Die Kü­ken sind ge­schlüpft

Tie­re Dem Traum von Hüh­nern im Gar­ten ist Evi ein Stück nä­her ge­kom­men. Ein Som­mer-aben­teu­er

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Geld & Leben -

Evi träumt von Hüh­nern im ei­ge­nen Gar­ten. Ver­gan­ge­ne Wo­che ha­be ich be­schrie­ben, wie sie zwölf Eier in ei­ne neue Brut­ma­schi­ne ge­legt hat. 21 Ta­ge lang war Evi auf­ge­regt wie frü­her ih­re Toch­ter Mia, be­vor das Christ­kind kam. Nach­schau­en, ent­täuscht weg­ge­hen, sich ab­len­ken, wie­der nach­schau­en – so ging es im St­un­den­takt. ge­öff­net wer­den darf. Hin­ter­grund: Mit dem Ein­drin­gen von fri­scher Luft sinkt die Luft­feuch­tig­keit im Ge­rät. Da­durch trock­net die Eier­scha­le leicht an und Kü­ken, die sich gera­de den Weg in die Welt frei­pi­cken, kön­nen un­ter Um­stän­den ste­cken blei­ben. Bei den we­ni­gen Ras­sen, die noch auf na­tür­li­chem Weg brü­ten, sorgt die Hen- ne für das per­fek­te Schlupf­kli­ma, in­dem sie Kör­per und Flü­gel fest auf den Bo­den drückt. Je­den­falls: Nach­dem ich die lei­den­de Evi ge­se­hen ha­be, lau­tet mei­ne Emp­feh­lung für Nach­ah­mer: Neh­men Sie un­be­dingt ein Mo­dell mit durch­sich­ti­gem De­ckel!

Bin­nen 24 St­un­den wa­ren die Kü­ken da. Die­se Schlupf­syn­chro­fall ni­sa­ti­on klappt, weil man be­fruch­te­te Eier bis zu ei­ner Wo­che lang bei 12 Grad Cel­si­us la­gern kann. Mit dem Start des Aus­brü­tens bei 38 Grad im Ap­pa­rat be­ginnt in al­len Ei­ern gleich­zei­tig die Ent­wick­lung des Bib­ber­le. So schlüp­fen am En­de al­le am sel­ben Tag.

Kü­ken ha­ben ei­nen spit­zen Ei­zahn, mit dem sie am 20. Tag ein Loch in die Scha­le boh­ren. Dann pi­cken sie ein­mal rund­her­um und per­fo­rie­ren die Scha­le. Das ist an­stren­gend und zeit­auf­wen­dig. Bea­tri­ce Grafl von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Ge­flü­gel an der Ve­te­ri­när­me­di­zi­ni­schen Uni Wien weiß: „Der Schlupf­vor­gang kann bis zu 24 St­un­den und mehr dau­ern. Ge­ne­rell wird da­von ab­ge­ra­ten den Kü­ken zu hel­fen. Das Tier kann auf­grund trau­ma­ti­scher Dot­ter­sack­ver­let­zun­gen zu­grun­de ge­hen oder bak­te­ri­el­le In­fek­tio­nen be­kom­men.“

Seit Frei­tag sit­zen Evis klei­ne Hüh­ner im Kü­ken­stall in der Woh­nung. Sie be­kom­men „Kü­ken­star­ter“und Mehl­wür­mer zum Fres­sen, ha­ben Ver­steck­mög­lich­kei­ten, ein Sand­bad und et­was Grün­zeug. Und ei­ne Wär­me­lam­pe für not­wen­di­ge 32 Grad Um­ge­bungs­tem­pe­ra­tur. Evi hat be­ob­ach­tet: Das Erst­ge­schlüpf­te fängt schon mit der Hack­ord­nung an. Es ist mu­ti­ger als die an­de­ren, drängt sich beim Fres­sen vor und gibt mit auf­ge­reg­tem Get­schil­pe so­ge­nann­te „Ent­de­ckungspiep­ser“von sich. Ob das im Herbst die Leit­hen­ne sein wird? Ih­re Chan­cen ste­hen gut.

Und wäh­rend sich Evi von ih­rem Be­ob­ach­tungs­pos­ten kaum los­rei­ßen kann, trau­ert ihr Mann An­di um sei­ne Rol­le als Hahn im Korb.

Tan­ja War­ter ist Tier­ärz­tin. Seit zehn Jah­ren ver knüpft sie die Lei­den­schaft für die Tier­me­di­zin mit dem Spaß am Schrei­ben.

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Jun­ge Kü­ken wie die­se hier be­woh­nen nun den Kü­ken­stall der Freun­din un­se­rer Au to­rin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.