Ma­gi­sche Ge­schich­ten.

Ich glau­be, mei­ne Freun­din hat ma­gi­sche Kräf­te.

Astrowoche - - Inhalt -

Wir sind in un­se­rer Fir­ma ein gu­tes Team und sind schon seit Jah­ren zu­sam­men. Da wir am Fließ­band ar­bei­ten, muss al­les sehr schnell ge­hen, je­der Hand­griff muss sit­zen. Das klappt bei uns wun­der­bar, denn wir sind ein ein­ge­spiel­tes Team. Doch ei­nes Ta­ges wech­sel­te un­se­re Fir­ma den Be­sit­zer und wir be­ka­men ei­ne neue Che­fin. Sie war sehr streng und un­glaub­lich un­ge­dul­dig. Wir konn­ten ihr nichts recht ma­chen, im­mer hat­te sie et­was zu kri­ti­sie­ren. Dann ver­lang­te sie auch noch, dass wir die Pro­duk­ti­on er­hö­hen und noch schnel­ler ar­bei­ten soll­ten. Da­bei wa­ren wir wirk­lich sehr schnell und auch flei­ßig. Wir ka­men kaum noch nach. Bis mei­ner Freun­din und Kol­le­gin In­grid, die ne­ben mir am Band ar­bei­te­te, der Kra­gen platz­te. „So jetzt reicht es“, sag­te sie lei­se und stampf­te mit den Fü­ßen auf den Bo­den und schau­te sich ver­stoh­len um. Sie stell­te sich ans Fließ­band, streck­te die Ar­me aus und rief: „Hex, Hex!“. Die Ma­schi­ne gab ei­nen quiet­schen­den Laut von sich und stopp­te. Schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten kam un­se­re Che­fin, schau­te sich das Fließ­band an und rief so­fort ei­nen Tech­ni­ker. Es dau­er­te ei­ni­ge St­un­den, bis der Feh­ler be­ho­ben war und die Pro­duk­ti­on wei­ter­lau­fen konn­te. Sie war bit­ter­bö­se und wir soll­ten die ver­lo­re­ne Zeit noch am sel­ben Tag nach­ho­len. Aber da hat­te sie nicht mit mei­ner Freun­din In­grid ge­rech­net. Die wie­der­hol­te näm­lich ihr He­xen­ri­tu­al und die Ma­schi­ne fiel wie­der aus. Die Che­fin schick­te uns not­ge­drun­gen nach Hau­se, denn Über­stun­den woll­te sie na­tür­lich nicht zah­len. Am nächs­ten Tag be­ka­men wir ih­ren Är­ger zu spü­ren. Sie hat­te die Pro­duk­ti­on auf das Dop­pel­te an­ge­ho­ben. Das war ein­fach un­mög­lich zu schaf­fen. Ich schau­te In­grid an. Die lä­chel­te nur vor sich hin. Als ich kurz mal aus­tre­ten war und wie­der kam, stand die Ma­schi­ne tat­säch­lich wie­der still. Das ging ei­ni­ge Ta­ge so. Und dann ge­schah das Un­glaub­li­che: Un­se­re Che­fin wur­de plötz­lich freund­lich und wir konn­ten un­ser nor­ma­les Ar­beits­tem­po wie­der auf­neh­men. In­grid schau­te mich mit ei­nem un­schul­di­gen Blick an und lä­chel­te dann ver­schmitzt. In der Pau­se nahm ich sie bei­sei­te und woll­te un­be­dingt wis­sen, wie sie das ge­macht hat­te. Aber sie hob nur un­schul­dig die Schul­tern und sag­te, sie wis­se nicht, was ich mein­te. Ich aber glau­be, In­grid hat ma­gi­sche Kräf­te, an­ders kann das gar nicht mög­lich sein.

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