All­gei­ers Astro­wis­sen.

Heim­weh oder Fern­weh?

Astrowoche - - Inhalt - von Micha­el All­gei­er

as 9. Haus ist der ir­di­sche Spie­gel des Schüt­zen, es weist auf re­li­giö­se, phi­lo­so­phi­sche und welt­an­schau­li­che In­ter­es­sen hin und ver­rät, ob wir ei­ne mehr le­bens­ab­bau­en­de Ein­stel­lung ha­ben oder zu hö­he­ren Wer­ten im Le­ben stre­ben. In den Ho­ro­sko­pen von be­rühm­ten Päps­ten fin­den wir im­mer wie­der ei­ne star­ke 9.-Haus-Be­set­zung. So hat z. B. un­ser ehe­ma­li­ger Papst, Papst Be­ne­dikt XVI., Sa­turn in Haus 9, wo­durch wört­lich über­setzt das 9. Haus, al­so der Glau­be, zum Be­ruf für ihn wur­de, da Sa­turn als Herr­scher des St­ein­bocks, des­sen ir­di­scher Spie­gel wie­der­um das 10. Haus ist (Le­bens­zie­le, Be­ruf), oft der ent­schei­den­de Pla­net ist, der un­se­ren Le­bens­weg be­stimmt, vor al­lem wenn der Be­ruf zur Be­ru­fung wird. Sa­turn im 9. Haus neigt klas­sisch ge­se­hen zu eher kon­ser­va­ti­ven Wel­t­an­schau­un­gen. Und Papst Be­ne­dikt galt ja auch eher als ein Be­wah­rer des ka­tho­li­schen Glau­bens und nicht so sehr als Re­for­mer der Kir­che. Passt zu Sa­turn in Haus 9, der dort auch zu sehr prin­zi­pi­el­len, ja dog­ma­ti­schen Wel­t­an­schau­un­gen füh­ren kann. Auf je­den Fall prüft Sa­turn hier je­de hö­he­re Über­zeu­gung auf „Herz und Nie­ren“, setzt sich hier sehr stark mit Zwei­feln und eben auch mit al­ten Wer­ten und Über­zeu­gun­gen aus- ein­an­der. Das 9. Haus ist das Feld der tie­fen Ah­nun­gen und schau­en­den Er­kennt­nis­se, der In­spi­ra­ti­on und des gläu­bi­gen Auf­neh­mens von den als wahr er­kann­ten Wei­sun­gen und des Ver­trau­ens in Gott. Auch Träu­me, Vi­sio­nen und Ein­ge­bun­gen fal­len un­ter die­sen Be­reich, der mit dem abs­trak­ten Den­ken in Ver­bin­dung steht. Das 9. Haus ist im Rea­len die wei­te Rei­se und im In­ne­ren die Rei­se zu Gott. Je­de wei­te Rei­se ist in­so­fern ei­ne Be­wusst­seins­er­wei­te­rung, da wir durch sie im idea­len Sin­ne frem­de Kul­tu­ren ken­nen­ler­nen und so über die Be­gren­zung un­se­rer ei­ge­nen Kul­tur hin­weg­bli­cken. So ge­se­hen soll uns das 9. Haus mit der ge­sam­ten Welt ver­bin­den. Im Ho­ro­skop der Bun­des­re­pu­blik (23. Mai 1949 um 16 Uhr in Bonn) spielt das 9. Haus ei­ne über­ra­gen­de Rol­le. Dort fin­den sich mit Son­ne, Mer­kur, Ve­nus und Ura­nus gleich vier Pla­ne­ten, die sich zu­dem in den Zwil­lin­gen be­fin­den. Sie wei­sen auf ein auf­ge­klär­tes Deutsch­land mit ho­hem de­mo­kra­ti­schen Be­wusst­sein und gu­ten Aus­lands­be­zie­hun­gen hin, da Zwillinge ge­wöhn­lich zur To­le­ranz nei­gen, an­de­re Mei­nun­gen und Kul­tu­ren ak­zep­tie­ren und im­mer das Ei­ner­seits und An­de­rer­seits wahr­neh­men. Ins­be­son­de­re Mer­kur im 9. Haus und in den Zwil­lin­gen weist da­ne­ben auf ei­nen re­gen Han­del mit dem Aus­land, ins­be- son­de­re Ex­port hin. Mer­kur in den Zwil­lin­gen ist da­ne­ben das Syn­onym für Au­tos und be­kannt­lich sind Au­tos der wich­tigs­te Han­dels­zweig von Deutsch­land. Be­ruf­lich spielt das 9. Haus na­tür­lich auch bei Phi­lo­so­phen, die sich im geis­ti­gen Schach­spie­len üben, ei­ne ganz gro­ße Rol­le. Und auch Men­schen, die Wis­sen leh­ren oder die in der Rei­se­bran­che tä­tig sind, ver­fü­gen oft über ei­ne be­deut­sa­me Pla­ne­ten­be­set­zung die­ses Be­reichs. Und na­tür­lich hat das 9. Haus auch ei­nen star­ken Be­zug zu un­se­rer Moral und im Sin­ne Ju­pi­ters, der hier er­höht steht, zur Recht­spre­chung, wes­halb nicht zu­letzt Ju­ris­ten und Rich­ter und über­haupt Wür­den­trä­ger die­sen Be­reich meist pro­mi­nent be­setzt ha­ben.

Be­trach­ten wir das 9. Haus rein welt­lich, hat es sehr viel mit fer­nen Län­dern, Aus­lands­ver­bin­dun­gen, wei­ten Rei­sen und Aus­wan­de­rungs­ge­dan­ken zu tun. Bei ei­ner güns­ti­gen 9.-Haus-Be­set­zung kann man si­cher sein Glück in der Fer­ne fin­den. Auch für Ehen mit Aus­län­dern fin­den sich hier oft gu­te Vor­aus­set­zun­gen. Die Son­ne, Ve­nus und Ju­pi­ter kön­nen in Be­zie­hung mit dem Aus­land all­ge­mein sehr för­der­lich wir­ken, so­fern sie nicht sehr kri­tisch as­pek­tiert wer­den. Span­nungs­ge­la­de­ne

Pla­ne­ten wie Mars, Ura­nus oder Plu­to in Haus 9 eig­nen sich da­ge­gen we­ni­ger für wei­te Rei­sen, län­ge­re Aus­lands­auf­ent­hal­te oder gar Aus­wan­de­rung. Bei die­sen Pla­ne­ten dro­hen Kon­flik­te und Ge­fah­ren in frem­den Län­dern, wes­halb man hier kei­ne grö­ße­ren Ri­si­ken ein­ge­hen soll­te. Spe­zi­ell bei Sa­turn in 9 rie­ten die al­ten Astro­lo­gen nur dann grö­ße­re Rei­sen zu un­ter­neh­men, wenn die­se auch ei­nem hö­he­ren Sinn oder be­ruf­li­chen Zweck die­nen. Im geis­ti­gen Sinn hat das 9. Haus ne­ben der Rei­se zu Gott auch mit Me­di­ta­ti­on und Yo­ga tun. Men­schen, die ei­ne pro­mi­nen­te Schüt­ze-Be­set­zung oder (und) 9. Haus ha­ben, ha­ben häu­fig ei­nen sehr gu­ten und na­tür­li­chen Zu­gang zu Yo­ga. Das 9. Haus zeigt fer­ner die Nei­gung zu Fort­bil­dun­gen und zu gründ­li­chen und ernst­haf­ten Stu­di­en an. Wer das 9. Haus stark be­setzt hat, soll­te sich als Schü­ler des Le­bens ver­ste­hen und sich im­mer wei­ter­bil­den, auch im ho­hen Al­ter, so­lan­ge er lebt. Je­der Mensch, der sich wei­ter­ent­wi­ckeln will, muss letzt­lich die po­si­ti­ven Sei­ten sei­nes 9. Hau­ses be­wusst för­dern. Das Sym­bol für das 9. Haus ist ein lan­ger, end­lo­ser, dunk­ler Weg. Dun­kel und lang des­halb, weil das Er­den­da­sein doch ei­ne gro­ße Schwe­re und Dun­kel­heit be­sitzt und weil es mit zu den schwers­ten Her­aus­for­de­run­gen des Men­schen ge­hört, zu glau­ben und zu ver­trau­en in hö­he­re geis­ti­ge Kräf­te und in den Sinn des Le­bens, der für uns oft un­er­gründ­lich ist und eben in die­sem 9. Haus ge­sucht und ge­fun­den wer­den soll. Ein lan­ger und wich­ti­ger Weg, auf dem sich vie­le Men­schen ver­ir­ren, ganz be­son­ders die re­li­giö­sen Fa­na­ti­ker, die ih­ren Glau­ben miss­brau­chen, um Macht und Ein­fluss über an­de­re Men­schen zu be­sit­zen. Der Miss­brauch von Re­li­gio­nen führ­te, so­lan­ge es Men­schen gibt, zu ver­nich­ten­den und schänd­li­chen Krie­gen, so­dass wir heu­te zu­min­dest in der west­li­chen Welt ei­ne ge­wis­se Re­li­gi­ons­mü­dig­keit be- ob­ach­ten kön­nen. Aber, es ist wich­tig, sich an sei­ne Wur­zeln zu er­in­nern, die bei uns in der christ­li­chen Kul­tur lie­gen, die uns durch­aus un­sterb­li­che, dau­er­haf­te Wer­te ver­mit­telt hat und die es des­halb le­ben­dig zu hal­ten gilt. Auf der an­de­ren Sei­te müs­sen auch wir uns von den Ver­krus­tun­gen und Dog­men der Ver­gan­gen­heit frei ma­chen, um zu ech­tem Glau­ben zu ge­lan­gen, der nicht zwangs­läu­fig an ei­ne Re­li­gi­on ge­bun­den sein muss, son­dern ei­ne sehr le­ben­di­ge und per­sön­li­che Kraft in je­dem Men­schen sein kann. Das 9. Haus ist der Schlüs­sel zum hö­he­ren Le­bens­sinn, hier bil­den wir Mei­nun­gen und Über­zeu­gun­gen, hier ge­win­nen wir Glau- ben und Wer­te. Es ist im po­si­ti­ven Sin­ne der Weg der hö­he­ren geis­ti­gen Ent­wick­lun­gen. Um in das 9. Haus zu ge­lan­gen und um es auf un­se­re ganz per­sön­li­che Art zu le­ben und ent­wi­ckeln zu kön­nen, müs­sen wir uns aber zu­nächst um un­se­ren Kör­per (1. Haus) und un­se­re see­li­sche Ent­wick­lung (5. Haus) küm­mern. Nur wenn wir ge­sund sind, kön­nen wir uns ent­fal­ten und mit Freu­de le­ben, und nur wenn wir Le­bens­freu­de be­sit­zen, kön­nen wir uns auch geis­tig wei­ter­ent­wi­ckeln. Ein Mensch, der im tie­fen Loch sitzt, der al­les im Le­ben ver­neint, sta­gniert, bleibt ste­hen, hat kei­ne Mög­lich­keit, sich zu ent­fal­ten.

Sie se­hen, das 9. Haus hat ei­ne nicht hoch ge­nug ein­zu­schät­zen­de Be­deu­tung für un­ser Le­ben und letzt­lich auch für un­ser Kar­ma und Schick­sal. Die ganz gro­ßen Pro­phe­ten der Ge­schich­te hat­ten üb­ri­gens auch al­le ein be­son­de­res 9. Haus, das als re­sul­tie­ren­de Hal­tung mit un­se­rer geis­ti­gen Selbst­ent­fal­tung zu tun hat. Wohl dem, der er­kennt, dass Fair­ness, ech­te und nicht auf­ge­setz­te Moral, Ethik und das Rin­gen um hö­he­re Wer­te und An­schau­un­gen un­ser Le­ben erst mit Sinn er­fül­len und es le­bens­wert ma­chen. Geis­ti­ge Be­wusst­wer­dung ist al­les, muss un­ser höchs­tes Ziel sein.

Das 9. Haus steht für die ganz gro­ßen wei­ten Rei­sen, oft Flugund Fern­rei­sen

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