Die Ma­gie ei­ner Bu­che hat mein Le­ben be­glei­tet

Astrowoche - - Magische Geschichten - Li­lia­na B. aus Thü­rin­gen

Ich bin als Ein­zel­kind auf­ge­wach­sen und wohn­te ein gan­zes Stück von der nächs­ten Ort­schaft ent­fernt, so­dass ich kaum Freun­de hat­te. Mei­ne Mut­ter brach­te mich da­mals mit dem Au­to zur Schu­le und hol­te mich auch wie­der ab. Nach der Schu­le lieb­te ich es, durch un­se­ren Wald zu strei­fen. Auf ei­ner Lich­tung stand ei­ne wun­der­schö­ne gro­ße Bu­che. Ih­re Zwei­ge hin­gen rund­her­um so tief wie ein be­schüt­zen­des Dach. Wenn ich Kum­mer hat­te oder et­was be­son­ders Schö­nes er­lebt hat­te, ging ich zu ihr hin und er­zähl­te ihr al­les. Die Bu­che strahl­te et­was Ma­gi­sches aus, dass mich im­mer wie­der zu ihr hin­zog. Im Lau­fe mei­nes Le­bens wur­de sie ein rich­ti­ger Freund und ich hat­te das Ge­fühl, sie ver­stand mich. Be­son­ders im Herbst, wenn ih­re Blät­ter rausch­ten, dach­te ich oft, sie spricht mit mir. Ei­nes Ta­ges, kurz vor mei­ner Ver­lo­bung, stell­te sich her­aus, dass mein zu­künf­ti­ger Mann mich mit ei­ner an­de­ren Frau be­tro­gen hat­te. Ich war schreck­lich wü­tend und ent­täuscht. Um mich zu trös­ten, ging ich zu mei­ner ge­lieb­ten Bu­che und er­zähl­te ihr al­les. Es tat gut und ich woll­te auch nie­man­den se­hen, wein­te still vor mich hin. Plötz­lich hör­te ich ein Ra­scheln und ein lei­ses Win­seln. Aus dem Ge­büsch kam ein Gol­den Re­trie­ver auf mich zu und streif­te um mei­ne Beine. Er we­del­te freundlich mit dem Schwanz und leck­te mei­ne Hän­de. Dann tauch­te der Be­sit­zer auf. Er rief nach Jack und ent­schul­dig­te sich. Denn nor­ma­ler­wei­se ma­che der Hund das nicht. Aber ich freu­te mich um­so mehr, dass Jack mich wohl moch­te und mich noch im­mer um­kreis­te und so gar nicht auf sein Herr­chen hö­ren woll­te. Ich strei­chel­te sein Fell und sag­te, was für ein schö­ner Hund er sei. Der Be­sit­zer ließ ihn ge­wäh­ren und stell­te sich als Pe­ter vor. Er sei neu in der Ge­gend und woll­te sich um­se­hen. Dann sah er die Bu­che und war be­ein­druckt von ih­rer Grö­ße und ih­rem schö­nen Ge­äst. Wir un­ter­hiel­ten uns noch sehr lan­ge und ver­ab­re­de­ten uns am nächs­ten Wo­che­n­en­de. Als er ge­gan­gen war, blieb ich noch bei mei­ner Bu­che. Plötz­lich ra­schel­ten ih­re Blät­ter und es hör­te sich wie ein lei­ses Flüs­tern an. Es klang so, als woll­te sie mir sa­gen, das Pe­ter der Rich­ti­ge für mich sei. So war es dann auch tat­säch­lich. Auf un­se­ren Spa­zier­gän­gen ka­men wir uns nä­her und wur­den ein Paar. Das ist nun über 10 Jah­re her. Noch im­mer be­su­chen wir un­se­re Bu­che, die uns Glück ge­bracht hat.

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