Zwei die­bi­sche Els­tern ha­ben mir Glück ge­bracht

Astrowoche - - Magische Geschichten - Chris­ta W. aus Düs­sel­dorf

Wir woh­nen am Stadt­rand zwi­schen Wäl­dern und Fel­dern. Mein Le­bens­ge­fähr­te Wer­ner und ich lie­ben die Na­tur. An den Wo­che­n­en­den ma­chen wir oft Fahr­rad­tou­ren oder ein­fach lan­ge Spa­zier­gän­ge. In der Nä­he un­se­res Hau­ses hat­te sich ein Els­tern­paar hoch oben in ei­ner Kas­ta­nie ein Nest ge­baut. Es dau­er­te nicht lan­ge und wir sa­hen klei­ne jun­ge Els­tern bei ih­ren ers­ten Flug­übun­gen. Ei­nes Ta­ges war das Nest leer und die Els­tern ver­schwun­den. Wie scha­de, dach­te ich noch. Aber vi­el­leicht kom­men sie ja im nächs­ten Jahr wie­der. Es fing an zu reg­nen und ein Sturm zog auf. Am nächs­ten Mor­gen lag das Nest bei uns auf der Ter­ras­se. Der Sturm muss­te es wohl her­un­ter­ge­weht ha­ben. Et­was blink­te zwi­schen den ge­floch­te­nen Zwei­gen und Fe­dern her­vor. Ich streck­te die Hand da­nach aus und zog ei­nen sil­ber­nen Ring her­aus. Na so was, dach­te ich noch, den ken­ne ich doch. Es war der Ring von Wer­ners ver­stor­be­ner Groß­mut­ter Hil­de, den sie vor Jah­ren bei ei­nem Be­such ver­lo­ren hat­te. Wer­ner staun­te nicht schlecht und muss­te un­will­kür­lich la­chen. Es stimm­te al­so, dass Els­tern al­les, was glänzt, in ihr Nest brin­gen. Wer­ner steck­te mir den Ring an den Fin­ger und mach­te mir ei­nen Hei­rats­an­trag. Denn Oma Hil­de konn­te da­mals gar nicht ver­ste­hen, dass wir ein­fach nicht hei­ra­ten woll­ten. Es war wie ein Wink des Schick­sals. Nach der Trau­ung be­such­ten wir Oma Hil­de auf dem Fried­hof und ich leg­te mei­nen Hoch­zeits­strauß auf ihr Gr­ab. Si­cher freu­te sie sich jetzt. Plötz­lich hör­ten wir das Kräch­zen ei­ner Els­ter. Sie flog auf den Gr­ab­stein von Oma Hil­de und schau­te uns an. Es war schon ein we­nig un­heim­lich, der Vo­gel blieb still sit­zen und rühr­te sich nicht. Dann flog ei­ne zwei­te Els­ter her­bei. Sie ga­ben kei­nen Ton von sich, bis wir ein lei­ses Qu­ie­ken hin­ter dem Gr­ab­stein hör­ten. Lang­sam und auf Ze­hen­spit­zen sa­hen wir nach und ent­deck­ten ein Nest. Da­rin ein klei­nes Kü­ken, das wohl ge­ra­de erst ge­schlüpft war. Da wir nicht wei­ter stö­ren woll­ten, ver­lie­ßen wir Oma Hil­des Gr­ab und fuh­ren glück­lich heim. Am nächs­ten Mor­gen dann die Über­ra­schung. Beim Be­such der Frau­en­ärz­tin stell­te sich her­aus, dass ich schwan­ger bin. So­fort muss­te ich an das Els­tern­paar den­ken. Die ei­nen brach­ten mir ei­nen Ring, die an­de­ren be­scher­ten mir ein Kind. Manch­mal den­ke ich, dass Oma Hil­de da ein we­nig nach­ge­hol­fen hat. Auf je­den Fall ha­ben sie mir Glück ge­bracht.

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