Ma­gi­sche Ge­schich­ten.

Mein En­kel hat ein fei­nes Ge­spür für Men­schen.

Astrowoche - - Inhalt - Eva W. aus Mün­chen

Man soll­te viel öf­ter auf Kin­der hö­ren, wenn es um Men­schen­kennt­nis geht. Ich ha­be das selbst er­lebt. Fast je­den zwei­ten Tag tref­fe ich mich mit Freun­din­nen in ei­nem Ca­fé. Wir sind al­le schon lan­ge im Ren­ten­al­ter und tref­fen uns in der Früh zu ei­nem Plausch. In den Fe­ri­en sind ab und zu mei­ne klei­nen En­kel zu Be­such. Sie über­nach­ten sehr gern bei ih­rer Oma. Be­son­ders gern ist mein sie­ben­jäh­ri­ger En­kel Ni­co bei mir. Wir schau­en uns zu­sam­men Fil­me an und ko­chen auch zu­sam­men. Das macht ihm be­son­ders viel Spaß. Ei­nes mor­gens nahm ich ihn mit zum Kaf­fee­trin­ken mit mei­nen Freun­din­nen. Da­bei be­merk­te ich, dass er mei­ner Freun­din Bi­bi im­mer aus dem We­ge ging. Wenn sie ihn an­sprach, schau­te er mich im­mer ganz ko­misch an und ver­steck­te sich hin­ter mir. An­fangs dach­te ich noch okay, er ist ein we­nig schüch­tern und traut sich nicht so recht. Aber dann be­ob­ach­te­te ich, dass er zu mei­nen an­de­ren Freun­din­nen sehr lieb und höf­lich war. Nur zu Bi­bi nicht. Ich woll­te mei­nen klei­nen Ni­co fra­gen, ob er Bi­bi nicht mag, aber mein Bauch­ge­fühl riet mir ab und ich ließ die Sa­che auf sich be­ru­hen. Doch beim nächs­ten Tref­fen wie­der­hol­te sich das Gan­ze noch mal. Bi­bi sprach ganz freund­lich mit mei­nem klei­nen En­kel. Aber er ant­wor­te­te nicht und setz­te sich statt­des­sen auf mei­nen Schoß und um­arm­te mich. Nach ei­ni­gen Wo­chen ging ich auf den Markt um ein­zu­kau­fen. Da hör­te ich die Stim­me von Bi­bi und mei­ner Freun­din Ma­ri­an­ne am nächs­ten Markt­stand. Die bei­den konn­ten mich nicht se­hen, weil ich von dem Blu­men­stand ne­ben mir ver­deckt wur­de. Und was ich da hör­te, mach­te mich wirk­lich wü­tend. Mei­ne Freun­din Bi­bi läs­ter­te über mich, was das Zeug hält: Ich sei ein­ge­bil­det und ar­ro­gant, wür­de mich stän­dig in den Vor­der­grund spie­len und die lie­be Oma ge­ben. Oh wie ge­mein dach­te ich. Sie ließ wirk­lich kein gu­tes Haar an mir. Doch mei­ne Freun­din Ma­ri­an­ne ent­geg­ne­te nur: „Du bist doch bloß nei­disch! Eva liebt ih­re En­kel und um­ge­kehrt. Sie macht sich halt schick und hat noch ei­ne topp Fi­gur. Sie geht schwim­men und wan­dern. Ich fin­de das toll. Das soll­test du auch mal ver­su­chen, könn­te dir nicht scha­den.“Mein klei­ner En­kel Ni­co hat­te wohl in­stink­tiv ge­spürt, dass mei­ne Freun­din Bi­bi un­ehr­lich und ge­mein war. Er hat­te sie al­so un­be­wusst rich­tig ein­ge­schätzt.

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