LE­BENS­HIL­FE MA­GIE

Die Ma­gie der Neu­gier.

Astrowoche - - Inhalt -

Die ro­ten Lam­pen der Auf­merk­sam­keit fan­gen an zu blin­ken

Die Neu­gier er­öff­ne­te ihm das Schlüs­sel­er­leb­nis sei­nes Le­bens – als Thimon von Berlepsch als klei­ner Jun­ge auf dem Dach­bo­den im Schloss sei­ner El­tern ein al­tes Buch über Zau­be­rei ent­deck­te. Heu­te ist er 36, Ma­gier, sehr er­folg­reich. In sei­nem fas­zi­nie­ren­den Buch („Der Ma­gier in uns“, Kailas­hVer­lag) zeigt er uns, wie die Neu­gier Wun­der be­wir­ken kann – wenn wir die­ser ma­gi­schen Kraft in uns fol­gen und im­mer wie­der aus der All­tags­rou­ti­ne aus­bre­chen. Die Neu­gier ist der Mo­tor un­se­rer Ent­wick­lung.

Ge­wohn­hei­ten na­vi­gie­ren uns durchs Le­ben. Oh­ne sie wä­re un­ser Ge­hirn von den De­tails des All­tags über­for­dert. Stel­len Sie sich vor, wir müss­ten je­des Mal neu über das Ge­hen oder Au­to­fah­ren nach­den­ken! Wir wü̈r­den zu nichts mehr kom­men. Al­ler­dings ten­die­ren wir durch un­se­re Rou­ti­nen da­zu, in ei­nen All­tags­trott zu ver­fal­len, der durch die im­mer glei­chen Ab­läu­fe be­stimmt wird. So füh­ren star­re Ge­wohn­hei­ten mö̈g­li­cher­wei­se da­zu, dass wir Ge­fan­ge­ne die­ser Rou­ti­ne wer­den. Man nennt das auch die Kom­fort­zo­ne. Was pas­siert ei­gent­lich, wenn wir un­se­re Rou­ti­ne hin und wie­der kurz un­ter­bre­chen? Neu­gier lie­fert die An­stö­ße da­zu. Neu­gier spielt für al­le Men­schen, die ihr Le­ben be­rei­chern möch­ten, ei­ne we­sent­li­che Rol- le. Im Wort Neu­gier selbst steckt schon al­les: Es be­schreibt un­ser Ver­lan­gen nach Neu­em, das, ein­mal ge­weckt, zur Gier wird und nicht mehr zu zü­geln ist. Die Neu­gier steckt in je­dem von uns, sie sorgt für Wei­ter­ent­wick­lung. Des­halb ver­su­chen Sie Fol­gen­des: Mor­gen früh du­schen Sie nicht warm, son­dern kalt! Put­zen Sie sich die Zäh­ne mit der an­de­ren Hand als der ge­wohn­ten. Sind Sie Kaf­fee­trin­ker? Dann pro­bie­ren Sie es mit Tee – am bes­ten den gan­zen Tag. Falls Sie täg­lich mit dem Au­to zur Ar­beit fah­ren, neh­men Sie ein­fach ei­nen an­de­ren Weg. Oder be­nut­zen Sie die öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel. Wenn Sie zu Fuß un­ter­wegs sind, ge­hen Sie ganz ... laaa­ang­sam. Un­ter­bre­chen Sie im­mer wie­der Ih­re Rou­ti­ne, in­dem Sie ge- wis­se Din­ge ab­sicht­lich an­ders tun. Denn in die­sen Mo­men­ten schal­tet sich Ihr Be­wusst­sein wie­der ein, die ro­ten Lam­pen der Auf­merk­sam­keit fan­gen an zu blin­ken, und Sie neh­men Ih- re Um­welt und Ih­re Hand­lun­gen neu wahr. Wo be­fin­den Sie sich? Was pas­siert um Sie her­um? Kön­nen Sie et­was Schö­nes ent­de­cken, das Sie bis­her über­se­hen ha­ben? Viel­leicht et­was, das Sie in­spi­riert? Was ma­chen Ih­re Hän­de, Ih­re Fü­ße ge­ra­de? Mir ge­fällt in die­sem Zu­sam­men­hang auch ei­ne so­ge­nann­te Stopp-Me­di­ta­ti­on ein: Wann im­mer Ih­nen das Wort „Stopp“ in den Sinn kommt, hal­ten Sie in­ne. Plö̈tz­lich und un­ver­mit­telt, mit­ten in der Be­we­gung – der Kör­per will sich wei­ter­be­we­gen, doch Sie ver­hin­dern das in der Po­si­ti­on, in der Sie sich ge­ra­de be­fin­den. Egal wo, egal wann. Spü­ren Sie, wie sich die­ser Mo­ment an­fühlt: Ih­re Um­ge­bung, Ihr In­ners­tes, Ih­re Ge­fühls­welt. Ver­har­ren Sie ei­nen Mo­ment lang in die­sem Still­stand, und Sie wer­den mer­ken, dass Sie plötz­lich, mit Ra­ke­ten­ge­schwin­dig­keit, bis in Ihr In­ners­tes vor­ge­drun­gen sind. Und da­von ist schon der lei­ses­te Schim­mer wun­der­bar. Ich selbst un­ter­bre­che je­des Jahr mei­nen All­tag mit ei­ner Ruck­sack­rei­se. Für sechs bis acht Wo­chen er­kun­de ich ein Land, in dem ich noch nie zu­vor ge­we­sen bin. Es ist für mich ein Ri­tu­al, das die Rou­ti­ne mei­nes Ar­beits­le­bens auf­bricht. Und da­mit es nicht selbst zu ei­ner star­ren Ge­wohn­heit wird, bre­che ich je­des Mal ganz oh­ne Plan auf. Nur mit ei­nem Rei­se­füh­rer in der Ta­sche las­se ich mich durch das Land trei­ben. Mei­ne Rei­se­rou­te wird be­stimmt von Er­eig­nis­sen im Land, dem Wetter, den Men­schen, die ich ken­nen­ler­ne.

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