Ent­wick­lung, die er seit et­wa zehn Jah­ren be­mer­ke.

Die Be­son­der­hei­ten fan­gen dann schon beim Sarg an: Ein Stan­dard­mo­dell ist et­wa zwei Me­ter lang und 65 Zen­ti­me­ter breit und kos­tet zwi­schen 1000 und 2000 Eu­ro. In­zwi­schen sind zu­wei­len je­doch so­gar 1,20 Me­ter brei­te Sär­ge nö­tig. „Ab ei­nem ge­wis­sen Maß muss es die Son­der­an­fer­ti­gung sein – und die ist leicht drei- bis vier­mal so teu­er wie ein Se­ri­en­pro­dukt“, sagt Freu­den­sprung. Für sol­che Spe­zi­als­är­ge müs­se man 2000 bis 5000 Eu­ro auf den Tisch le­gen. Sie könn­ten schließ­lich nicht aus dem „ein­fachs­ten Fich­ten­holz mit dünns­ter Wan­dung sein“, sagt der Be­stat­ter. „Sonst hebt man den Sarg an und der Mensch fällt un­ten her­aus.“

Und wer ei­ne Feu­er­be­stat­tung wün­sche, müs­se meist wei­te­re We­ge in Kauf neh­men. „Nor­ma­le Kre­ma­to­ri­en kön­nen über­brei­te Sär­ge gar nicht auf­neh­men“, sagt Freu­den­sprung. Es ge­be nur ganz we­ni­ge Ein­rich­tun­gen mit Öfen, die groß ge­nug sind und ein so ho­hes Ge­wicht aus­hal­ten.

Über die hö­he­ren Kos­ten müs­se er im­mer wie­der län­ge­re Dis­kus­sio­nen füh­ren, sagt der Be­stat­ter. „Letz­ten En­des se­hen das die An­ge- hö­ri­gen dann ein – wenn auch wi­der­wil­lig.“Häu­fig hö­re er da­bei Aus­sa­gen wie: „Er hat­te doch schon so viel ab­ge­nom­men. Er wiegt doch nur noch 200 Ki­lo.“Wie bei den Ge­sund­heits­kos­ten ge­be es ei­nen „grund­sätz­li­chen Dis­sens“in der Ge­sell­schaft über die Fra­ge, wer für die hö­he­ren Kos­ten auf­kom­men muss – „der­je­ni­ge, der durch sein Über­ge­wicht ei­nen Mehr­auf­wand ver­ur­sacht, oder die Ge­sell­schaft“.

In ex­tre­men Fäl­len müss­ten die To­ten von der Feu­er­wehr aus ih­ren Woh­nun­gen ge­bor­gen wer­den, be­rich­tet Ger­hard Wel­len­hö­fer von der Fried­hofs­ver­wal­tung Nürn­berg. Et­wa al­le drei bis vier Jah­re kom­me das in der frän­ki­schen Stadt vor. Und auch für die Fried­hö­fe sind Be­stat­tun­gen von ex­trem Di­cken ei­ne Her­aus­for­de­rung. Die Erd­lö­cher müs­sen deut­lich grö­ßer sein und ei­ne ex­tra Scha­lung be­kom­men, da­mit sie nicht ein­stür­zen. Und statt den üb­li­chen vier Sarg­trä­gern sind sechs Leu­te nö­tig, um den Ver­stor­be­nen zu sei­ner letz­ten Ru­he­stät­te zu brin­gen. Das kos­te „ein paar hun­dert Eu­ro mehr“, sagt Wel­len­hö­fer. Die Stadt er­he­be in die­sen sel­te­nen Fäl­len ei­nen Auf­schlag.

In Augs­burg rich­tet sich die Zu­satz­ge­bühr vor al­lem nach Grö­ße und Ge­wicht des Sar­ges – für Ma­ße über zwei Me­ter Län­ge, 70 Zen­ti­me­ter Brei­te, 45 Zen­ti­me­ter Hö­he und ein Ge­wicht von mehr als 80 Ki­lo­gramm wird ein Zu­schlag von 320 Eu­ro ver­langt. „Vie­le un­se­rer Mit­ar­bei­ter ha­ben we­gen der schwe­ren Ar­beit schon Rü­cken­pro­ble­me“, sagt Hel­mut Riedl von der Fried­hofs­ver­wal­tung. „Wenn der Sarg zu schwer ist, wird mit dem Pfar­rer auch ver­ein­bart, dass er erst nach der Ze­re­mo­nie ab­ge­las­sen wird.“

Der Stadt­rat in Fürth hat kürz­lich be­schlos­sen, dass schon ab ei­nem Ge­samt­ge­wicht von Sarg und Lei­che von 140 Ki­lo­gramm ei­ne Zu­satz­ge­bühr von 120 Eu­ro er­ho­ben wird. Da­mit sol­len zwei zu­sätz­li­che Sarg­trä­ger fi­nan­ziert wer­den – die­se sei­en „aus Grün­den der Ar­beits­si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes zwin­gend er­for­der­lich“. Bis­lang ha­be der Be­stat­ter die­se zu­sätz­li­chen Kos­ten mit den Hin­ter­blie­be­nen ver­rech­net, sagt Ralf Mey­er vom Stan­des­amt Fürth. „Jetzt zah­len sie es al­les zu­sam­men an die Stadt.“Die­se Fäl­le hät­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren merk­lich zu­ge­nom­men – „in­zwi­schen sind es drei bis fünf pro Mo­nat“.

In Mün­chen wer­den üb­ri­gens bis­lang noch kei­ne Zu­satz­ge­büh­ren für die Be­er­di­gung von über­ge­wich­ti­gen Men­schen er­ho­ben. „Zum jet­zi­gen Zeit­punkt ist ei­ne dies­be­züg­li­che Ve­rän­de­rung der Fried­hofs­ge­büh­ren­sat­zung nicht ge­plant“, teil­te ei­ne Spre­che­rin des Ge­sund­heits­re­fe­rats mit. Ca­the­ri­ne Si­mon, dpa

Fo­to: Da­ni­el Kar­mann, dpa

Wenn ein Sarg ge­wis­se Ma­ße über­schrei­tet, kann es teu­er wer­den.

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