End­lich wie­der zu­rück in der al­ten Hei­mat

Astrowoche - - Magische Geschichten - Su­si K. aus dem Thü­rin­ger Wald

Ich war früh­zei­tig in Ren­te ge­gan­gen und freu­te mich, end­lich die Groß­stadt zu ver­las­sen, um in mei­ne Hei­mat, den Thü­rin­ger Wald, zu­rück­zu­keh­ren. Im Jah­re 1990 bin ich dort weg, um Ar­beit zu fin­den. Ich be­warb mich als Se­kre­tä­rin in ver­schie­de­nen Groß­be­trie­ben und lan­de­te in Frank­furt. Heil­froh, ei­ne Ar­beit ge­fun­den zu ha­ben, leb­te ich mich dann sehr schnell ein. Der Chef und die Kol­le­gen wa­ren sehr nett, und Frank­furt hat­te auch sei­ne schö­nen Sei­ten. Aber den­noch hat­te ich im­mer Heim­weh nach Thü­rin­gen. Dann war es ei­nes Ta­ges end­lich so weit. Ich pack­te die Um­zugs­kar­tons mit vie­len Er­in­ne­rungs­stü­cken, dar­un­ter mein ur­al­tes Poe­sie­al­bum. Ab uns zu ha­be ich dar­in ge­blät­tert. Mei­ne Freun­din Jan­ka hat­te da­mals zu dem Ge­dicht von Wil­helm Mül­ler: „Am Brun­nen vor dem To­re/da steht ein Lin­den­baum /ich träumt in sei­nem Schat­ten/so man­chen sü­ßen Traum ...“ein hüb­sches Haus mit Gar­ten und Spring­brun­nen ge­malt. „So wird mal mein Haus aus­se­hen“, mein­te sie da­mals. Auch Jan­ka ver­ließ die Hei­mat, um in der Fer­ne zu ar­bei­ten. Wir ha­ben uns aus den Au­gen ver­lo­ren. Im Thü­rin­ger Wald ha­be ich jetzt ei­ne ent­zü­cken­de klei­ne Woh­nung ge­fun­den. Es war herr­lich wie­der da­heim zu sein. Gleich am ers­ten Mor­gen schien die Son­ne auf mei­nem Bal­kon. Ich ging hin­aus und schau­te auf ein Haus, mit Gar­ten, Spring­brun­nen und ei­nem Lin­den­baum vor der Tür. Das ist ja wun­der­schön, dach­te ich, ge­nau­so wie einst auf der Zeich­nung mei­ner Freun­din Jan­ka. Plötz­lich sah ich drü­ben ei­ne Frau auf der Veran­da, die zu mir her­über­schau­te. Ich glau­be, es traf uns bei­de wie der Blitz. Wir hat­ten uns so­fort wie­der­er­kannt. Es war Jan­ka! Sie kam aus ih­rem Haus, lief win­kend auf mich zu und lach­te vor Freu­de. Wir konn­ten es bei nicht fas­sen. Die Hei­mat hat­te uns bei­de wie­der. Im Ge­gen­satz zu mir war Jan­ka ver­hei­ra­tet. Sie hat­te zwei er­wach­se­ne Kin­der und ei­nen lie­bens­wer­ten Mann, der sie ver­göt­ter­te. Die bei­den hat­ten sich einst in Ber­lin ken­nen­ge­lernt und wa­ren dann spä­ter in den Thü­rin­ger Wald ge­reist. Ih­rem wohl­ha­ben­den Mann hat­te es dort so ge­fal­len, dass sie blie­ben und ge­nau nach Jan­kas Vor­stel­lun­gen ein Haus bau­ten. Die bei­den sind sehr glück­lich, ge­nau wie ich. Auch mich hat die al­te Hei­mat un­end­lich glück­lich ge­macht. Wir sind bis heu­te bes­te Freun­din­nen.

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