Ich ha­be mei­nen See­len-ver­wand­ten wie­der-ge­trof­fen

Astrowoche - - Magische Geschichten - Ma­ria A. aus Ham­burg

Ich glau­be fest dar­an, dass es so et­was wie See­len­ver­wandt­schaft gibt und dass ich mei­nen See­len­ver­wand­ten ken­ne. Ich bin in ei­ner idyl­li­schen Kle­in­stadt auf­ge­wach­sen. Als ich 17 war, be­such­ten wir mit der Schu­le ein mi­ne­ra­li­sches Mu­se­um. Das war für mich in zwei­er­lei Hin­sicht ein ab­so­lu­tes High­light: Seit­dem bin ich ab­so­lut fas­zi­niert von Kris­tal­len und Mi­ne­ral­stei­nen. Und ich lern­te bei die­sem Aus­flug ei­nen Jun­gen ken­nen, Ben­no, er war in der Klas­se über mir. Von der ers­ten Se­kun­de an war da ein Gleich­klang bei uns, als wür­den wir uns schon ewig ken­nen. Ich wuss­te im­mer, was er mein­te und wie er sich ge­ra­de fühl­te. Um­ge­kehrt war es ge­nau­so, ich muss­te nicht viel er­klä­ren, er ver­stand mich auch so. Es blieb bei ei­ner un­schul­di­gen Ju­gend­lie­be mit Händ­chen hal­ten, Knut­schen und schmach­ten­den Lie­bes­brie­fen, denn kurz vor dem Abitur zog Ben­no mit sei­nen El­tern weg. Das war ein ganz schö­ner Tief­schlag, wir schrie­ben uns an­fangs noch, doch ir­gend­wann ver­lor sich der Kon­takt. Ich ha­be ihn nie ver­ges­sen, es dau­er­te, bis ich mich wie­der ge­fühls­mä­ßig voll und ganz auf ein männ­li­ches We­sen ein­las­sen konn­te. Die Jah­re ver­gin­gen, ich ha­be ge­hei­ra­tet, wir ha­ben ein Ge­schäft ge­grün­det, Kin­der be­kom­men, die Ehe schei­ter­te, die Kin­der sind aus dem Haus und ich bin mitt­ler­wei­le bei ei­nem Ver­sand­han­del be­schäf­tigt. Ei­nes aber blieb, mei­ne Fas­zi­na­ti­on für St­ei­ne, ich ha­be ein paar aus­ge­such­te Stü­cke in mei­ner Woh­nung. Na­tür­lich kauf­te ich mir so­fort Ein­tritts­kar­ten, als bei mir in der Stadt ei­ne Mi­ne­ra­li­en­mes­se statt­fand, ich woll­te nach neu­en Schät­zen stö­bern. An ei­nem Stand woll­te ich nach ei­nem Stein grei­fen und wä­re fast mit dem Herrn ne­ben mir kol­li­diert. Bei­de mur­mel­ten wir ei­ne Ent­schul­di­gung und dreh­ten uns wie­der weg, doch dann merk­te ich, wie ich von der Sei­te ge­mus­tert wer­de. „Ma­ria, bist du es?“, hör­te ich. Ich sah ge­nau­er hin und konn­te es nicht fas­sen: Es war Ben­no! Auch er war ge­schie­den, auch er war nach wie vor Mi­ne­ra­li­en­fan. Die­ses Mal ha­ben wir uns nicht wie­der aus den Au­gen ver­lo­ren, ich wer­de mei­nen See­len­ver­wand­ten bald hei­ra­ten.

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