Hil­de­gard von Bin­gen: Sie ent­hüll­te das Ge­heim­nis der En­gel.

„En­gel sind Licht­geis­ter der Sehn­sucht, le­ben­di­ge Licht­krei­se von flam­men­der Lie­be.“

Astrowoche - - Vorderseite -

In den Tie­fen der See­le liegt die Ah­nung und Sehn­sucht der Men­schen nach den En­geln, den rei­nen Geist­we­sen. Zu al­len Zei­ten gibt es Men­schen, die ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Zu­gang zum Gött­li­chen ha­ben. Hil­de­gard von Bin­gen ge­hör­te da­zu. Mit der neu­en ASTRO­WO­CHE-Se­rie kön­nen Sie in ih­re Welt der En­gel ein­tau­chen.

D ie hei­li­ge Hil­de­gard von Bin­gen durf­te – oder muss­te – ihr gan­zes Le­ben lang mit den Au­gen ih­rer See­le die uns häu­fig ver­bor­ge­nen ewi­gen Weis­hei­ten Got­tes schau­en und sie mit ih­rem in­ne­ren Ohr ver­neh­men. Sie wird nicht mü­de, sich im­mer wie­der auf die hei­li­gen Schrif­ten zu be­zie­hen, steht in der Tra­di­ti­on der Kir­che und ist der Leh­re der frü­hen Kir­chen­vä­ter ver­pflich­tet. Sie ist ei­ne Schau­en­de und Hö­ren­de, die in groß­ar­ti­gen, ge­wal­ti­gen Bil­dern die tie­fen Ge­heim­nis­se Got­tes und der Schöp­fung er­fährt. Es ist ge­ra­de­zu ihr Mar­ken­zei­chen, dass sie uns für die tiefs­ten Er­kennt­nis­se spre­chen­de und leuch­ten­de Bil­der vor­stellt. Sie muss sich nicht müh­sam auf ei­nem Er­kennt­nis­weg em­por­ar­bei­ten, son­dern sie er­fasst in in­ne­rer Er- leuch­tung in­tui­tiv die Wahr­hei­ten über die himm­li­schen und ir­di­schen Wirk­lich­kei­ten. Sie hat den Ha­bi­tus der Pro­phe­tin, die als Per­son völ­lig zu­rück­tritt, um die Bot­schaf­ten Got­tes den Men­schen zu ver­mit­teln. Die Wor­te aus der in­ne­ren Schau Hil­de­gards ha­ben ei­ne ganz ei­ge­nen Kraft, weil sie viel Ge­heim­nis­vol­les ber­gen, das sich erst er­schließt, wenn wir uns mit in­ne­rer Ru­he ge­dul­dig dar­auf ein­las­sen. Im Schöp­fungs­be­richt hö­ren wir, dass Gott am ers­ten Tag das Licht schuf, wo­mit aber of­fen­sicht­lich nicht Son­ne, Mond und Ster­ne ge­meint sind. Hil­de­gard er­fährt in ih­rer Schau, dass da­mit das für uns un­sicht­ba­re geis­ti­ge Licht der En­gel ge­meint ist: „Als Gott sprach: Es wer­de Licht, ent­stand das geis­ti­ge Licht. Das sind die En­gel. Das sind so­wohl je­ne En­gel, die Gott die Treue hiel­ten, als auch die­je­ni­gen, die in die äu­ßers­ten Fins­ter­nis­se oh­ne al­les Licht stürz­ten, weil sie nicht wahr­ha­ben woll­ten, dass Gott das wah­re Licht ist.“ En­gel sind die Strah­lun­gen Got­tes, ge­wal­ti­ges Leuch­ten, wie blit­zen­de Edel­stei­ne. En­gel sind die ers­ten Ge­schöp­fe am Ur­be­ginn der Welt, als Gott Him­mel und Er­de schuf. Gott zeigt sich der Se­he­rin Hil­de­gard im­mer als das ur­sprungs­lo­se Le­ben und Licht, als die Lie­be in der lau­ters­ten Ge­rech­tig­keit. Er schuf die En­gel als ver­nunft­be­gab­te Licht­ge­stal­ten in der geis­ti­gen Welt. Hil­de­gard von Bin­gen schrieb: „Gott sprach: Es wer­de Licht – als­bald leuch­te­te das nie en­den­de und den Men­schen un­sicht­ba­re Licht, das nim­mer­mehr ver­fins­tert wird. Ihm haf­ten le­ben­di­ge Licht­krei­se an, die En­gel. Es sind er­ha­be­ne, in gro­ßem Glanz er­strah­len­de Geis­ter. Denn Gott ist Le­ben, und sein Wort schläft nie, son­dern er­scheint als Le­ben. Und was da schöp­fe­risch ans Licht ge­tre­ten ist, das hat­te Gott sich selbst zum Ruh­me ge­setzt; es war nicht der Licht­schein der Son­ne et- wa, da die­se noch nicht da war und die Son­ne ja auch nicht un­auf­hör­lich schei­nen kann.“ An­ders als wir Men­schen dür­fen die En­gel das leuch­tend­hel­le, lie­be­vol­le Ant­litz Got­tes im­mer­zu an­schau­en und wer­den von ihm an­ge­strahlt. Sie sind aber gleich­zei­tig auch ver­nünf­ti­ge We­sen mit Ein­sicht und ei­ge­ner Ent­schei­dungs­fä­hig­keit. Sie sind kei­ne Skla­ven Got­tes, die in blin­dem Ge­hor­sam Be­feh­le aus­füh­ren. Sie se­hen in völ­li­ger, geis­ti­ger Klar­heit. Hil­de­gard da­zu: „Gott näm­lich ord­net, der Mensch plant, wäh­rend der En­gel das Wis­sen hat. Li­te­ra­tur­an­ga­ben: Hil­de­gard Stri­cker­schmidt „Das Ge­heim­nis der En­gel – Vi­sio­nen und Me­di­ta­tio­nen der Hil­de­gard von Bin­gen“Ver­lag: St. Ben­no ISBN: 978-3-7462-4992-6

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