Ma­gi­sche Ge­schich­ten.

Mein Kof­fer hat sich auf den Weg ge­macht.

Astrowoche - - Inhalt -

Mir ist ei­ne herr­li­che Ver­wechs­lung pas­siert. Und wenn ich so dar­über nach­den­ke, war das ein un­glaub­li­cher Zu­fall. Ich bin viel auf Rei­sen, denn ich ver­tre­te im Aus­land ei­ne Phar­ma-Fir­ma. Da geht es fast je­den Tag in ei­ne an­de­re Stadt und von Flug­ha­fen zu Flug­ha­fen. An ei­nem Frei­tag Nach­mit­tag ging es von Bar­ce­lo­na zu­rück nach Ham­burg in mei­ne Hei­mat­stadt. Ich freu­te mich schon auf das Wo­che­n­en­de. Am Flug­ha­fen an­ge­kom­men, war­te­te ich nur kurz am Fließ­band auf mei­nen Kof­fer. Das geht ja heu­te flott, dach­te ich mir. Nahm mei­nen Kof­fer vom Band, stieg ins nächs­te freie Ta­xi und fuhr heim. Doch als ich den Kof­fer öff­nen woll­te, pass­te der Schlüs­sel nicht. So oft ich auch am Schloß rüt­tel­te und han­tier­te, der Kof­fer blieb ver­schlos­sen. Das gibt es doch nicht, dach­te ich noch. Dann ver­such­te ich es mit ei­ner Haar­na­del, knick­te sie wie ei­nen Dietrich um und plopp, das Schloß sprang auf. Du lie­ber Him­mel, dass war gar nicht mein Kof­fer, schoss es mir durch den Kopf. Ich durch­such­te den Kof­fer nach ei­ner Adres­se und fand ei­nen Brief­um­schlag mit ei­ner Ham­bur­ger Adres­se. Noch be­vor ich die Aus­kunft an­ru­fen konn­te, klin­gel­te es an mei­ner Woh­nungs­tür. Vor mir stand ei­ne nach dem neu­es­ten Trend ge­klei­de­te, dun­kel­haa­ri­ge Frau und lä­chel­te mich an. „Ja bit­te“, sag­te ich et­was ver­wirrt. Jetzt fing sie an zu la­chen und fiel mir um den Hals. „Ja, er­kennst du mich denn nicht ? Ich bin es Re­na­ta! Ich glau­be, du hast mei­nen Kof­fer!“Erst jetzt be­merk­te ich, dass die un­be­kann­te Frau ei­nen Kof­fer bei sich trug, der ge­nau­so aus­sah wie mei­ner. Ich bat sie hin­ein und so lang­sam däm­mer­te es mir. Re­na­ta war nach dem Abitur zu­rück nach Spa­ni­en ge­gan­gen, weil ihr Va­ter ge­stor­ben und ih­re Mut­ter al­lein war. Wir hat­ten uns ganz aus den Au­gen ver­lo­ren. Sie wohn­te erst seit ei­nem hal­ben Jahr wie­der in Ham­burg und hat­te erst letz­te Wo­che in Bar­ce­lo­na ge­hei­ra­tet. Sie kam mit der sel­ben Ma­schi­ne zu­rück und doch sind wir uns nicht be­geg­net. Was für ein ir­rer Zu­fall. Ich bat ih­ren frisch an­ge­trau­ten Mann Joa­chim in mei­ne Woh­nung, der un­ten im Au­to auf sei­ne Frau ge­war­tet hat­te. Er ist In­ter­nist und Re­na­ta sei­ne Sprech­stun­den­hil­fe. Es war ei­ne wun­der­ba­re Wie­der­se­hens­freu­de. Da wir al­le drei al­le vom glei­chen Fach wa­ren, ver­stan­den wir uns blen­dend. Wir sind heu­te bes­te Freun­de. Und wer weiß – Joa­chim hat ei­nen sehr net­ten un­ver­hei­ra­te­ten Bru­der ...

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