En­gel­kon­takt.

Wenn ei­nem plötz­lich Ma­ria er­scheint.

Astrowoche - - Inhalt -

Wie­der fiel mir die Stim­me ein: „Er wird nicht alt.“Ich wuss­te tief im In­ners­ten, dass das jetzt der An­fang vom En­de war. Mei­nem Mann sag­te ich al­ler­dings nichts da­von. Wie­der fiel mir der Licht­fleck ein! Was woll­te er mir mit­tei­len? Ich be­schloss, wie­der zu Han­ne zu fah­ren. Ich brauch­te Klar­heit. Ich er­zähl­te ihr von mei­nem nächt­li­chen Er­leb­nis. Sie hör­te auf­merk­sam zu und sag­te: „Du weißt, dass es Licht­we­sen gibt?“Ich ent­geg­ne­te, dass ich so et­was ge­le­sen hät­te, aber mir nichts dar­un­ter vor­stel­len kön­ne. Sie schlug vor, ei­nen Kon­takt zu die­sem We­sen her­zu­stel­len. Sie kön­ne mir nichts ver­spre­chen, aber ei­nen Ver­such wä­re es wert. Ich ließ mich dar­auf ein. Wie­der wur­de ich zu­tiefst in mei­nem In­ne­ren er­schüt­tert: Mir er­schien Ma­ria! Be­den­ken Sie: Ich war evan­ge­lisch ge­prägt und au­ßer­dem seit nun­mehr ein­und­zwan­zig Jah­ren kein Mit­glied die­ser Kir­che mehr. Und nun das! Ich war fas­sungs­los! Wie­der hüll­te mich die­se un­end­li­che Lie­be ein, die ich in der Licht­ku­gel­vi­si­on er­fah­ren durf­te. Mir lie­fen die Trä­nen aus den Au­gen aus Scham, dass ich trotz die­ser Vi­si­on, in der ich die all­um­fas­sen­de Lie­be er­le­ben durf­te, noch im­mer zwei­fel­te. Nun er­hielt ich die Bot­schaft, ich sei ein von Gott ge­seg­ne­ter Mensch und ha­be ei­ne gro­ße Auf­ga­be zu er­fül­len. Es kä­me jetzt ei­ne schwie­ri­ge Zeit auf mich zu. Ich sol­le mir je­doch kei­ne Sor­gen ma­chen. Ich wür­de je­de Hil­fe be­kom­men, die ich brau­che. Dann war die Er­schei­nung vor­über. Ich war zu­tiefst er­schüt­tert. Im tiefs­ten In­nern wuss­te ich, dass mein Mann die­se Er­kran­kung nicht über­le­ben wür­de. Das war mit „Hil­fe“nicht ge­meint. Noch ei­ne gan­ze Zeit lie­fen mir die Trä­nen. Ich schäm­te mich wirk­lich für mei­ne Zwei­fel an der Exis­tenz der geis­ti­gen Wel­ten. Das soll­te al­ler­dings nicht lan­ge an­hal­ten. Schon auf dem Nach­hau­se­weg über­schlu­gen sich mei­ne Ge­dan­ken: „Mir er­scheint Ma­ria. Das kann nicht sein! Schließ­lich bin ich nicht ka­tho­lisch. Ei­ne Ma­ri­en­er­schei­nung ha­ben Mys­ti­ker und Hei­li­ge ge­habt; zu de­nen ge­hö­re ich ja nun wirk­lich nicht!“Mein Ver­stand schlug Ka­prio­len. Wie konn­te so et­was sein? Hat­te ich vi­el­leicht zu viel Phan­ta­sie? Ich hat­te ein gro­ßes Pro­blem mit die­ser Er­schei­nung und be­schloss, erst ein­mal nie­man­dem et­was da­von zu er­zäh­len. Selbst mei­nem Mann ha­be ich nichts da­von er­zählt, denn ich woll­te nicht, dass er von mei­ner Ein­ge­bung er­fährt. In den nächs­ten Mo­na­ten über­schlu­gen sich die Er­eig­nis­se. Ich sah, dass mein Mann im­mer wei­ter ver­fiel. Die Ärz­te je­doch, selbst der Chef­arzt der Uni­k­li­nik, wa­ren da­von über­zeugt, dass mein Mann noch Jah­re le­ben wür­de und auch wie­der ar­bei­ten könn­te. Das war die Ant­wort, die ich auf mei­ne wie­der­hol­ten Bit­ten, mir doch die Wahr­heit zu sa­gen, da ich schließ­lich für drei Kin­der zu sor­gen hät­te, im­mer wie­der zu hö­ren be­kam. Die Ärz­te wa­ren wirk­lich von dem über­zeugt, was sie mir sag­ten. Zwei Ta­ge vor Ni­ko­laus starb mein Mann. Ich bin heu­te noch dank­bar da­für, dass ich ihn nach Hau­se ge­holt und of­fen mit ihm über das Ster­ben ge­spro­chen ha­be. Wir wa­ren im­mer ehr­lich zu­ein­an­der ge­we­sen und ich woll­te ihn in die­ser Si­tua­ti­on nicht be­lü­gen. Wie gut, dass ich mei­nem Ge­fühl ge­folgt bin. Es gab ihm die Mög­lich­keit, sich noch mit Gott aus­zu­söh­nen und uns bei­den die Mög­lich­keit, dass wir in tie­fem Frie­den von­ein­an­der Abschied neh­men konn­ten. Ein Tag vor sei­nem Tod sag­te mein Mann: „Weißt du, Schätz­chen, wenn ich jetzt wirk­lich ge­hen muss, dann ist es so. Aber ich kann sa­gen, dass ich ein wirk­lich er­füll­tes Le­ben hat­te.“Kurz be­vor er ge­hen muss­te, ha­ben wir uns noch ein­mal an­ge­se­hen und uns ge­sagt, dass wir uns lie­ben.

Li­te­ra­tur­an­ga­ben: Han­ne­lo­re Spie­ker­mann „Wie um­armt man ei­nen En­gel?“Ver­lag: Books on De­mand ISBN: 978 384 2300 330

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