Al­les für die Si­cher­heit

Stu­den­ten aus al­ler Welt be­schäf­ti­gen sich in Markt­ober­dorf mit Soft­ware-Sys­te­men un­ter an­de­rem in Au­tos

Allgäuer Zeitung (Marktoberdorfer Landbote) - - Vorderseite - VON STE­FA­NIE GRONOSTAY

Die welt­weit bes­ten In­for­ma­ti­ker ih­res Fa­ches tra­fen sich zur Sum­mer School in Markt­ober­dorf. Da­bei ging es un­ter an­de­rem um si­che­re Au­tos.

Markt­ober­dorf Mo­der­ne Au­tos ha­ben im­mer mehr Funk­tio­nen: Ein­par­kas­sis­tenz, Spur­hal­ter und Ge­fah­ren­mel­der. Die­se Ab­läu­fe wer­den über zahl­rei­che Soft­ware-Sys­te­me ge­steu­ert. Fahr­zeu­ge wer­den so im­mer mehr zu fah­ren­den Com­pu­tern. Der Un­ter­schied: Ein Rech­ner darf Aus­set­zer ha­ben, ein Au­to nicht.

„Ein mo­der­nes Au­to hat mehr Com­pu­ter als das Apol­lo-Pro­gramm, das As­tro­nau­ten auf den Mond ge­bracht hat“, sagt Pro­fes­sor Pe­ter Mül­ler. Feh­ler in der Soft­ware kön­nen dem­nach nur schwer iden­ti­fi­ziert und ver­hin­dert wer­den. Mül­ler und Pro­fes­sor Alex­an­der Pret­sch­ner, die Or­ga­ni­sa­to­ren der dies­jäh­ri­gen Sum­mer School in Markt­ober­dorf, ha­ben je­weils ein Pro­gramm ent­wi­ckelt, das Ab­hil­fe schafft. Ei­nes ver­mei­det die Feh­ler, in­dem es prüft, ob die Soft­ware funk­tio­niert, das an­de­re fin­det Feh­ler und gibt an, war­um sie pas­siert sind.

„Wenn bei­spiels­wei­se ei­ne Droh­ne ab­stürzt, kann das vie­ler­lei Ur­sa­chen ha­ben“, sagt Pret­sch­ner. Star­ker Wind, ka­put­te Tei­le, fal­sche Be­feh­le vom Nut­zer, de­fek­te Sen­so­ren oder doch ein Soft­ware­feh­ler: Das sind nur ein paar der Mög­lich­kei­ten. „Da gilt es her­aus­zu­fin­den, was der Aus­lö­ser war. Bei ei­nem Au­to ist es noch viel kom­ple­xer, die Feh­ler zu fin­den“, sagt Pret­sch­ner.

Sol­che Si­cher­heits­lü­cken kön­nen fa­ta­le Fol­gen ha­ben. „Die Tech­nik wird im­mer fort­ge­schrit­te­ner. Da­durch ent­wi­ckeln sich wie­der neue Pro­ble­me, die ge­löst wer­den müs­sen, um Si­cher­heit zu ga­ran­tie­ren“, sagt Mül­ler. Mit die­sen Pro­ble­men be­schäf­tig­ten sich heu­er elf Ta­ge lang 70 Teil­neh­mer und 13 Do­zen­ten aus 35 Na­tio­nen bei der 39. Sum­mer School in Markt­ober­dorf.

Alex­an­der Pret­sch­ner von der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen or­ga­ni­sier­te be­reits das drit­te Mal mit dem For­schungs­in­sti­tut for­tiss die Sum­mer School, die von dem NA­TO-Pro­gramm „Wis­sen­schaft für Frie­den und Si­cher­heit“fi­nan­ziert wird. „2001 war ich selbst als Stu­dent hier“, sagt er. Der 43-Jäh­ri­ge freut sich, er­neut da­bei zu sein. „Die Schu­le ist sehr re­nom­miert. Es ist ei­ne gro­ße Eh­re, re­fe­rie­ren zu dür­fen.“

Nur die Bes­ten

Nur die Bes­ten aus der Bran­che wer­den ein­ge­la­den. Auch für die Teil­neh­mer ist die Zu­sam­men­ar­beit ein Pri­vi­leg. So ist die 26-jäh­ri­ge Stu­den­tin Ana­hit aus Ar­me­ni­en stolz, dass sie die­ses Jahr da­bei ist. „Es ist be­ein­dru­ckend, so be­rühm­te Pro­fes­so­ren zu tref­fen“, sagt sie. Ana­hit nahm be­reits 2015 an der Som­mer School teil und war da­mals schon be­geis­tert von dem Pro­jekt. „Es ist über die Jah­re so­gar noch bes­ser ge­wor­den“, schwärmt sie.

Die Be­wer­bung für die Sum­mer School ist be­wusst sehr an­spruchs­voll. „Wir trom­meln die schlaus­ten Köp­fe zu­sam­men“, sagt Pret­sch­ner. So müs­sen die Teil­neh­mer, von de­nen die meis­ten pro­mo­vie­ren, auch ein Emp­feh­lungs­schrei­ben ih­res Dok­tor­ar­beit­be­treu­ers vor­le­gen. Wer da­bei sein darf, nimmt teils auch ei­ne lan­ge An­rei­se in Kauf. Die wei­tes­te Stre­cke leg­ten die­ses Jahr drei Stu­den­ten und ei­ne Do­zen­tin aus Aus­tra­li­en zu­rück. Un­ter 70 Teil­neh­mern be­fin­den sich heu­er auch 14 Frau­en. „Die Quo­te ist nicht schlecht“, fin­det Pret­sch­ner.

Ana­hit stört es nicht, dass sie als Frau in der Min­der­heit ist. „Klar sind wir we­ni­ger, aber wir ver­ste­hen uns sehr gut mit den männ­li­chen Teil­neh­mern. Da macht das kei­nen Un­ter­schied“, sagt sie. Doch war­um in­ter­es­sie­ren sich eher we­ni­ger Frau­en für In­for­ma­tik? Das lie­ge wahr­schein­lich an den vie­len tech­ni­schen Kom­po­nen­ten, mut­maßt Ana­hit. Sie selbst pro­mo­viert ge­ra­de und zieht ei­nen gro­ßen Nut­zen aus den Ver­an­stal­tun­gen. „Es bringt mich in mei­nen Stu­di­en um ei­ni­ges wei­ter“, sagt sie.

Zwi­schen den Vor­le­sun­gen ha­ben die Teil­neh­mer Zeit, sich un­ter­ein­an­der und mit den Do­zen­ten aus­zu­tau­schen. „Hier ent­steht ein ganz be­son­de­res Kli­ma“, sagt Mül­ler, der auch schon als Stu­dent an der Schu­le teil­nahm. „Auch wir als Do­zen­ten neh­men nach die­sen Ta­gen viel mit nach Hau­se“, emp­fin­det der Pro­fes­sor aus Zü­rich. Er hat nach 20 Jah­ren im­mer noch Kon­takt zu den Leu­ten, die mit ihm da­mals teil­nah­men.

Auch Ana­hit hat un­ter den an­de­ren Teil­neh­mern schon Freun­de ge­fun­den. Die Stu­den­ten woh­nen im In­ter­nat des Gym­na­si­ums Markt­ober­dorf und ver­brin­gen die Zeit aus­schließ­lich mit­ein­an­der. „Mein Ge­päck ging auf dem Hin­flug ver­lo­ren und ich hat­te meh­re­re Ta­ge kei­ne Kla­mot­ten. Al­le ha­ben mir ge­hol­fen und mir T-Shirts ge­lie­hen“, sagt Ana­hit, die den Zu­sam­men­halt der Grup­pe toll fin­det. Auch Markt­ober­dorf wur­de schon er­kun­det. „Wir wur­den von Pfar­rer Wolf­gang Schil­ling durch die Kir­che St. Mar­tin ge­führt“, sagt Pret­sch­ner. Als High­light gab es noch ein ex­klu­si­ves Or­gel­kon­zert von Wil­helm Moo­ser, dem Schul­lei­ter des Gym­na­si­ums.

Nach den elf Ta­gen geht es dann wie­der nach Hau­se. Im Ge­päck: neue Freun­de und vor al­lem vie­le neue Er­kennt­nis­se. „Wir ge­stal­ten Sys­te­me, die un­ser Le­ben be­ein­flus­sen. Schwe­re Pro­ble­me lö­sen zu kön­nen und die Tech­nik da­hin­ter zu ver­ste­hen: Das macht stolz“, sagt Pret­sch­ner.

Fo­to: Ste­fa­nie Gronostay

Prof. Alex­an­der Pret­sch­ner (links) und Prof. Pe­ter Mül­ler ha­ben die Sum­mer School zu sam­men or­ga­ni­siert. Ne­ben den fach­li­chen In­halt der vor al lem der Aus­tausch mit den Teil neh­mern im Vor­der­grund.

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