Der Re­gen­bo­gen zeig­te mir wo ich su­chen muss­te

Astrowoche - - Magische Geschichten - Mecht­hild S. aus Nürn­berg

Zu mei­ner Mut­ter ha­be ich im­mer ei­ne be­son­ders en­ge Bin­dung ge­habt. Lei­der ging es ihr in ih­ren letz­ten Jah­ren nicht mehr so gut, sie hat­te ge­sund­heit­li­che Be­schwer­den, die ihr im­mer mehr zu­setz­ten, mit der Zeit wur­de sie auch ein we­nig ver­gess­lich. Doch mit­hil­fe ei­nes So­zi­al­diens­tes schaff­ten wir es ir­gend­wie, dass sie noch in ih­rer Woh­nung blei­ben konn­te. Als sie starb, war ich na­tür­lich un­tröst­lich, muss­te mich aber auch mit al­ler­hand prak­ti­schen Fra­gen aus­ein­an­der­set­zen. Das Nach­lass­ge­richt woll­te ei­ne Viel­zahl von Un­ter­la­gen, und da­mit ei­ne Ver­si­che­rung aus­be­zahlt wer­den konn­te, brauch­te ich die Po­li­ce. Da ich fi­nan­zi­ell nicht gera­de auf Ro­sen ge­bet­tet bin, hät­te mir die Aus­zah­lung schon ein gu­tes Stück wei­ter­ge­hol­fen. Mei­ne Mut­ter hat­te in ih­rer Woh­nung zwar nach Kräf­ten al­les ei­ni­ger­ma­ßen sau­ber ge­hal­ten, aber in den Schrän­ken, und da­von gab es vie­le, herrsch­te heil­lo­ses Durch­ein­an­der. Ich ver­brach­te ei­nen gan­zen Tag da­mit, al­les aus den Schrän­ken und Kom­mo­den zu zie­hen und durch­zu­se­hen. Man­ches fand sich, wo­nach ich ge­sucht hat­te, nicht aber die­se wich­ti­ge Po­li­ce. Am nächs­ten Tag blick­te ich ge­dan­ken­schwer aus dem Fens­ter mei­ner Woh­nung. Es hat­te ge­reg­net, nun brach die Son­ne durch. Das Er­geb­nis war ein far­ben­präch­ti­ger Re­gen­bo­gen, der sich quer über die Dä­cher spann­te. Mir ging durch den Kopf, das am En­de des Re­gen­bo­gens ja be­kannt­lich ein Schatz war­ten soll, und so ver­folg­te ich spaß­hal­ber, wo der Re­gen­bo­gen hin­führ­te. Zu­min­dest aus mei­ner Sicht en­de­te er über ei­nem Gar­ten mit Obst­bäu­men. Ei­ne Trä­ne roll­te über mei­ne Wan­ge, was hat­te mei­ne Mut­ter im Lau­fe ih­res Le­bens nicht al­les an Obst eingekocht, sie lieb­te es! Da reg­te sich ein Ge­dan­ke in mir, der mich nicht mehr in Ru­he ließ. Ich pack­te mei­ne Ta­sche und fuhr noch ein­mal zur Woh­nung mei­ner Mut­ter. Im Kel­ler hat­te ich mich nur ober­fläch­lich um­ge­se­hen, den woll­te ich dem­nächst aus­räu­men. Ich such­te nun ge­zielt nach dem Re­gal mit dem ein­ge­weck­ten Obst, und sie­he da, un­ter den Glä­sern lag tat­säch­lich ein fla­cher Schnell­hef­ter – mit der Po­li­ce! Ob der Re­gen­bo­gen ein Zei­chen mei­ner Mut­ter war? Je­der Re­gen­bo­gen, den ich seit­dem se­he, ist für mich ein Gruß von ihr.

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