Ma­gi­sche Ge­schich­ten.

Astrowoche - - Inhalt - Kirs­ten T. aus Kas­sel

Die Vor­ah­nung mei­nes Groß­va­ters war rich­tig.

Mit Weh­mut den­ke ich oft an mei­nen ver­stor­be­nen Groß­va­ter zu­rück. Er war ein gü­ti­ger Mann, der für je­den ein net­tes Wort üb­rig hat­te, Lach­fal­ten über­zo­gen sein Ge­sicht und lie­ßen ihn so sym­pa­thisch wir­ken, wie er war. Nach dem Tod sei­ner Frau, mei­ner Groß­mut­ter, blieb er al­lein, auf sei­nen aus­drück­li­chen Wunsch hin zog er nicht zu uns, son­dern über­sie­del­te in ein Se­nio­ren­heim. Dort fän­de er im­mer je­man­den zum Skat spie­len, lach­te er. In der Nä­he des Se­nio­ren­heims war ei­ne schö­ne Kir­che. Mit den Jah­ren war mein Groß­va­ter im­mer gläu­bi­ger ge­wor­den, er schien täg­lich in die­se Kir­che zu ge­hen. An ei­nem Wo­che­n­en­de, als wir ihn be­such­ten, mach­te er ei­nen un­ge­wöhn­lich erns­ten Ein­druck, so kann­te man ihn gar nicht. Als ich ihn frag­te, was los sei, mein­te er, wir soll­ten Vor­be­rei­tun­gen für sei­nen Tod tref­fen, er hät­te da ein paar Wün­sche. Völ­lig ent­geis­tert frag­te ich ihn, wie er plötz­lich dar­auf kä­me. Er er­zähl­te, dass er in der Kir­che im­mer vor ei­nem klei­nen Sei­ten­al­tar mit ei­nem Ma­ri­en­bild in der Bank saß und be­te­te. Der Al­tar wur­de ge­ziert von ei­ner di­cken wei­ßen Ker­ze, und bei sei­nem letz­ten Be­such sei die­se Ker­ze plötz­lich aus­ge­gan­gen. Kein Fens­ter stand of­fen, nie­mand ging vor­bei, es zog nicht. Ich fand das ein biss­chen weit her­ge­holt, aber auf die mehr­ma­li­ge Bit­te mei­nes Groß­va­ters hör­te ich mir dann sei­ne Wün­sche für die Be­er­di­gung na­tür­lich an. Drei Ta­ge spä­ter ging er tat­säch­lich von uns, er ver­starb im Schlaf. Heu­te tut es mir leid, dass ich sei­ne Vor­ah­nung nicht erns­ter ge­nom­men ha­be.

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