Mein Opa schick­te das ver­spro­che­ne Zei­chen

Astrowoche - - Magische Geschichten -

An mei­nem Opa Ernst bin ich im­mer sehr ge­han­gen. Mei­ne Mut­ter ist ei­ne tem­pe­ra­ment­vol­le Frau und mein Va­ter ziem­lich streng, das war als Kind für mich manch­mal nicht leicht. Mei­ne Oma ist lei­der schon früh ver­stor­ben, trotz­dem hat mein Opa sei­nen Le­bens­mut nicht ver­lo­ren und war im­mer für mich da, wenn ich ihn brauch­te. Sei­ne ge­las­se­ne Art hat mich be­ru­higt, er hat mich nie für et­was ge­ta­delt. Das blieb auch wäh­rend mei­ner Ju­gend so, ich konn­te im­mer mit ihm re­den. Als ich 18 war, führ­ten wir ein­mal ein Ge­spräch über den Tod. Mein Opa war über­zeugt, dass es ein Le­ben nach dem Tod gibt, und er ver­sprach mir so­gar, mir ein Zei­chen aus dem Jen­seits zu schi­cken, wenn es mal so­weit wä­re. Kurz dar­auf hat­te er lei­der ei­nen Schlag­an­fall, der ihn sehr schwäch­te, au­ßer­dem zog er seit­dem sein Bein hin­ter sich her. Er war nicht mehr der Al­te, das konn­te man deut­lich spü­ren, auch wenn ich al­les ver­such­te, um ihn auf­zu­mun­tern. Nach ei­nem Jahr ver­starb er dann, ich war sehr trau­rig. Mich hielt ein­zig und al­lein die Hoff­nung auf­recht, ich wür­de das ver­ab­re­de­te Zei­chen von ihm er­hal­ten. Doch das war wohl ein from­mer Wunsch, ich träum­te nicht von ihm, ich be­kam kein Zei­chen, nichts. Nach ei­nem Jahr wach­te ich schließ­lich von ei­nem Ge­räusch auf. Mei­ne El­tern wa­ren für ein paar Ta­ge nicht zu Hau­se, al­so konn­ten sie kei­nen Krach ge­macht ha­ben. Als ich rich­tig wach war, merk­te ich, dass es Schrit­te wa­ren, die vom Dach­bo­den ka­men: ein merk­wür­di­ges Schlur­fen, ge­nau­so, wie Opa seit sei­nem Schlag­an­fall im­mer ge­lau­fen war. Ich trau­te mich erst am nächs­ten Tag auf dem Dach­bo­den nach­zu­se­hen, dort war der Bo­den so stau­big wie eh und je, es gab kei­ne Fuß­spu­ren. Auch in der Nacht dar­auf hör­te ich wie­der das Schlur­fen. Ich rief in die Dun­kel­heit: „Dan­ke Opa, ich lie­be dich und ich ver­mis­se dich! Aber lang­sam be­kom­me ich Angst!“Das Schlur­fen hör­te so­fort auf und war auch nie mehr zu hö­ren, doch ich weiß, das war mein Opa und ich füh­le mich be­schützt und be­hü­tet von ihm.

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