Ma­gi­sche Ge­schich­ten.

Die Hand­le­se­rin er­kann­te mein Schick­sal.

Astrowoche - - Inhalt - Han­ne­lo­re M. aus Braun­schweig

Nach dem Krieg ha­ben mei­ne El­tern es ge­schafft, sich in re­la­tiv kur­zer Zeit wie­der mit ih­rer Steu­er­kanz­lei zu eta­blie­ren. So konn­ten sie mir ei­ne gu­te Aus­bil­dung er­mög­li­chen, was zu die­ser Zeit kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit war. Und sie schick­ten mich im­mer wie­der mal auf ei­ne Bus­rei­se ins Aus­land, auch das ei­ne Be­son­der­heit, man war da­mals noch weit vom Pau­schal­tou­ris­mus ent­fernt. Das ge­fiel mir so gut, dass ich be­schloss, Sing­le zu blei­ben, zu stu­die­ren und Kar­rie­re zu ma­chen und mich an­sons­ten ganz mei­nen kul­tu­rel­len In­ter­es­sen zu wid­men. Ei­ne der Bus­rei­sen führ­te mich nach Spa­ni­en. Dort traf ich ir­gend­wann auf ei­ne Frau aus dem fah­ren­den Volk, die mir an­bot, aus der Hand zu le­sen. Es kos­te­te nicht viel, da­her gab ich mei­ner Neu­gier­de nach und ließ mich dar­auf ein. Die Frau sag­te mir, ich wer­de zwei Kin­der ha­ben, ein fi­nan­zi­ell sor­gen­frei­es Le­ben füh­ren und ein ge­seg­ne­tes Al­ter er­rei­chen. Ich be­dank­te mich, aber är­ger­te mich im Nach­hin­ein, dass ich da­für Geld aus­ge­ge­ben hat­te, schließ­lich woll­te ich we­der ei­nen Mann noch ei­ne Fa­mi­lie. Die Hand­le­se­rin hat­te ein­fach nur ge­ra­ten, was ei­ne jun­ge Frau wie ich gern hö­ren woll­te. Heu­te, vie­le, vie­le Jah­re spä­ter, weiß ich, dass ich ihr un­recht ge­tan ha­be. Zwei Jah­re nach der Bus­rei­se ver­lieb­te ich mich un­sterb­lich in mei­nen Mann, wir be­ka­men zwei wun­der­ba­re Kin­der und wir be­trie­ben ge­mein­sam ei­ne gut ge­hen­de Steu­er­kanz­lei. Das Le­ben hat eben sei­ne ei­ge­nen Ge­set­ze, aber man mein­te es gut mit mir. Wie man so et­was aus der Hand le­sen kann? Ich weiß nicht, wie es funk­tio­niert, aber ich weiß aus ei­ge­ner Er­fah­rung, dass es mög­lich ist.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.