Ei­ne ge­heim­nis­vol­le Mu­sik mach­te mei­ner Schwes­ter viel Angst

Astrowoche - - Magische Geschichten - Gi­se­la F. aus Rü­des­heim

Mei­ne ma­gi­sche Ge­schich­te ha­be ich nicht selbst er­lebt, mei­ne Schwes­ter hat sie mir er­zählt. Sie ist ein biss­chen ängst­li­cher als ich, des­halb woll­te sie auch nicht mehr dar­über spre­chen. Sie wohn­te drei Jah­re lang in ei­nem Miets­haus. Sie hat­te net­ten Kon­takt zu der Fa­mi­lie, die ihr di­rekt ge­gen­über wohn­te, und zu ei­nem äl­te­ren Ehe­paar, des­sen Woh­nung über ih­rer ei­ge­nen lag. Die­se wa­ren sehr freund­lich, und so tat es mei­ner Schwes­ter aus­ge­spro­chen leid, als der Mann ei­nes Ta­ges ver­starb. Sei­ne Wit­we ver­such­te zwar die Fas­sung zu wah­ren, aber man merk­te ihr an, wie sehr sie die­ser Ver­lust schmerz­te. Sie wur­de mit der Zeit stil­ler und stil­ler. Als sie mei­ne Schwes­ter ein­mal zu Kaf­fee und Ku­chen in ih­re Woh­nung bat, er­zähl­te sie, wie ak­tiv sie und ihr Mann im­mer ge­we­sen wä­ren, be­son­ders gern gin­gen sie tan­zen. So­gar im Al­ter noch leg­ten sie ab und zu ei­nen lang­sa­men Wal­zer hin, mein­te die äl­te­re Da­me mit ei­nem trau­ri­gen Lä­cheln. Als mei­ne Schwes­ter von ei­nem ver­län­ger­ten Wo­che­n­en­de bei un­se­ren El­tern zu­rück­kehr­te, er­zähl­te ihr die Fa­mi­lie ge­gen­über, dass die äl­te­re Da­me nun lei­der auch ver­stor­ben sei, Herz­ver­sa­gen. Ihr Sohn hat­te sie ge­fun­den, sie war fried­lich in ih­rem Lieb­lings­ses­sel ein­ge­schla­fen. Zwei Ta­ge spä­ter kam mei­ne Schwes­ter abends von der Ar­beit nach Hau­se, sie hör­te Lärm, aber auch Mu­sik im Haus­flur, ei­nen lang­sa­men Wal­zer, wie ihn die äl­te­re Da­me so gern moch­te. Mei­ne Schwes­ter leg­te ihr Ohr an die Tür der Woh­nung von ge­gen­über, doch bei der Fa­mi­lie lief nur der Fern­se­her. Dann schlich mei­ne Schwes­ter die Trep­pe hin­auf in den nächs­ten Stock. Tat­säch­lich, die Mu­sik kam aus der Woh­nung, die die äl­te­re Da­me be­wohnt hat­te und die jetzt leer stand. Vol­ler Pa­nik stürm­te mei­ne Schwes­ter in ih­re Woh­nung, pack­te ih­re Ta­sche und über­nach­te­te die nächs­ten Ta­ge bei ei­ner Freun­din. Als sie sich wie­der in ih­re Woh­nung trau­te, lief sie der Nach­ba­rin von ge­gen­über in die Hän­de. Die­se er­zähl­te la­chend, ihr Mann hal­te sie für ver­rückt, sie hät­te neu­lich Mu­sik aus der Woh­nung von oben ge­hört und das könn­te ja nicht sein. Mei­ne Schwes­ter ist recht ängst­lich, des­halb such­te sie sich bald­mög­lichst ei­ne an­de­re Woh­nung. Was da ge­nau pas­siert ist, wis­sen wir nicht.

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