DIE ASTROFRAGE

Ei­ne wich­ti­ge Fra­ge, die heut­zu­ta­ge lei­der viel zu sel­ten ge­stellt, ge­schwei­ge denn be­ant­wor­tet wird. Da­bei ist es für ei­ne funk­tio­nie­ren­de Ge­sell­schaft ab­so­lut not­wen­dig, dass Alt und Jung sich ge­gen­sei­tig re­spek­tie­ren und von­ein­an­der ler­nen:

Astrowoche - - Inhalt -

Wird das Al­ter noch ge­nug ge­ach­tet?

Ja.

Oder sa­gen wir lie­ber so: Es war schon ein­mal we­sent­lich schlim­mer. Die Wirt­schaft zum Bei­spiel hat plötz­lich er­kannt, dass äl­te­re Ar­beit­neh­mer durch ih­re jah­re­lan­ge Er­fah­rung, ihr Wis­sen und ih­re Ge­las­sen­heit doch ein wert­vol­ler Be­stand­teil ei­nes leis­tungs­fä­hi­gen Teams sein kön­nen. Und auch die Wer­bung hat die Se­nio­ren ent­deckt. Der Ju­gend­wahn auf Hoch­glanz­ma­ga­zi­nen ist zwar nach wie vor un­ge­bro­chen, aber im­mer öf­ter sieht man in Fern­seh­spots la­chen­de Se­nio­ren, die sich ih­res Le­bens er­freu­en. Und wo frü­her be­währ­te Mo­de­ra­to­ren und Nach­rich­ten­spre­cher ab­rupt und herz­los durch fal­ten­frei­en Nach­wuchs er­setzt wur­den, ist man heu­te wil­lens, dem Pu­bli­kum die ver­trau­ten Ge­sich­ter auf dem Bild­schirm zu las­sen, Zu­schau­er und Mo­de­ra­tor dür­fen ge­mein­sam in die Jah­re kom­men. Das al­les ge­schieht aus gu­tem Grund, denn die Be­völ­ke­rung wird im­mer äl­ter, welt­weit und na­tür­lich auch in Deutsch­land. Sta­tis­ti­ken zu­fol­ge kom­men im Jahr 2060 auf 100 Er­werbs­tä­ti­ge mehr als 60 Rent­ner, im Mo­ment sind es 34. Un­se­re Ge­sell­schaft er­fährt der­zeit al­so ei­nen tief­grei­fen­den Wan­del und dies wird sich frü­her oder spä­ter auch in ei­nem ver­än­der­ten Ver­hal­ten nie­der­schla­gen. Noch ist es lei­der gän­gi­ge Pra­xis, dass al­te Men­schen in Hei­me ab­ge­scho­ben oder an den Rand der Ge­sell­schaft ge­drängt wer­den. Aber auch das kön­nen wir be­reits häu­fi­ger se­hen: fröh­li­che Rent­ner-Wan­der­grup­pen, die ei­nen Zug en­tern oder Zei­tungs­an­zei­gen von be­rufs­tä­ti­gen El­tern, die hän­de­rin­gend nach „Lei­hGroß­el­tern“für ih­re Kin­der su­chen. Bei die­sen zar­ten An­sät­zen hin zum Bes­se­ren wird es nicht blei­ben, das lässt sich auch aus den as­tro­lo­gi­schen Kon­stel­la­tio­nen ab­le­sen. Lang­fris­tig liegt es an Plu­to, der vom Zei­chen Steinbock aus Re­spekt für das Al­ter ein­for­dert – und zwar auf glo­ba­ler Ebe­ne, nicht nur in Deutsch­land oder We­st­eu­ro­pa. Mit­tel­fris­tig ist es Sa­turn, der bis De­zem­ber 2017 im Zei­chen Schütze steht und von dort aus ein ge­rech­tes und so­zia­les Mit­ein­an­der an­mahnt. In die­ser Wo­che ver­bin­det sich Sa­turn mit Mer­kur, das heißt, es wird über Fair­ness ge­spro­chen, auch und gera­de beim Um­gang mit äl­te­ren Men­schen – in Fa­mi­li­en, an der Kas­se im Su­per­markt, in ei­nem über­füll­ten Zug, übe­r­all da, wo Ge­ne­ra­tio­nen auf­ein­an­der­tref­fen. Hof­fent­lich mit ei­nem gu­ten Er­geb­nis für al­le!

Nein.

Oder war­um hat so man­ches Schul­kind heut­zu­ta­ge nicht den An­flug von schlech­tem Ge­wis­sen, wenn es sich im Bus vor­drän­gelt und den Sitz­platz selbst ein­nimmt, statt ihn ei­nem äl­te­ren Mi­t­rei­sen­den zu über­las­sen? War­um gibt es Se­nio­ren­hei­me statt ei­ner gro­ßen, ge­ne­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Haus­ge­mein­schaft, zu der ganz selbst­ver­ständ­lich auch Oma und Opa da­zu­ge­hö­ren und die En­kel hü­ten? Wo sind sie hin, die gu­ten al­ten Zei­ten, als das Al­ter noch we­gen sei­ner Weis­heit und Er­fah­rung ge­braucht und ge­ach­tet wur­de? In die­sem Punkt müs­sen wir un­se­re Sicht der Din­ge al­ler­dings kor­ri­gie­ren, so gut wa­ren die frü­he­ren Zei­ten dies­be­züg­lich auch wie­der nicht. Die Kla­ge, dass das Al­ter nicht ge­nü­gend re­spek­tiert wer­de, ist so alt wie die Mensch­heit selbst. So schrieb einst der rö­mi­sche Phi­lo­soph und Po­li­ti­ker Ci­ce­ro: „Das Be­kla­gens­wer­tes­te am Al­ter scheint mir, daß man spürt, wie sehr man in die­sem Le­bens­ab­schnitt den jun­gen Leu­ten ver­haßt ist.“Klingt nicht nett, aber wir kön­nen dar­an se­hen, dass die „Platz-da-jetzt­kom­me-ich“-Ein­stel­lung jun­ger Men­schen nicht erst in die­sem Jahr­hun­dert ge­prägt wur­de. Auch die Se­nio­ren von heu­te wa­ren ein­mal jung und dach­ten nicht lan­ge dar­über nach, wie es ein­mal wird, wenn sie selbst in die Jah­re kom­men. Das ist mensch­lich und dar­an wird sich wohl nie et­was än­dern. Zu­dem ist Re­spekt auch kei­ne Ein­bahn­stra­ße, man soll­te sei­ne Mit­men­schen re­spek­tie­ren, ob sie 17 oder 70 sind. Die Pro­ble­me heut­zu­ta­ge lie­gen wo­an­ders, in der me­di­zi­ni­schen und fi­nan­zi­el­len Ver­sor­gung zum Bei­spiel. Bei den Se­nio­ren wird ganz ger­ne ein­mal ge­spart, ob­wohl sie es doch wa­ren, die mit ih­rer Hän­de Ar­beit die blü­hen­de Land­schaft Deutsch­lands er­schaf­fen ha­ben. Zum Dank da­für wird ge­kürzt und ge­stri­chen, was das Zeug hält. Ein­sam­keit und Al­ters­ar­mut sind wohl die größ­ten Pro­ble­me, an de­nen sich die heu­ti­ge Nicht-Ach­tung ab­le­sen lässt. Und da­ge­gen soll­te man et­was tun, sich weh­ren, wo im­mer man kann, ob man nun selbst da­von be­trof­fen ist, oder nicht. Wie ei­ne Ge­sell­schaft mit ih­ren al­ten Men­schen um­geht, sagt viel über die Ge­sell­schaft aus. Und da­bei ma­chen wir im Mo­ment kei­ne all­zu gu­te Fi­gur.

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