Das än­dert sich zum 1. Au­gust

Ge­setz Neu­er Mo­nat, neue Re­ge­lun­gen: Vor al­lem Bahn­fah­rer und Su­per­markt-kun­den pro­fi­tie­ren – und Blinkschu­he wer­den jetzt zu Elek­tro­schrott. Was Ver­brau­cher wis­sen soll­ten

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Geld & Leben - VON ANI­KA ZIDAR UND STE­PHA­NIE LO­RENZ

Augs­burg Am 1. Au­gust tre­ten in Deutsch­land wie­der neue Ge­set­ze und Re­ge­lun­gen in Kraft. Da­von sind Un­ter­neh­men und Ver­brau­cher glei­cher­ma­ßen be­trof­fen. Vom Hal­tungs­kom­pass im Su­per­markt über ei­nen neu­en Bahn-ta­rif bis zum Fa­mi­li­en­nach­zug für Flücht­lin­ge – ein Über­blick, was sich än­dert: ● Tier­hal­tung Schon lan­ge wün­schen sich Kun­den mehr Trans­pa­renz dar­über, wie das Tier ge­hal­ten wur­de, das auf ih­rem Tel­ler lan­det. Im April hat die Dis­count-ket­te Lidl als ers­te ei­nen so­ge­nann­ten Hal­tungs-kom­pass ein­ge­führt. An­de­re Dis­coun­ter wie Pen­ny, Kauf­land, Nor­ma sind nach­ge­zo­gen. Das La­bel um­fasst vier Stu­fen von „Stall­hal­tung“bis zu „Bio“. Ab 1. Au­gust wird auch Al­di die Hin­wei­se nach und nach bei Ei­gen­mar­kenpro­duk­ten, vor al­lem aber auf Frisch­fleisch­pa­ckun­gen von Schwein, Rind oder Ge­flü­gel ein­füh­ren. ● Bahn­ta­rif Auch Bahn­fah­rer dür­fen sich freu­en: Pünkt­lich zu den Som­mer­fe­ri­en lockt die Deut­sche Bahn ih­re Kun­den mit ei­nem neu­en Bil­lig-ta­rif. Ne­ben dem Spar­preis und dem Fl­ex­preis wird nun der „Su­per Spar­preis“ein­ge­führt. Ab 19,90 Eu­ro kann man in der zwei­ten Klas­se und ab 29,90 Eu­ro in der ers­ten Klas­se rei­sen. Lang­fris­tig soll der „Su­per Spar­preis“das bis­he­ri­ge Ak­ti­ons­an­ge­bot „Spar­preis“ab­lö­sen. Der Ta­rif ist dann im Fern- und im Nah­ver­kehr gül­tig. Bei al­ler Freu­de über die güns­ti­gen An­ge­bo­te ist für Kun­den aber Vor­sicht ge­bo­ten: Auch bei dem neu­en Bil­lig-ta­rif be­steht ei­ne Zug­bin­dung. Um­bu­chen oder Stor­nie­ren ist al­so nicht mög­lich. ● Im­mo­bi­li­en Um ih­ren Be­ruf aus­zu­üben, müs­sen Im­mo­bi­li­en­ver­wal­ter oder -mak­ler ab 1. Au­gust neue Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len. Sie sind ver­pflich­tet, ei­ne Er­laub­nis der Ge­wer­be­ord­nung ein­zu­ho­len. Wer bis­her schon in ei­nem der Be­ru­fe tä­tig ist, hat noch et­was Schon­frist. Dann muss die Er­laub­nis erst bis 1. Fe­bru- ar 2019 ein­ge­holt wer­den. Au­ßer­dem müs­sen Mak­ler und Im­mo­bi­li­en­ver­wal­ter nach­wei­sen, dass sie sich re­gel­mä­ßig wei­ter­bil­den. In­ner­halb von drei Jah­ren soll­ten min­des­tens 20 St­un­den Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men ab­sol­viert wer­den. Zu­dem brau­chen sie ab Au­gust ei­ne Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung. ● Fa­mi­li­en­nach­zug Der Fa­mi­li­en­nach­zug nach Deutsch­land für Flücht­lin­ge mit sub­si­diä­rem, al­so ein­ge­schränk­tem Schutz­sta­tus, war in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren aus­ge­setzt. Ab dem 1. Au­gust kön­nen engs­te Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge nach­zie­hen, wenn hu­ma­ni­tä­re Grün­de vor­lie­gen. Der Nach­zug ist auf 1000 Per­so­nen pro Mo­nat be­grenzt. Wer als ter­ro­ris­ti­scher Ge­fähr­der ein­ge­stuft ist oder schwer­wie­gen­de Straf­ta­ten be­gan­gen hat, ist von den Re­ge­lun­gen aus­ge­schlos­sen. ● Kin­der­be­treu­ung Je nach Bun­des­land müs­sen El­tern in Deutsch­land un­ter­schied­lich ho­he Bei­trä­ge be­zah­len, da­mit ih­re Kin­der ei­ne Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung be­su­chen dür­fen. Zu­letzt wur­de viel über kos­ten- lo­se Ki­ta-plät­ze dis­ku­tiert – in zwei Bun­des­län­dern wer­den sie nun Wirk­lich­keit: Zum 1. Au­gust füh­ren Hes­sen und Nie­der­sach­sen ei­ne kos­ten­lo­se Kin­der­be­treu­ung ein. Die ist al­ler­dings auf drei Kin­der­gar­ten­jah­re und sechs St­un­den Be­treu­ung pro Tag be­grenzt. ● Elek­tro­schrott Et­was spä­ter, näm­lich ab dem 15. Au­gust, wer­den vie­le Ge­brauchs­ge­gen­stän­de zu Elek­tro­schrott und müs­sen ge­trennt ent­sorgt wer­den. Dar­un­ter fal­len dann et­wa blin­ken­de Turn­schu­he, Re­ga­le mit fest in­stal­lier­ter Led-be­leuch­tung oder elek­trisch hö­hen­ver­stell­ba­re Schreib­ti­sche – eben al­les, das elek­trisch be­trie­ben wird. Mit der Ein­füh­rung die­ses so­ge­nann­ten of­fe­nen An­wen­dungs­be­reichs („Open Scope“) gibt es nun deut­lich mehr Elek­tro­ge­rä­te, die als Elek­tro­schrott gel­ten. Man er­kennt sie an ei­nem Sym­bol mit durch­ge­stri­che­ner Müll­ton­ne. Ein Pro­dukt fällt un­ter die Re­ge­lung, wenn die elek­tri­schen Tei­le so ver­baut sind, dass man sie nicht ent­fer­nen kann, oh­ne sie zu zer­stö­ren. Stu­die hat die Uni­ver­si­tät Bamberg fest­ge­stellt, dass In­for­ma­tio­nen zu Chan­cen und Ri­si­ken der Crowd-in­ves­ting Pro­duk­te feh­len. Da es die Bro­schü­re aber gibt, glau­ben vie­le In­ves­to­ren, das Pro­dukt zu ver­ste­hen und las­sen sich zu ei­ner In­ves­ti­ti­on ver­lei­ten.

In­zwi­schen ha­ben vie­le mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men das Crowd-in­ves­ting für sich ent­deckt – vor al­lem Im­mo­bi­li­en-ge­sell­schaf­ten nut­zen es als Al­ter­na­ti­ve zum Bank­kre­dit. Das hat da­zu ge­führt, dass die Le­gis­la­ti­ve in­zwi­schen dar­über nach­denkt, bei pro­spekt­frei­en Emis­sio­nen Si­cher­hei­ten ein­zu­zie­hen. So sol­len auch Un­ter­neh­men, die we­ni­ger als 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro ein­sam­meln wol­len, ver­pflich­tet sein, ei­nen Pro­spekt her­aus­zu­ge­ben. Auf der an­de­ren Sei­te will man es Start-ups er­leich­tern, Ka­pi­tal zu be­kom­men, und Pro­spek­te sind teu­er. Des­halb schlägt der Fi­nanz­aus­schuss des Bun­des­ta­ges vor, dass Pri­vat­an­le­ger nur 1000 Eu­ro in­ves­tie­ren sol­len dür­fen.

Dies ist aber der fal­sche An­satz. Statt­des­sen muss es für den An­le­ger leich­ter wer­den, im Fall ei­ner In­sol­venz sei­ne Er­satz­an­sprü­che durch­zu­set­zen. Der In­ves­tor, der sich heu­te mit Crowd-in­ves­ting be­schäf­tigt und hier in­ves­tiert, soll­te ver­su­chen, so vie­le In­for­ma­tio­nen wie mög­lich ein­zu­sam­meln und wis­sen, dass es sich um ei­ne ri­si­ko­rei­che An­la­ge han­delt.

Da­nie­la Berg­dolt ist Fach an­wäl­tin für Ka­pi­tal­markt recht und Vi­ze­prä­si­den­tin der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni gung für Wert­pa­pier­be­sitz.

Fo­tos: dpa (3), Lidl, obs

Auch im Au­gust gibt es wie­der ei­ni­ge Neue­run­gen (im Uhr­zei­ger­sinn): Ka­put­te, blin­ken­de Turn­schu­he gel­ten als Elek­tro­schrott; in zwei Bun­des­län­dern wird Kin­der­be­treu­ung kos­ten­los; noch mehr Ein­zel­händ­ler ma­chen An­ga­ben zur Tier­hal­tung; die Bahn hat neue...

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