Kön­nen Freun­de die Fa­mi­lie er­set­zen?

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Ei­ne in­ter­es­san­te Fra­ge, zu der wohl je­der ei­ne an­de­re An­sicht hat, je nach­dem, wie die ei­ge­ne Le­bens­ge­schich­te aus­sieht. Son­ne und Sa­turn for­dern in die­ser Wo­che auf, sich über das The­ma ver­bind­li­che Be­zie­hun­gen ein­mal Ge­dan­ken zu ma­chen:

Ja.Oder um es ein­mal ganz deut­lich zu sa­gen: Das ist be­reits häu­fig der Fall. Da­für gibt es na­tür­lich hand­fes­te Grün­de: die im Be­ruf oft ver­lang­te Mo­bi­li­tät, die ei­nen von der Fa­mi­lie trennt, und die nied­ri­gen Ge­bur­ten­ra­ten hier­zu­lan­de. Ein Ein­zel­kind, wo­mög­lich noch mit zwei Ein­zel­kin­dern als El­tern, hat in der Re­gel kei­ne Ge­schwis­ter, Tan­ten, On­kel und Cou­sins, al­so kein gro­ßes fa­mi­liä­res Ge­flecht aus Fa­mi­lie und Ver­wandt­schaft. Wer dann noch selbst kin­der­los durchs Le­ben geht, wo­mög­lich als Sin­gle, steht ir­gend­wann ganz oh­ne Fa­mi­lie da und sucht sei­ne ver­bind­li­chen Be­zie­hun­gen eben im Freun­des­kreis. Vie­le ver­pas­sen auch den rich­ti­gen Zeit­punkt für die Grün­dung ei­ner ei­ge­nen Fa­mi­lie: Bis An­fang oder Mit­te 30 ist man zwangs­läu­fig mit Be­ruf und Kar­rie­re be­schäf­tigt, oft schei­tert ge­nau dann die ers­te lang­jäh­ri­ge Be­zie­hung. Nun be­ginnt die kom­pli­zier­te Su­che nach ei­nem Part­ner, mit dem man sich mehr als nur ei­nen Flirt vor­stel­len könn­te. Und das ist heut­zu­ta­ge gar nicht so ein­fach, ob­wohl es dank In­ter­net noch nie so vie­le Mög­lich­kei­ten gab, je­man­den ken­nen­zu­ler­nen. Aber die Er­war­tun­gen sind ge­stie­gen, so leicht bin­det man sich nicht mehr, wenn es da drau­ßen vi­el­leicht doch noch was Bes­se­res gibt. Jah­re kön­nen ver­ge­hen, bis das The­ma Kin­der nicht mehr aktuell ist. Je äl­ter man wird, um­so dank­ba­rer ist man dann auch über gu­te Freun­de, die ei­nem zur Sei­te ste­hen. Auch räum­li­che Tren­nung ist für Freun­de kein Pro­blem, im­mer­hin gibt es mo­der­ne We­ge der Kom­mu­ni­ka­ti­on, von Face­book bis zu Vi­deo­te­le­fo­na­ten. Des­halb spre­chen So­zio­lo­gen bei Freund­schaf­ten auch ger­ne von ei­ner zwei­ten Fa­mi­lie. Um­fra­gen er­ga­ben: Für 92 Pro­zent der Be­völ­ke­rung und für 95 Pro­zent der Singles ge­hö­ren Freun­de zur per­sön­li­chen Le­bens­qua­li­tät da­zu, vor ein paar Jah­ren wa­ren es noch 83 Pro­zent. Ob man spä­ter im Al­ter be­reit ist, Freun­de zu pfle­gen oder sich von ih­nen pfle­gen zu las­sen, steht auf ei­nem an­de­ren Blatt. Tat­sa­che ist, selbst Se­nio­ren knüp­fen noch mun­ter neue Freund­schaf­ten. War­um auch nicht? Freun­de sind nicht die bes­se­re Fa­mi­lie, aber sie sind der Ret­tungs­an­ker in ei­ner Zeit, in der al­les in Be­we­gung ist – Fa­mi­li­en kön­nen eben­so aus­ein­an­der­bre­chen wie Be­zie­hun­gen. Haupt­sa­che, man hat je­man­den, bei dem man sich ge­bor­gen und auf­ge­ho­ben fühlt.

Nein.Oder wie es im­mer so schön heißt: Blut ist di­cker als Was­ser. Da, wo es noch ei­ne funk­tio­nie­ren­de Fa­mi­lie gibt, ist sie durch nichts zu er­set­zen. Schon gar nicht für Kin­der und Ju­gend­li­che, sie brau­chen Halt und Struk­tur durch fes­te Be­zugs­per­so­nen, und das sind – auch bei Al­lein­er­zie­hen­den – El­tern(-tei­le), Groß­el­tern, Tan­ten, On­kel und Ge­schwis­ter. Aber was ist, wenn sich die El­tern tren­nen, wenn der ei­ne weg­zieht und ei­ne neue Fa­mi­lie grün­det oder ei­nen Part­ner fin­det, der selbst schon Kin­der hat? Das er­gibt dann die be­rühm­ten Patch­work­fa­mi­li­en. Sta­tis­ti­ken be­sa­gen, dass rund 13 Pro­zent al­ler deut­scher Fa­mi­li­en mit Kin­dern nach dem Patch­work-Prin­zip zu­sam­men­ge­setzt sind. Das kann her­vor­ra­gend klap­pen und so­gar Vor­tei­le für die Kin­der ha­ben. Im bes­ten Fall er­wei­tert sich der Fa­mi­li­en­ver­bund zu ei­ner gro­ßen, lie­be­vol­len Ge­mein­schaft, die die gro­ßen Fes­te wie Os­tern und Weih­nach­ten zu­sam­men fei­ert. Es kann klap­pen, muss aber nicht, man schätzt, dass rund zwei Drit­tel die­ser Kin­der im Lau­fe des Le­bens den Kon­takt zu ei­nem El­tern­teil ver­lie­ren. Das pas­siert na­tür­lich auch in der „klas­si­schen“Fa­mi­lie. Wenn die Fa­mi­lie übers gan­ze Land oder gar über die gan­ze Welt ver­streut ist, er­for­dert es schon Zeit und Mü­he, die Ver­bin­dung zu hal­ten. Und man muss be­reit sein, auch mal über et­was hin­weg­zu­ge­hen. Selbst wenn der Sohn schon 40 ist, El­tern se­hen in ihm nach wie vor ihr Kind, da fal­len dann auch mal kri­ti­sche Wor­te, wie sie der Er­wach­se­ne sonst von kei­nem mehr hört. Um­ge­kehrt ist es aber auch nicht an­ge­nehm, wenn die Kin­der sich je­de Ein­mi­schung ver­bit­ten, ob­wohl man nur zu gern sei­ne Er­fah­run­gen wei­ter­ge­ben möch­te. Und doch, wenn es hart auf hart kommt, ist die Fa­mi­lie das Ein­zi­ge, wor­auf es an­kommt. Der Fels in der rau­en Bran­dung des Le­bens. Sa­turn steht der­zeit im Zei­chen Schüt­ze, und rückt ge­nau die­se The­men in den Vor­der­grund: Ver­ant­wor­tung, Wer­te und Moral. In die­ser Wo­che ver­bin­det sich die­ser Sa­turn mit der Son­ne im Wid­der. Ein ein­deu­ti­ger Ap­pell, sich mit Ein­satz und Lei­den­schaft um die zu küm­mern, die ei­nem na­he­ste­hen. Oder zu­min­dest zu über­le­gen, was wich­ti­ger ist: die Frei­zeit oder die Fa­mi­lie.

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